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Niedersachsen Immer mehr Startups siedeln sich in Niedersachsen an
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Immer mehr Startups siedeln sich in Niedersachsen an

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08:11 26.11.2019
Sebastian Döring (l-r), Torsten Rabe und Alexander Rohr vom Start-up Lilian Labs GmbH präsentieren ihr Wasseranalysesystem LILIAN (Liquid Light Analytics). Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Die beiden Gründer Sebastian Döring und Torsten Rabe haben es vorgemacht: Die Spezialisten für Messtechnik haben sich mit ihrer Geschäftsidee selbstständig gemacht. Mit einem digitalen Gerät wollen sie Wasserproben erleichtern, etwa in Schwimmbädern. Vor drei Jahren haben sie dafür Lilian Labs gegründet. Mittlerweile ist ihr Messgerät – etwa so groß wie ein Leitungssucher - bereit für den Einsatz: Rund 50 Testkunden können etwa pH-Wert und Chlorgehalt des Wassers schon mit der Entwicklung aus Braunschweig bestimmen.

130 Startups – allein in Hannover

Einen Anteil daran hat auch die Förderbank des Landes Niedersachsen, die NBank. Sie arbeitet daran, Niedersachsen als Startup-Standort zu etablieren. Eine Online-Karte verdeutlicht die Entwicklung: Zum Start vor zwei Jahren waren dort erst 20 Startups zwischen Harz und Nordsee verzeichnet. Heute sind es rund 340. Zwar stellen Hannover (130) und Braunschweig (71) den größten Anteil. Aber auch in Lüchow-Dannenberg, in Meppen und sogar auf Norderney sind Startups verzeichnet.

Niedersachsen hatte früher keine Story für Startups“, sagt NBank-Chef Michael Kiesewetter. Mittlerweile sei jedoch ein Netz aus Förderern entstanden, in dem die Gründer individueller und persönlicher unterstützt würden als etwa in Berlin. Rund jedes dritte der verzeichneten Startups versucht, in der Digitalwirtschaft Fuß zu fassen. Hinzu kommt ein vergleichsweise hoher Innovationsgrad in den Bereichen Agrar und Ernährung, Industrie 4.0 und Mobilität. „Die Szene lebt“, sagt Kiesewetter.

„Gute Ideen im ganzen Land“

Dass die NBank sich heute so prominent als Steigbügelhalter für innovative Gründer präsentiert, hat - typisch für die Szene – auch mit einem Scheitern zu tun. Als eine Forscherin der Leibniz-Uni in Hannover die Idee für die App Peat mitentwickelte, blieb das Startup nicht in Niedersachsen, sondern wanderte ab nach Berlin. Mit der App können Bauern Pflanzenkrankheiten per Smartphone erkennen.

Das will Kiesewetter künftig verhindern. Er ist sich sicher: „Es gibt gute Ideen im ganzen Land – nicht nur im Silicon Valley, in Tel Aviv oder Berlin.“ Aber an wen sollen sich potenzielle Gründer wenden, wenn sie eine gute Idee haben? Die Antwort findet sich wiederum in der Startup-Karte. Dort sind neben zahlreichen Beratungsangeboten und Netzwerken auch sogenannte Startup-Zentren verzeichnet, die den Gründern zur Seite stehen. Acht Stück davon gibt es in Niedersachsen: zwei in Hannover, jeweils eines in Braunschweig, Hildesheim, Göttingen, Osnabrück, Oldenburg und Lüneburg.

Dabei hatte Kiesewetter sich anfangs noch für ein zentralisiertes Modell ausgesprochen, wie er zugibt. Mittlerweile sieht er die Verzweigung als Standortvorteil: „Die Unterstützung vor Ort ist superwichtig“, sagt er. Und im Vergleich etwa zu den Metropolen seien auch die günstigeren Wohnungspreise und die größere Wahrnehmung in der noch kleineren niedersächsischen Szene von Vorteil.

Landesweit 46.000 Neugründungen

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammern Niedersachsen (IHKN) gab es im Jahr 2018 landesweit rund 46.000 Neugründungen. Startups - die hervorstechen, weil sie eine innovative Idee auszeichnet und ein neues Geschäftsmodell verfolgen - machen nur einen Bruchteil davon aus, das ist normal. Für IHKN-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage sind die Zahlen, nur knapp über dem Allzeittief, dennoch besorgniserregend. „Das Ziel muss es sein, die Gründungsdynamik in Niedersachsen deutlich zu erhöhen“, forderte Schrage Ende Oktober.

Wer mit seiner Geschäftsidee noch ganz am Anfang steht, kann sich bei der NBank auf ein sogenanntes Gründungsstipendium bewerben. Von den 1,5 Millionen Euro, die dafür seit Mai zur Verfügung stehen, wurde aber bisher erst rund die Hälfte ausgeschöpft. 67 Anträge gab es, 48 davon wurden bewilligt – die nächste Juryrunde ist für Dezember geplant. Jeder Stipendiat erhält acht Monate lang 2000 Euro (bei Studenten 1000 Euro), um seine Idee voranzubringen. Von 2020 an stehen sogar zwei Millionen Euro pro Jahr für das Stipendium bereit.

„Wagniskapital“ unterstützt für bis zu zwölf Jahre

Wer mit seinem Startup schon weiter ist, kann von der Förderbank sogenanntes Wagniskapital erhalten – damit verbunden ist eine Unterstützung über sieben bis zwölf Jahre. Voraussetzung: Das Startup hat einen Sitz oder Produktionsstandort in Niedersachsen und ist maximal fünf Jahre alt. Der 2017 dafür gegründete Fonds NSeed umfasst 29 Millionen Euro.

Die Erfinder des Wasseranalyse-Startups Lilian Labs sind froh über die Hilfe ihres Investors – und das nicht nur finanziell. „Die Beratung ist wichtig, um die Produktidee abzuklopfen“, sagt Döring. „Wir kommen von der Uni, da ist es hilfreich, wenn uns jemand sagt: Denken Sie nochmal darüber nach, was der Kunde wirklich braucht.“

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Von Christopher Weckwerth (dpa)

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