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Niedersachsen Kapitaldecke der Nord/LB relativ dünn
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Kapitaldecke der Nord/LB relativ dünn
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10:17 24.07.2010
Von Albrecht Scheuermann
Quelle: Tim Schaarschmidt (Archiv)
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Tatsächlich konnte sich jede der betroffenen 91 Banken in Europa selbst ausrechnen, wie sie in Bezug auf die als entscheidend angesehenen Kennziffern dasteht. Anhand der bekannten Zahlen war jedoch klar, dass die Nord/LB unter den 14 deutschen Banken, die beim Stresstest mitmachen müssen, eher im hinteren Bereich rangieren würde. Die Kernkapitalquote lag zum Jahresabschluss 2009 bei 8,7 Prozent – und damit in ähnlicher Größenordnung wie bei der Landesbank Hessen-Thüringen und der Landesbank Berlin. Deutlich schwächer schneidet nur noch die Pleitebank Hypo Real Estate und die Postbank ab.

Damit sind gerade diejenigen Landesbanken mit Eigenkapital eher schwach ausgestattet, die ohne staatliche Hilfe durch die Finanzkrise gekommen sind. Die anderen Landesbanken von München bis Hamburg mussten dagegen mit Milliarden-Kapitalspritzen am Leben erhalten werden.

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Allerdings gilt auch die Nord/LB nach bisherigen Maßstäben durchaus als solide kapitalisiert. Dies zeigt sich in den durchweg guten Bonitätsnoten, die die Bank von den Ratingagenturen einheimst. Zudem hat die Nord/LB derzeit keinerlei Probleme, das nötige Geld auf den Finanzmärkten aufzunehmen. Die von der Bank zu diesem Zweck auf den Markt gebrachten Schuldverschreibungen stoßen international stets auf großes Interesse und sind bei den institutionellen Investoren wie Versicherungen oder Pensionsfonds begehrt. Davon profitiert die Nord/LB in Form relativ günstiger Zinssätze für die aufgenommenen Gelder.

Die Bank ist im Gegensatz zu vielen anderen Instituten mit einem blauen Auge durch die Bankenkrise gekommen. Sie hat sich nämlich weitgehend von den strukturierten US-Hypothekenpapieren ferngehalten, die anderen Häusern gigantische Verluste bescherten. Von dieser konservativen, eher risikoscheuen Einstellung hat die Bank enorm profitiert.

Die große Frage ist jedoch, ob – als Folge des Stresstests, aufgrund neuer Eigenkapitalregeln oder eines stärkeren Sicherheitsbedürfnisses – auch die Ansprüche der Investoren an die Eigenkapitalausstattung der Banken generell wachsen. Davon könnte sich auch die Nord/LB nicht freimachen. Schließlich braucht sie ein gutes „Standing“ an den Märkten, um zu ordentlichen Konditionen Geld aufnehmen zu können.

Dies ist deshalb entscheidend, weil sie auch in ihrem Finanzierungsgeschäft auf eine günstige Mittelbeschaffung angewiesen ist. Die Bank ist ein bedeutender Kreditgeber für den Schiffbau und die Luftfahrt, spielt aber auch eine wichtige Rolle in der Staats- und Immobilienfinanzierung. Hier kann die Nord/LB nur erfolgreich sein, wenn sie ihren Kunden wettbewerbsfähige Konditionen bietet – was wiederum voraussetzt, dass die Bank selbst die benötigten Mittel zu entsprechend günstigen Konditionen beschaffen kann.

Für Investoren, also die Käufer von Schuldverschreibungen oder sonstigen Papieren, ist die Frage der haftenden Eigenmittel des Schuldners deshalb wichtig, weil ihr Umfang die Sicherheit der angelegten Gelder maßgeblich bestimmt. Je höher die Eigenkapitalausstattung einer Bank im Verhältnis zu den Risiken – also den eigenen Ausleihungen und Wertpapierbeständen – desto geringer ist die Gefahr, dass die Bank infolge des Ausfalls eines oder mehrerer Schuldner selbst ins Trudeln gerät.

Sollte sich das Eigenkapital der Nord/LB als unzureichend erweisen, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder verringert die Bank ihre Risikoaktiva, fährt also ihr Geschäft zurück, oder aber sie stockt ihr Kapital auf. Das wäre zunächst Sache der Eigentümer, also der Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie der Sparkassenverbände dieser Länder sowie von Mecklenburg-Vorpommern.

Niedersachsens Sparkassen-Präsident Thomas Mang hat jedoch schon vor einigen Jahren anlässlich der letzten Kapitalerhöhung klargemacht, dass von den Sparkassen kein weiteres Geld mehr zu erwarten sei. Und auch die Landeskassen geben keine Kapitalerhöhung her. Deshalb könnte sich die Notwendigkeit ergeben, andere Investoren ins Boot zu holen. Für die Bank wäre das keineswegs etwas völlig Neues. So hatte sich vor zehn Jahren schon einmal der Volkswagen-Konzern mit einer stillen Einlage an dem Institut beteiligt.

Albrecht Scheuermann 23.07.2010