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Niedersachsen ING-Diba-Mitarbeiter stellen sich gegen Verdi
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen ING-Diba-Mitarbeiter stellen sich gegen Verdi
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07:20 09.06.2015
Von Albrecht Scheuermann
Werden sie weiterhin auch an Sonntagen arbeiten? Beschäftigte von Callcentern – wie hier bei der ING-Diba in Hannover – wollen Klarheit von der Landesregierung. Quelle: Surrey
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Hannover

Der Betriebsrat der hannoverschen Niederlassung der Direktbank ING-Diba fühlt sich mit seinen Sorgen von der Politik alleingelassen.

Es sei „ein Trauerspiel“, wie die politischen Vertreter mit den Arbeitnehmervertretern umgingen, schimpft der Betriebsratsvorsitzende Dirk Borm. Er hatte Anfang März Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) um Auskunft gebeten, wie das Land Niedersachsen künftig die Sonntagsarbeit regeln will - wartete jedoch monatelang auf eine Reaktion. Ein Sprecher der Landesregierung teilte nun mit, dass für das Thema das Sozialministerium zuständig sei. „Dort ist der Klärungsprozess, wann und wie die niedersächsische Verordnung über die Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen an die aktuelle Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts angepasst werden soll, noch nicht abgeschlossen.“

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Auch Deutsche Postbank betroffen

Anlass für die Anfrage ist ein Urteil dieses Gerichtes, das im vergangenen November die Ausnahmen vom allgemeinen Sonntagsarbeitsverbot für einige Branchen in Hessen für unzulässig erklärt hat. Zu den Klägern gehörte neben der evangelischen Kirche die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Das Urteil hat dazu geführt, dass auch andere Bundesländer - darunter Niedersachsen - ihre entsprechenden Verordnungen überarbeiten. Das Sozialministerium in Hannover hatte bereits vor einigen Monaten erklärt, dass man grundsätzlich die niedersächsische Regelung entsprechend dem Urteil ändern wolle - was unter anderem ein Sonntagsarbeitsverbot für Callcenter bedeuten würde.

Die ING-Diba betreibt ein Callcenter in Hannover mit etwa 300 Mitarbeitern, das an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr Kundenanrufe entgegennimmt. Insgesamt arbeiten hier für die Frankfurter Bank mehr als 600 Beschäftigte. Betroffen von einem Verbot wären in Hannover aber noch weitere Unternehmen, die solche Dienstleistungen auch am Sonntag anbieten. Dies gilt vor allem für die Deutsche Postbank, die nach eigenen Angaben etwa 400 Mitarbeiter im hiesigen Callcenter beschäftigt.

Einkommenseinbußen drohen

Nach Angaben von Borm sind die meisten Beschäftigten der ING-Diba daran interessiert, weiterhin an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten. Sollte diese Arbeit verboten werden, drohten Einkommenseinbußen von bis zu 10 Prozent, weil dann Zuschläge wegfielen. Außerdem verlören die Beschäftigten, darunter viele Studenten, eine wichtige Möglichkeit, sich ihre Arbeitszeit frei einzuteilen.

Die Arbeitnehmervertreter machen sich auch über die längerfristigen Folgen Gedanken. Die ING-Diba arbeitet bereits an einer Alternativlösung: Sollte Sonntagsarbeit hier nicht mehr möglich sein, will sie Anfragen ihrer Kunden an diesen Tagen künftig vom Ausland aus beantworten, etwa aus Wien oder Warschau. Die Arbeitnehmer befürchten, dass diese Verlagerung auf längere Sicht nicht auf einzelne Wochentage beschränkt bleibt, wenn das Unternehmen damit positive Erfahrungen macht. Dies könne die deutschen Standorte gefährden, warnen sie.

Deshalb zeigt sich Borm verärgert über die Funkstille der Landesregierung. „Wie soll dem Betriebsrat eine seriöse Arbeit im Sinne seiner Kollegen möglich sein, wenn einem die Politik noch nicht einmal die dringend benötigten Informationen zugänglich macht?“. Die Landespolitiker sollten alles tun, „um möglichst viele Arbeitsprozesse in Niedersachsen zu belassen“.

Bei der Postbank hält man sich dagegen mit Kommentaren noch zurück. „Solange wir nicht wissen, was sich genau ändert, können wir auch nichts über mögliche Folgen sagen“, erklärte eine Sprecherin der Deutsche-Bank-Tochter.

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