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19:25 08.04.2015
Von Jens Heitmann
Foto: Ein Arbeiter tüftelt im Werk des hessischen Gehäuse- und Schaltschranktechnikanbieter Rittal im indischen Bangalore.
Ein Arbeiter tüftelt im Werk des hessischen Gehäuse- und Schaltschranktechnikanbieter Rittal im indischen Bangalore.  Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Mit rund 6500 Ausstellern liegt die Industrieschau auf dem Niveau der vergleichbaren Veranstaltung vor zwei Jahren. Damals kamen 217 000 Besucher. „Das ist auch die Messlatte für dieses Jahr“, sagte Köckler. Intern wurden zuvor 230.000 Gäste als Ziel genannt.

Im Mittelpunkt der Messe vom 13. bis 17. April steht zum dritten Mal in Folge die „integrierte Industrie“ – mithilfe der Informationstechnik soll das Zusammenspiel von Mensch und Maschine so optimiert werden, dass die Auslastung steigt und auch kleine Serien so günstig produziert werden können wie Massenware. Als Schlagwort für diesen Trend hat sich „Industrie 4.0“ eingebürgert. „Von Hannover aus wird sie die Welt erobern“, sagte Köckler.

900 Aussteller kommen aus China

Mehr als die Hälfte der Aussteller kommt aus dem Ausland. An der Spitze liegt China mit 900 Unternehmen, gefolgt von Italien mit rund 500 Vertretern. Das diesjährige Partnerland Indien kommt mit 400 Ausstellern nach Hannover. „Wir möchten zeigen, dass unsere Regierung die Fähigkeit besitzt, ein positives Wachstumsklima zu schaffen“, sagte Botschafter Vijay Gokhale am Mittwoch. Sein Land habe Reformen angestoßen, damit die Wirtschaft des Landes wieder um 8 bis 9 Prozent im Jahr wachsen könne.

Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wird der indische Premierminister Narendra Modi am Sonntag die Messe eröffnen. Das Partnerland präsentiert sich in einem eigenen Pavillon in der Halle 6. Mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern sei Indien nicht nur als Absatzmarkt interessant, sagte Botschafter Gokhale: „Wir gewinnen auch als Hersteller zunehmend an Bedeutung.“

Digital vernetzte Fertigungsanlagen

Von „Industrie 4.0“ war zum ersten Mal auf der Hannover Messe vor drei Jahren die Rede. In der Folge haben die Unternehmen ihre Forschung weiter vorangetrieben. Nun stellen Aussteller digital vernetzte Fertigungsanlagen vor. „Erstmals werden Technologien gezeigt, die der Besucher kaufen und direkt in seine Fabrik einbauen kann“, sagte Messe-Vorstand Köckler. „Damit ist Industrie 4.0 endgültig in der Realität angekommen.“

Auf der Industrieschau will die Bundesregierung mit den Wirtschaftsverbänden Bitkom, VDMA und ZVEI die Grundzüge und dazu eine gemeinsame Strategie vorstellen. „Unser Ziel ist es, Industrie 4.0 zu einer Erfolgsgeschichte für Deutschland zu machen“, erklärte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. „Als Fabrikausrüster der Welt bietet unsere Wirtschaft dafür sehr gute Voraussetzungen.“

Partnerland Indien träumt
vom Wirtschaftswunder

40 Küchenchefs der sechs besten Hotelketten lässt Indien angeblich in diesen Tagen nach Hannover einfliegen. Das Partnerland der diesjährigen Industriemesse will die Wirtschaft auf den Geschmack bringen: Indien wirbt für seine Kampagne „Make in India” – und um deutsche Investitionen.

Nach Jahren der Lähmung will die mit gut 1,2 Milliarden Einwohnern zweitgrößte Nation der Welt wieder durchstarten. Der neue indische Premierminister Narendra Modi war im Mai 2014 mit einem ambitionierten wirtschaftspolitischen Kurs angetreten. Unter dem Slogan „Make in India“, setzen Sie auf Indien, wirbt er rund um die Welt um Investoren. Sein Ziel: Bis 2025 soll der Anteil der Produktion von derzeit 15 auf dann 25 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen.

Dazu will Modi Bürokratie abbauen, das Steuerchaos lichten, ähnlich wie China Industriekorridore und -parks schaffen und Arbeiter besser qualifizieren. Es ist ein weiter Weg. Weite Teile Indiens sind ländlich geprägt, vielerorts pflügen Bauern noch mit der Hand oder dem Ochsenkarren. Noch immer ist der Agrarsektor mit 51 Prozent aller Beschäftigten der größte Arbeitgeber, steuert aber nur 17 Prozent zur Wirtschaftskraft bei.

Der wirtschaftliche Boom der Vergangenheit war dem Dienstleistungssektor geschuldet. Während China als Fabrik der Welt gilt, avancierte Indien zum globalen Büro. Callcenter und Backoffices schossen aus dem Boden. Der Servicebereich macht heute fast 57 Prozent der Wirtschaftskraft aus, beschäftigt aber nur 27 Prozent der Arbeitnehmer. Jeden Monat drängen rund eine Million junge Inder auf den Arbeitsmarkt. Um die versprochenen Jobs zu schaffen, muss das Land dringend den schwachen Industriesektor ausbauen. Dazu braucht Modi ausländisches Know-how und Geld – und hofft dabei nicht zuletzt auf Deutschland. Bereits heute ist die Bundesrepublik Indiens wichtigster Handelspartner innerhalb der EU. Mehr als 1000 deutsche Firmen haben sich dort angesiedelt. Und, so die Hoffnung, es sollen weitere dazukommen.

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