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Niedersachsen „Wir haben eine solide Geschäftsbasis“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Wir haben eine solide Geschäftsbasis“
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00:15 31.12.2013
Von Albrecht Scheuermann
Der Vorstandssprecher der Hannoverschen Volksbank, Jürgen Wache. Quelle: Spata
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Hannover

Herr Wache, wie geht es der Hannoverschen Volksbank Ende 2013?

Gut. Wenn es nicht den Niedrigzins und die überbordende Regulatorik gäbe, würde ich sogar sehr gut sagen.

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Wie läuft das Kreditgeschäft?

Wir haben mit dem mittelständischen Kreditgeschäft eine solide Geschäftsbasis, das ist unser großer Vorteil. Nicht ohne Grund haben plötzlich viele Banken den deutschen Mittelständler entdeckt und wollen in dieses Marktsegment hinein. Die gewerbliche Kreditnachfrage ist derzeit allerdings eher gering. Vielen mittelständischen Unternehmen geht es gut, deshalb parken sie ihre Liquidität auf den Konten. Dagegen ist die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen weiterhin stark.

Wie sieht es auf der Einlagenseite aus?

Wir merken hier den Wettbewerb insbesondere von Töchtern ausländischer Banken, die die stabile Sparfähigkeit deutscher Banken für ihr Geschäft nutzen wollen.

Sie zahlen nur Minizinsen von knapp über 0 Prozent. Da müssten Sie in diesem Segment doch ordentlich Gewinn machen?

Leider nicht - zumal unser Durchschnittszins auf die Spareinlagen deutlich höher ist. Sie sind unsere teuerste aber auch treueste Refinanzierung, wir könnten das Geld günstiger von der Europäischen Zentralbank bekommen. Aber wir halten an unserem Geschäft mit den Privatkunden fest, denn wir wollen unsere treuen Kunden nicht verlieren.

Was bedeutet das für Ihren Gewinn im Jahr 2013?

Der Jahresüberschuss dürfte in etwa das Vorjahresniveau erreichen.

Zur Person

Jürgen Wache ist Jahrgang 1959 und blickt auf zwei Jahrzehnte Vorstandstätigkeit in Genossenschaftsbanken zurück. Die erste Vorstandsaufgabe für den gelernten Bankkaufmann kam 1993 bei der Volksbank Garbsen. 2004 wechselte er in den Vorstand der Volksbank Burgdorf-Celle. Seit dem 1. Juli 2008 ist Wache Sprecher des Vorstandes der Hannoverschen Volksbank.

Es gibt viel Kritik an den vergleichsweise hohen Zinsen für Dispokredite von oft deutlich über 10 Prozent, auch bei Ihnen. Was sagen Sie dazu?

Zunächst sollte man einen Blick auf die Kalkulation werfen. Zum Beispiel müssen wir für die eingeräumten Kreditlinien Eigenkapital freihalten, auch wenn sie gar nicht in Anspruch genommen werden.

Profitieren Sie nicht davon, dass viele Kunden aus Bequemlichkeit oder Gedankenlosigkeit ihr Konto überziehen?

Diese Finanzierungsform ist nur für den kurzfristigen Geldbedarf gedacht. Darauf achten wir, und darauf weisen unsere Berater die Kunden hin. Sie haben auch die Aufgabe, Kunden auf eine Umschuldung anzusprechen, wenn ein Ratenkredit sinnvoll ist. Dies zeigt Wirkung: So haben sich unsere Konsumentenkredite in den vergangenen Jahren verdreifacht. Und von den bereitgestellten Kreditlinien auf den Girokonten wird im Schnitt nur ein Achtel in Anspruch genommen. Dies zeigt, dass wir die Beratung auch in diesem Punkt ernst nehmen.

Dennoch bleibt die Tatsache, dass der Abstand zwischen dem Dispozins und dem Einlagenzins ungewöhnlich groß ist ...

Die Konditionen unserer Produkte sind immer Ergebnis einer Mischkalkulation, das liegt an unserem Geschäftsmodell. So sind wir mit einem großen Filialnetz in der Fläche präsent und bieten ein breites Netz an Geldautomaten, das muss finanziert werden.

Wie finden Sie die Absicht der neuen Regierung, die Geldhäuser bei Kontoüberziehung zu einem deutlichen Hinweis an die Kunden zu verpflichten, dass es Alternativen zum Dispokredit gibt?

