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Niedersachsen IG Metall will Mitsprache bei Leiharbeit
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen IG Metall will Mitsprache bei Leiharbeit
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21:13 20.09.2011
Von Lars Ruzic
Die Auftragsbücher in der Metallindustrie – hier der Triebwerksspezialist MTU in Langenhagen – sind noch gut gefüllt. Quelle: Insa Catherine Hagemann
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Hannover

„Beides wird unsere ganze Kraft abverlangen“, sagte Helga Schwitzer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied und für Tarifpolitik verantwortlich, dieser Zeitung. Auf der Arbeitgeberseite gebe es zu diesen Punkten noch viel Widerstand.
In diesen Tagen beginnen die Sondierungsgespräche in den Bezirken, morgen beispielsweise in Niedersachsen. Der aktuelle Tarifvertrag für den wichtigsten Industriezweig mit seinen 3,4 Millionen Beschäftigten läuft Ende März 2012 aus. Anschließend besteht noch einen Monat Friedenspflicht.

Zur Höhe der Entgeltforderung hält sich Schwitzer noch bedeckt. „Wir müssen die wirtschaftliche Entwicklung abwarten“, sagte sie. Deshalb werde man erst im Februar 2012, kurz vor Verhandlungsbeginn, die Prozentzahl festlegen. „In unseren Betrieben ist noch kein Abschwung festzustellen, die Auftragsbücher sind voll“, sagte die Hannoveranerin mit Blick auf die aktuellen Verwerfungen an den Finanzmärkten. „Aber wir müssen auch die Risiken akzeptieren.“ Bereits Anfang 2010 – kurz nach der letzten Wirtschaftskrise – hatte die Gewerkschaft vergleichsweise geringe Lohnsteigerungen und eine lange Laufzeit des Tarifabschlusses akzeptiert.

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Eine Verbesserung der Verhandlungsposition erhofft sich Schwitzer davon, dass erstmals die Haustarifverhandlungen von Volkswagen nur kurze Zeit später stattfinden. „Dieses Gewicht kann man gut mit in die Waagschale werfen.“ Bei Aktionen könnten die VW-Beschäftigten besser eingebunden werden. Zuletzt fanden die VW-Haustarifverhandlungen stets mehrere Monaten später statt – mit der Folge, dass meist vor allem über die Übernahme des Ergebnisses in der Fläche gesprochen wurde. In Arbeitgeberkreisen ist ein mittelbarer Einfluss von Volkswagen auf die Branchenverhandlungen ungern gesehen – gerade im Mittelstand gelten die Wolfsburger als zu arbeitnehmerfreundlich.

Leiharbeit: Die noch in der Stahlindustrie durchgesetzte Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit spielt in der Metall- und Elektrobranche keine Rolle mehr. „Dazu ist die Situation in den Betrieben dieser Branche zu unterschiedlich“, sagte die 60-Jährige, die sich auf dem Gewerkschaftstag im Oktober zur Wiederwahl stellt. Über die Entgelte der Leiharbeiter werde man mit den Zeitarbeitsverbänden reden. Mit den Metallarbeitgebern will die Gewerkschaft die Basis schaffen für weitgehende Mitspracherechte der Betriebsräte in den Unternehmen, wenn es um das Ob und Wie der Einstellung von Leiharbeitern geht. In vielen Betrieben werde das heute schon über eigene Vereinbarungen geregelt, in anderen treibe der Einsatz von Leiharbeit aber wilde Blüten. „Wir müssen da Ordnung reinbringen.“

Auszubildende: Die Gewerkschaft will eine unbefristete Übernahme Ausgelernter durchsetzen. Das sei schon deshalb geboten, um den Beschäftigten eine langfristige Perspektive zu bieten, so Schwitzer. Die sich oft an die Ausbildung anschließende befristete Übernahme sei nichts anderes als „eine verlängerte Probezeit“. Vielen Arbeitgebern müsse hier erst einmal klargemacht werden, dass eine Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis keineswegs einer Verbeamtung gleichkomme. Die IG Metall will zudem Regelungen für schwächere Jugendliche schaffen, die zunächst ein Jahr auf die Ausbildung vorbereitet werden müssen. Auch ihnen stünden tarifvertragliche Regelungen zu.

Konferenz zu Fachkräften: Mehr als 100 Gewerkschafter und Arbeitgebervertreter von Handwerk, Textilbranche sowie Holz- und Kunststoffindustrie haben am Dienstag in Hannover auf einer Branchenkonferenz mit Helga Schwitzer darüber diskutiert, wie sich Fachkräfte gewinnen und halten lassen. Dabei seien nicht nur Bezahlung und Arbeitsbedingungen wichtig, sondern auch Gesundheitsprogramme oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sagte sie.

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