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Niedersachsen Jahn: „Für uns ist das ein großes Labor“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Jahn: „Für uns ist das ein großes Labor“
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13:55 03.06.2013
Martin Jahn, Chef des Großkundengeschäfts bei VW, mit einem Quicar. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Das erste Teilauto-Projekt des Volkswagen-Konzerns, Quicar in Hannover, hat in den vergangenen Monaten Fahrt aufgenommen. „Der Sommer läuft supergut, wir haben viele Kunden hinzugewonnen, die Auslastung der Fahrzeuge ist spürbar nach oben gegangen“, sagte der Chef des Großkundengeschäfts im Konzern, Martin Jahn, der HAZ. Im Laufe des kommenden Jahres soll das Carsharing-Angebot auf Braunschweig und Wolfsburg ausgeweitet und von Anfang 2014 an auch durch Elektroautos ergänzt werden.

Volkswagen war mit Quicar im November vergangenen Jahres gestartet, um seine eigenen Erfahrungen auf einem Geschäftsfeld zu sammeln, das viele Auguren gerade in Metropolen für besonders wachstumsträchtig halten und das bereits Konkurrenten wie Daimler und BMW angelockt hatte. „Für uns ist das alles ein großes Labor“, umschrieb es Jahn, in dessen Verantwortungsbereich Quicar fällt. Zu den ersten Erkenntnissen gehörte dabei, dass der Winter keine sinnvolle Startzeit ist: Die Kundenzahlen kamen nur schleppend in Gang, erst seit dem Frühjahr steigen sie deutlich. Auf mehr als 6500 Kunden kommt Quicar inzwischen, welche die Fahrzeuge im Schnitt für 3,3 Stunden mieten. „Damit können wir zufrieden sein“, so der VW-Manager.

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Die letzten Monate haben dem Konzern schon viele Überraschungen beschert. Das begann mit aufgebrochenen und leergeräumten Fahrzeugen – „extrem ärgerlich, nicht nur aus Kostengründen“, wie Jahn einräumte. Inzwischen sei das allerdings abgestellt. Auch die Kundschaft hatte VW so nicht erwartet: 80 Prozent sind männlich, im Durchschnitt älter als gedacht. Auch ist die Kundschaft, die oft kein eigenes Auto hat, wesentlich anspruchsloser als sich das die technikverwöhnten VW-Entwickler vorgestellt hatten. „Die Leute freuen sich richtig über die Klimaautomatik oder die Einparkhilfe im Golf“, berichtete der 42-Jährige.

Rund 200 Golf Blue Motion mit 105 PS hat der Konzern inzwischen in Hannover im Einsatz, verteilt auf 66 Stationen im Stadtgebiet. Eine Ausweitung auf die Region sei denkbar, hieß es. Konkrete Pläne für Quicar-Stationen gibt es aber noch nicht.

Auch überlegen die Quicar-Verantwortlichen, ob sie ihren Kunden das Angebot machen sollen, das Fahrzeug einfach am Ziel ihrer Reise stehenlassen zu können, wie es Daimler und BMW praktizieren und wie es sich auch viele Hannoveraner wünschen. Bislang müssen Quicar-Kunden den Wagen auch wieder an der vereinbarten Station abgeben. Das erhöhe die Buchungssicherheit und die Verfügbarkeit, argumentieren sie bei VW.

Doch laufen bereits erste Tests, beschränkt auf die Mitarbeiter der VW-Finanztochter. Für sie wurden Fahrzeuge an der Bankzentrale in Braunschweig aufgestellt, mit denen sie zum hannoverschen Flughafen fahren und sie dort stehen lassen können. Gleichzeitig warten in Langenhagen Autos auf gerade gelandete Fluggäste, die nach Braunschweig wollen. Jahn kann sich vorstellen, dass man mittelfristig die beiden Logistikkonzepte mischt.

Ohnehin wird der Organisationsaufwand für die Quicar-Manager noch steigen. Schließlich soll das Projekt auf Braunschweig und Wolfsburg ausgedehnt werden. Hinzu kommt die Elektrifizierung der Flotte. Sie ist Teil des „Schaufensters Elektromobilität“. Im Frühjahr war die Metropolregion Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg von der Bundesregierung als eine von vier Vorzeigeregionen ausgewählt worden, in denen E-Mobilität für die Bürger schnell erlebbar gemacht werden sollen. Derzeit liegen Dutzende Einzelprojekte in Berlin zur Genehmigung, bis zu 50 Millionen Euro als staatliche Förderung könnten in die Region fließen.

Zu den Projekten gehört auch „Quicar elektrisch“, zuletzt allein mit rund 18 Millionen Euro Gesamtinvestitionen veranschlagt. „Alle glauben, dass Car-sharing und Elektromobilität gut zusammenpassen“, sagt Jahn, „aber auch das müssen wir erst testen.“ So gehört es zu den besonderen Herausforderungen, Quicar-Stationen mit einer elektronischen Zapfsäule auszustatten. Und dann müssen die Kunden auch noch dazu erzogen werden, das Einstecken und Abziehen des Ladekabels nicht zu vergessen. Fest steht, dass die Elektro-Ups, die von Anfang 2014 über Hannovers Straßen rollen werden, die Benziner im Quicar-Angebot nur ergänzen, nicht aber ersetzen werden. Alles andere sei wirtschaftlich gar nicht darstellbar, heißt es.

Jahn macht keinen Hehl daraus, dass Quicar für den Konzern ein Zuschussgeschäft ist. „Klar ist aber auch: Am Ende des Tages muss es profitabel sein“, betont der gebürtige Tscheche. Das müsse nicht in jeder Stadt der Fall sein, „aber für das Businessmodell insgesamt“. Darauf allerdings warten sie alle noch in der Automobilindustrie.

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