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Niedersachsen IWF warnt vor Preisblase in Hannover
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen IWF warnt vor Preisblase in Hannover
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17:49 05.07.2018
Neubau: Häuserpreise steigen vielerorts schneller als Mieten und Einkommen Quelle: dpa
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Hannover

Gibt es in Hannover eine Preisblase am Immobilienmarkt? Diese Gefahr sieht zumindest der Internationale Währungsfonds (IWF). In Hannover, Hamburg, München und Frankfurt lägen die Häuserpreise besonders weit oberhalb des erwartbaren Niveaus, schreiben die Ökonomen der renommierten Organisation in einer aktuellen Studie über die wirtschaftliche Lage in Deutschland.

Der IWF vergleicht die Preise der Immobilien mit denjenigen, die man angesichts der Entwicklung von Faktoren wie Immobilien-Angebot, Zinsen, Löhne, Arbeitslosigkeit und Demographie hätte erwarten können. In München lagen die tatsächlichen Preise im Jahr 2017 laut IWF um 46 Prozent über den „vernünftigen“ Preisen, in Hannover, Frankfurt und Hamburg um 25 bis 30 Prozent. Kontrollrechnungen mit anderen Faktoren bestätigen laut IWF dieses Ergebnis.

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Außerdem betont er, dass die Häuserpreise in den großen deutschen Städten 2017 schneller stiegen als in anderen europäischen Großstädten. In Kopenhagen, Madrid oder Rom kletterten die Löhne sogar schneller als die Immobilienpreise, in Deutschland war es umgekehrt. Auf die absoluten Kaufpreise geht der IWF nicht ein. Andere Statistiken zeigen, dass Häuser und Wohnungen in Hannover weniger kosten als zum Beispiel in Hamburg oder München, wo es wiederum noch günstiger ist als etwa in London.

Andere Forscher sehen eher in Wolfsburg eine Blase

Da der IWF seine Rohdaten nicht veröffentlicht hat, lässt sich die Rechnung nicht prüfen. Auffällig ist, dass die Forscher Hannover zu den zehn größten deutschen Städten zählen. Tatsächlich liegt Hannover bei der Einwohnerzahl auf Rang 13. Möglicherweise hat der IWF (teilweise) Daten der Region Hannover statt Daten der Landeshauptstadt verwendet, was das Ergebnis verzerrt haben könnte.

Das deutsche Forschungsinstitut Empirica sieht zumindest in der Region Hannover aktuell keine Blase. „Die Kaufpreise sind dort zwar stärker gestiegen als die Mieten und die Einkommen“, sagte Empirica-Forscher Lorenz Thomschke. Das Missverhältnis sei aber nicht größer als in anderen attraktiven deutschen Metropolen. Eine größere Blasengefahr sieht das Institut unter anderem in Wolfsburg und in einigen bayrischen Landkreisen.

Auch hohe Mieten

Auch die Mietpreise steigen und steigen: Wer in Niedersachsen eine Wohnung mieten will, muss je nach Standort mittlerweile tief in die Tasche greifen. Vor allem in den Ballungsräumen steigen die Mieten seit Jahren kontinuierlich. Die Landesregierung will der Entwicklung nun entgegenwirken.

Von Christian Wölbert