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Niedersachsen Kunststoff-Konzerne wollen Müll einsammeln
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Kunststoff-Konzerne wollen Müll einsammeln
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00:20 19.01.2019
Plastikmüll am Strand von Ko Sichang, einer Insel im Golf von Thailand: Zehn Flüsse spülen den Großteil des Mülls in die Meere. Quelle: dpa
Hannover

Die Erde wird zum Planet Plastik: Selbst an der vergleichsweise sauberen Nordsee findet man pro 100 Meter Strand mehrere Hundert Kunststoffteile, meldete vor Kurzem das niedersächsische Umweltministerium. Auch in der Antarktis wurde schon Mikroplastik nachgewiesen. Ebenso in Tieren, von der Muschel bis zum Pottwal. Bis 2050 könnte der Müll in den Ozeanen mehr wiegen als alle Fische zusammen, haben Forscher ausgerechnet.

Müll raus aus Flüssen

Umweltschützer, Erfinder und auch Politiker haben dem Müll längst den Kampf angesagt. Die finanziell wohl am besten ausgestattete Initiative entsteht nun allerdings in der Kunststoff-Industrie selbst: BASF, Covestro, Henkel, Dow, Procter & Gamble, Total und rund zwei Dutzend weitere Konzerne haben am Mittwoch eine „Allianz gegen Plastikmüll in der Umwelt“ gegründet. Eine Milliarde US-Dollar stellen die Gründungsmitglieder sofort bereit. Weitere 500 Millionen sollen in den nächsten fünf Jahren hinzukommen.

Der selbst gesteckte Anspruch ist hoch: Es handle sich um „die bisher umfassendste Maßnahme zur Beseitigung von Plastikabfällen in der Umwelt“, sagte Procter-&-Gamble-Chef David Taylor. Man wolle effektiv dazu beitragen, das weltweite Problem zu lösen, betonte BASF-Chef Martin Brudermüller. Vier „Handlungsfelder“ listet die Initiative auf:

Reinigung von Flüssen, die Plastik ins Meer spülen: In einem ersten Schritt will die Allianz ein Projekt unterstützen, das am Ganges in Indien Müll sammelt.

Aufbau von Infrastruktur für Abfallsammlung und Recycling: Als Beispiel nennt die Allianz Partnerschaften mit Städten mit hohem Müllaufkommen, etwa in Indonesien.

Neue Recycling-Techniken: Als konkretes Beispiel führt BASF eine selbstentwickelte chemische Methode an, die Abfall, der bislang nicht recycelt werden kann, wieder in Rohmaterial verwandeln soll.

Bildung und Einbindung: Regierungen, Unternehmen und Gemeinden sollen dadurch „zum Handeln bewegt werden“, erklärt die Initiative.

Einige wichtige Punkte sind allerdings noch unklar. BASF sagte auf Anfrage nicht, wie viele Mitarbeiter die Allianz haben wird. Nicht verraten wird bislang auch, wie viel Geld die einzelnen Konzerne beitragen. Die Summe hänge von der Unternehmensgröße und der Branche ab, sagte eine BASF-Sprecherin.

Außerdem ist bislang kaum die Rede von Strategien zur Plastikvermeidung. Aus Sicht von Umweltschützern ist das ein zentraler Faktor – Müll, der nicht entsteht, muss hinterher nicht gesammelt und verbrannt oder recycelt werden. So weit, ihr eigenes Geschäftsmodell in Frage zu stellen, gehen die Konzerne also nicht.

Ein Sprecher der Umweltschutzorganisation BUND begrüßte die Initiative am Mittwoch grundsätzlich. Abfallvermeidung müsse allerdings an erster Stelle stehen. Allein aus EU-Ländern gelangten jährlich 100.000 Tonnen Plastik in die Meere. Rund die Hälfte davon bestehe aus Flaschen und Einwegbechern, „also Massenware, für die es längst nachhaltige Alternativen gibt“, betonte der Sprecher.

Woher stammt der Müll im Meer?

Die Umweltorganisation BUND schätzt, dass jährlich rund zehn Millionen Tonnen Müll im Meer landen, drei Viertel davon aus Plastik. Zum Vergleich: Weltweit werden jährlich rund 350 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, mit steigender Tendenz.

Der Großteil des Plastikmülls stammt von Land. Rund vier Millionen Tonnen werden weltweit durch Flüsse ins Meer gespült, schätzen Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig. Etwa 90 Prozent dieser Menge stammen demnach aus lediglich zehn großen Flüssen in Afrika und Asien. Ganz oben auf der Liste steht der Jangtse, der in China in den Pazifik mündet. Außerdem gehören Nil, Niger und eine Reihe von Strömen in Südostasien zu den größten Verschmutzern.

Der BUND geht davon aus, dass 50 bis 70 Prozent der Partikel auf den Meeresboden sinken. Der Müll verteile sich aber auch weltweit, werde an die Strände gespült und gefährde Hunderte Tierarten. Etwa eine Million Vögel und 100.000 Meeressäuger würden jährlich daran sterben, schreibt die Organisation.

Von Christian Wölbert

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