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Niedersachsen „Ich dachte damals: Wo Tui draufsteht, ist auch Tui drin“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Ich dachte damals: Wo Tui draufsteht, ist auch Tui drin“
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11:41 16.01.2017
Von Jens Heitmann
Tui-Chef Friedrich Joussen verzichtet auf Privatjets. Quelle: Stratenschulte
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Hannover

Wer den Tui-Chef durch die Welt fliegt, kann sich nicht vorstellen, nicht für die Tui zu arbeiten - also für die richtige. Deshalb machte sich der Pilot keine großen Gedanken, als ihm die Geschäftsführung Ende August 2010 mitteilte, dass sein Arbeitsverhältnis im Oktober von der Tui-Tochter Hapag-Lloyd Express GmbH auf die Schwestergesellschaft Hapag-Lloyd Executive GmbH übergehen werde. „Ich dachte damals: Wo Tui draufsteht, ist auch Tui drin“, sagt der Flugzeugführer. Für einen Widerspruch gegen den Betriebsübergang sah er folglich keinen Grund.

Mit dem Ausscheiden von Konzernchef Michael Frenzel drei Jahre später änderten sich die Vorlieben im Vorstand jedoch: Als eine seiner ersten Handlungen im neuen Amt verzichtete Nachfolger Friedrich Joussen öffentlichkeitswirksam auf das Privileg eines Privatjets: Der Betreibervertrag für die in Hannover stationierte Challenger 604 wurde gekündigt. Damit endete im März 2014 auch das Arbeitsverhältnis der Piloten. Gleiches widerfuhr wenig später den Kollegen in Düsseldorf, die bis dahin die Vorstände von Eon geflogen hatten - die Tui hatte den Vertrag mit dem Versorger gekündigt.

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Die Flugkapitäne zogen vor Gericht: Ihrer Ansicht nach waren die Hapag-Jets Teil eines gemeinsamen Betriebs mit dem Ferienflieger Tuifly - schon weil beide Gesellschaften den gleichen Geschäftsführer hatten. Auch die Gehaltsabrechnungen kamen von Tuifly. Folglich ließen sich die Arbeitsverhältnisse nicht so einfach auflösen, meinten die Piloten. Die Tui widersprach: Eine gemeinsame Gesellschaft bestehe nicht - es habe sich um zwei vollständig voneinander getrennte Bereiche gehandelt. Zudem dürften Jet-Piloten keine größeren Maschinen fliegen; eine Umschulung würde 30 000 Euro kosten.

Kapitäne gehen in Berufung

Das Arbeitsgericht Hannover hat sich nun - wie zuvor schon das Landesarbeitsgericht Düsseldorf - auf die Seite der Tui gestellt. Der Bereich „Executive“ sei innerhalb der Hapag Lloyd Express GmbH organisatorisch abgrenzbar gewesen, heißt es im Urteil der Arbeitsrichter: „Die Piloten als die maßgeblichen Know-how-Träger und Berechtigungsinhaber für das Bewerkstelligen von Luftverkehr mit den Executive Jets waren hinreichende Betriebsmittel, um eine eigenständige betriebliche Einheit darstellen zu können.“ Ob die Flugzeugführer von einem Gemeinschaftsbetrieb ausgingen, sei „unerheblich“.

Das wollen die Flugkapitäne so nicht hinnehmen: „Wir werden gegen dieses Urteil in Berufung gehen“, sagt der Anwalt Rolf Schaefer. Die ein Dutzend früheren Tui-Piloten haben zwar neue Cockpit-Plätze gefunden - zum Teil aber zu deutlich schlechteren Bedingungen. „Bei aktuell 5000 arbeitslosen Piloten in Europa ist das kein Wunder“, sagt einer von ihnen.

Nach Angaben der Tui hat sich die Aufgabe des eigenen Jets gelohnt: Früher hätte das 4 Millionen Euro im Jahr gekostet, heute habe sich der Aufwand um mehr als die Hälfte verringert, sagt ein Unternehmenssprecher.