Das passt, damit können wir leben, es entspricht unserem heutigen Geschäftsgebaren.

Manche Banken denken angeblich wegen der extremen Niedrigzinsen der EZB sogar über Negativzinsen nach. Die Kunden müssten also etwas bezahlen, wenn sie der Bank Geld bringen. Was halten Sie davon?

Das ist für uns kein Thema. Ich glaube nicht, dass ein Sparer derzeit Geld dafür bezahlt, es bei seiner Bank anzulegen. Allerdings ist die Realverzinsung, also der Anlagezins abzüglich der Geldentwertung, ohnehin schon häufig negativ. Dies ist der Beitrag des deutschen Sparers zur Behebung der Finanzmarkt- und Schuldenkrise. Vor allem für die Altersvorsorge wird das ein kommendes Problem. Aber nichts tun hilft auch nichts: Die Menschen müssen trotz der Schuldenkrise heute fürs Alter vorsorgen.

Viele Banken und Sparkassen berichten über ein maues Wertpapiergeschäft. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Wir spüren eine deutliche Nachfragebelebung. Es gibt in diesem Jahr eine Rückbesinnung der Kunden auf diese Formen der Geldanlage. Der Schwerpunkt liegt bei Fonds und Festverzinslichen.

Gerade im Wertpapiergeschäft gelten neue Vorschriften, die für mehr Verbraucherschutz sorgen sollen - vom Beratungsprotokoll bis zum zentralen Beraterregister. Wird damit das Ziel erreicht?

Vor allem wird mit diesem Formalismus erreicht, dass die Beratungsgespräche jetzt deutlich länger dauern und der Kunde mit mehr Papier beglückt wird. Das führt jedoch nicht automatisch zu einem aufgeklärten Verbraucher und einer fairen Beratung. Wir als deutsche Volks- und Raiffeisenbanken haben jedoch einen eigenen Qualitätsanspruch definiert. Unser gemeinsamer Beratungsstandard geht weit über die bloße Erfüllung der gesetzlichen Regeln hinaus. Wir streben damit keine schnellere, sondern eine noch bessere Beratung an.

Generell schimpfen viele Banker über die zahlreichen neuen Regulierungen. Sie auch?

Zunächst mal ist klar, dass Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen sind. Damit habe ich kein Problem. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Eigenkapitalanforderungen für Banken verschärft werden und eine bessere Liquiditätsvorsorge betrieben wird. Das bekommen wir als Hannoversche Volksbank auch umgesetzt.

Wo ist dann das Problem?

Die Regulierung geht weit über diese Themen hinaus – und sie trifft uns, obwohl wir als bodenständige Regionalbanken ein kleinteiliges und damit risikoarmes Geschäft betreiben. Es ist auch die Fülle der neuen Vorschriften, die uns zu schaffen macht. Mehrere Institutionen in Deutschland und Europa arbeiten nebeneinander her. Das ergibt einen Wust von Regeln, die wir gleichzeitig und kurzfristig umsetzen müssen. Für uns bedeutet das erhebliche Mehrkosten. So mussten wir unser Personal allein regulierungsbedingt um drei bis vier Kräfte aufstocken.

Wird die Stimme der Volks- und Raiffeisenbanken überhaupt in Brüssel gehört?

Ja, das hat sich deutlich gebessert. Unser Bundesverband wird heute in Brüssel viel stärker wahrgenommen als noch vor ein paar Jahren. Ich habe den Eindruck, dass unser Geschäftsmodell heute, nach der Finanzkrise, wieder viel Interesse findet.

Größte im Norden

Die Hannoversche Volksbank in ihrer heutigen Gestalt ist das Ergebnis von mehreren Fusionen. Vor rund zehn Jahren schlossen sich die Volksbank Hannover, Lindener Volksbank, Volksbank Burgdorf-Celle und Volksbank Garbsen in zwei Schritten zur Hannoverschen Volksbank zusammen. Diese gehört zu den 20 größten von insgesamt etwa 1100 Genossenschaftsbanken in Deutschland, in Norddeutschlands ist sie sogar die Nummer eins. 2012 lag die Bilanzsumme bei 4,5 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss betrug 12,5 Millionen Euro. Sie beschäftigt fast 1000 Mitarbeiter, hat 100 Geschäftsstellen und 235.000 Kunden. Rund 106.400 von ihnen sind auch Genossenschaftsmitglied.

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