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Niedersachsen Joussen will die Tui auf Wachstum trimmen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Joussen will die Tui auf Wachstum trimmen
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00:19 12.02.2015
Gab vor der Hauptversammlung die Konzentration der Tui-Rechenzentren in Hannover bekannt: Vorstandschef Friedrich Joussen. Quelle: dpa
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Hannover

Im laufenden Geschäftsjahr sollen die Erlöse um 2 bis 4 Prozent steigen – nach nur einem Prozent in 2013/14.

Im ersten Quartal hat die Tui dieses Ziel bereits übertroffen: Von Oktober bis Dezember verzeichnete der Konzern ein Umsatzplus um 5,4 Prozent auf 3,54 Milliarden Euro. Der saisonübliche operative Verlust verringerte sich um 24 Prozent auf 108 Millionen Euro, unter dem Strich stand ein Minus von 136 (Vorjahreszeitraum: 155) Millionen Euro. Im ersten Quartal schreiben Touristikunternehmen wegen hoher Vorlaufkosten rote Zahlen, ihr Geld verdienen sie in der Sommersaison. „Wir sind stark ins neue Geschäftsjahr gestartet“, sagte Joussen.

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Um wieder wachsen zu können, strebt das Management in mehreren Unternehmensbereichen Veränderungen an. Dass die Reiseveranstalter in den vergangenen Jahren nur ihr Ergebnis, aber nicht ihre Erlöse gesteigert haben, führt Joussen auch auf Schwächen im Marketing zurück. „Die Barrieren durch die komplizierte Unternehmensstruktur sind weggeräumt“, sagte der Tui-Chef. „Jetzt können und werden wir handeln.“

Eine stärkere Vereinheitlichung strebt der Vorstand auch im Kreuzfahrtgeschäft, bei der Datenverarbeitung und bei den Fluggesellschaften an. Mit einer Flotte von bald 15 Schiffen will die Tui zu einem führenden Kreuzfahrer in Europa werden. Die Zahl der IT-Standorte soll aktuell von 36 auf zwei schrumpfen – beide werden künftig in Hannover in der Konzernzentrale und beim Reiseveranstalter Tui Deutschland angesiedelt. Neue Arbeitsplätze entstünden dadurch aber nicht, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Pflege und Wartung werde unter anderen von Schweden aus gemanagt. Darüber hinaus will der Konzern eine einheitliche Plattform für die Kundendaten schaffen, um die Urlauber vom Vertrieb, über den Service bis in die Zielgebiete besser betreuen zu können.

Auch am Ziel einer Neuordnung der Ferienflieger hält der Vorstand fest – ohne allerdings konkret zu werden. Der Konzern verfügt über 141 Maschinen, die auf fünf Gesellschaften verteilt sind. „Mit 141 Flugzeugen in einer Airline wären wir derzeit in Europa die Nummer 7 und damit wesentlich wettbewerbsfähiger als heute“, sagte Joussen.Die Pläne der Konzernführung sorgen in der Belegschaft der hannoverschen Tui-fly seit Wochen für Unruhe: Sie fürchten eine Verlagerung von Kompetenzen und Arbeitsplätzen zur britischen Schwestergesellschaft Thomsonfly.

Bereits vor der Hauptversammlung hatte der Tui-Chef in der HAZ angedeutet, dass ein Stellenabbau den Standort Hannover „eher nicht“ treffen wird. Für Klarheit sorgen will Joussen jedoch erst bei der Vorlage der Halbjahreszahlen: „Unser Ziel ist es, bis Mai einen umfassenden Plan vorzulegen.“

Aktionärsvertreter lobten die Tui-Führung für die Neuausrichtung des Unternehmens. „Das Kurstrauerspiel der Ära Frenzel ist beendet“, sagte Ingo Speich, Portfoliomanager von Union Investment. „Der Dampfer fährt wieder in die richtige Richtung, seit der Aufsichtsrat den richtigen Kapitän an Bord geholt hat.“ Das bisher Erreichte könne sich sehen lassen, erklärten auch Redner der Aktionärsvereinigungen DSW und SdK – und legten zugleich die Latte höher: „Die Pflicht zur Fusion haben Sie erfüllt, die Kür fehlt noch.“

Vor Tagen hatten Befürchtungen die Runde gemacht, dass im Zuge des Effizienzprogramms „One Aviation“ in Hannover hunderte Stellen wegfallen.

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