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Niedersachsen Investor will Siag Nordseewerke übernehmen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Investor will Siag Nordseewerke übernehmen
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22:24 10.01.2013
Von Jens Heitmann
Der Stahlbauer DSD hat Interesse an den Nordseewerken, will aber nur einen Bruchteil der Mitarbeiter übernehmen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

 Ein entsprechendes Konzept habe der Investor den Arbeitnehmervertretern vorgestellt, sagte der 1. Bevollmächtigte der Emder IG Metall, Wilfried Alberts.

Die Nordseewerke hatten Mitte Oktober vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet, nachdem die Landesregierung dem Unternehmen mit keiner weiteren Bürgschaft unter die Arme greifen wollte. Für die Umwandlung der Nordseewerke zu einem Zulieferer für die Windkraftindustrie hatte die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) Kredite von 70 Millionen Euro gewährt – für 50 Millionen Euro hatte das Land gebürgt. Die Produktion von Türmen und Fundamenten für Windkraftanlagen vor der Küste war in den Monaten davor nie richtig ins Laufen gekommen.

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Der potenzielle Investor DSD Steel hat bisher keine Erfahrung mit der Errichtung von Windparks auf dem offenen Meer. Die Gesellschaft ist unter anderem beim Bau von Brücken und Containerkränen aktiv, eine zweite Sparte beschäftigt sich mit Instandhaltung und Reparaturen. Der Umsatz belief sich im vergangenen Jahr auf 220 Millionen Euro, zum Gewinn wie zu seinen Plänen in Emden machte das Unternehmen keine Angaben. Hinter DSD steht die belgische Pirson Gruppe.

Dem Vernehmen nach will DSD Steel die Nordseewerke aber nur übernehmen, wenn die Nord/LB einen weiteren Kredit gewährt – die Rede ist von 10 bis 20 Millionen Euro. Die Bank sei dazu aber allenfalls bereit, wenn das Land erneut mit ins Risiko gehe und für 80 Prozent der geforderten Summe bürge. Zu den Details wollten gestern weder das Land noch die Bank Stellung nehmen. „Das Konzept liegt bei der Nord/LB zur Prüfung“, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Hannover.

Alle Seiten stehen unter Zeitdruck. Das Insolvenzgeld ist bereits zum Jahresende ausgelaufen, Ende Januar werden in Emden die letzten Mittel aufgebraucht sein. Die IG Metall und die Opposition im Landtag fordern die Einrichtung einer Transfergesellschaft für die 750 Beschäftigten der Nordseewerke; die Landesregierung lehnt das bisher aus rechtlichen Gründen ab.

Mit einem neuen Investor ändere sich allerdings das Bild, hieß es im Wirtschaftsministerium. Dann stelle die Einrichtung einer Transfergesellschaft keine unerlaubte Beihilfe mehr, sondern könne als Investitionsförderung verbucht werden.

In Emden überwog am Donnerstag dennoch die Enttäuschung. Zwar freue man sich darüber, dass endlich ein Investor zum Einstieg bereit sei, sagte IG-Metall-Vertreter Alberts. Gleichwohl treffe der Abbau von 500 Arbeitsplätzen die Belegschaft hart: „Das ist nicht das, was wir uns gewünscht haben.“

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