Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Karmann gibt es noch - Hoffnung auf VW und Magna
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Karmann gibt es noch - Hoffnung auf VW und Magna
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:05 05.04.2010
VW, Magna - frühere Kunden und Konkurrenten teilen Karmann untereinander auf. Quelle: dpa (Archiv)
Anzeige

Am 8. April 2009 wird Karmann Opfer der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Das Unternehmen meldet Insolvenz an. Die Nachfahren des Firmengründers Wilhelm Karmann haben abgewirtschaftet; Insolvenzverwalter Ottmar Hermann aus Frankfurt übernimmt das Ruder.

„Er startete mit Null Cent in der Kasse“, sagt dessen Sprecher Pietro Nuvoloni. Die Situation war dramatisch: Das einstige Aushängeschild und die Haupteinnahmequelle Karmanns, der Fahrzeugbau, war bereits im Auslaufen begriffen. Mit seinem Verhandlungsgeschick brachte Hermann das Unternehmen durch den Sommer, und machte auch die von der alten Geschäftsführung versprochene Transfergesellschaft für rund 1500 entlassene Mitarbeiter möglich. Damit hatten die Entlassenen aus der Autoproduktion noch die Möglichkeit zur Weiterqualifikation.

Anzeige

Allerdings wurde die Lage mit Beginn des Herbstes immer frostiger. Ausbleibende Aufträge und ausstehende Zahlungen von wichtigen Kunden sorgten dafür, dass Karmann im Oktober und November am Abgrund stand. Es gab Streit um die Höhe der Forderungen. „Es war wirklich kein Geld mehr da, um die Rechnungen zu zahlen oder die Löhne“, sagt Nuvoloni. Das hätte das Ende von Karmann sein können. Wieder gelang es Hermann, nach wochenlangen Verhandlungen mit Kunden wie BMW oder Mercedes frisches Geld in die Kasse zu bringen. Neue Hoffnung durch VW und Magna

Entscheidend für die Zukunft des traditionsreichen Automobilstandorts Osnabrück dürfte der Einstieg von Volkswagen sein. Ende November erklärte sich VW bereit, Kernteile seines jahrzehntelangen Zulieferers Karmann zu übernehmen. Anfang 2010 wurde die Volkswagen Osnabrück GmbH gegründet. Von nächstem Jahr an soll hier das Golf Cabrio gebaut werden, und bis 2014 wieder mehr als 1000 Arbeitsplätze an dem Standort entstehen.

Allerdings: Die „Karmänner“ bekommen nicht automatisch einen Job bei VW. Sie müssen sich bewerben. „Jeder hofft, dabei zu sein“, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Karmann, Gerhard Schrader. Die Hoffnung bei den Arbeitnehmern ist, dass sich rings um das „neue“ VW-Werk weitere Dienstleister ansiedeln. „Ein Job in der Autofabrik hat drei weitere bei den Zulieferern zur Folge“, sagt Schrader.

Hoffnungen setzen die Arbeitnehmer auch auf den Verkauf der Dachsystemsparte an den Karmann-Konkurrenten Magna. Die Verträge sind ausgehandelt, aber derzeit sperrt sich noch das Bundeskartellamt. Es befürchtet Wettbewerbsverzerrungen, weil es nach einem Verkauf an Magna europaweit nur noch zwei Anbieter von Cabriodächern gebe. „Wir appellieren an das Kartellamt, auch an die Arbeitsplätze zu denken, die in Gefahr sind“, betont Schrader. Magna habe versprochen, am Standort Osnabrück 300 Arbeitsplätze zu sichern. Bis Ende Mai soll es eine Entscheidung der Wettbewerbshüter geben. Vielleicht lebt der Name „Karmann“ weiter

VW, Magna - frühere Kunden und Konkurrenten teilen Karmann untereinander auf. Gibt es irgendetwas, das in ein paar Jahren von Karmann übrigbleiben wird? Vielleicht der Markenname, sagt der Experte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen. „Der Name Karmann hat einen guten Klang“, betont Diez. Er hält es für möglich, dass es künftig beispielsweise von VW Autos unter dem Namen Karmann gibt. Immerhin waren die in Osnabrück gebauten Cabriolets des Käfers und der auf dem Käfer basierende Karmann Ghia sowie das Golf-Cabrio Verkaufsschlager in aller Welt und standen für Qualität „Made in Germany“.

lni

Mehr zum Thema

In dem Gebäude der Agentur für Arbeit in der Osnabrücker Innenstadt müssen einige der Mitarbeiter mal wieder ihre Büros räumen und für neue, dringendere Aufgaben frei machen: Das Haus richtet sich ein auf den erneuten Personalabbau beim Autobauer Karmann.

20.10.2009

VW übernimmt Teile des insolventen Autozulieferers Karmann und baut an seinem neuen Standort in Osnabrück künftig ein neues Golf-Cabrio und erwägt ein stärkeres Engagemen vor Ort.

01.12.2009

In Osnabrück machte die Nachricht schnell die Runde: VW will im Karmann-Werk wieder Autos bauen lassen. „Endlich einmal eine gute Nachricht für die Region“, sagte der Osnabrücker IG-Metall-Chef Hartmut Riemann.

20.11.2009
Jens Heitmann 02.04.2010
Jens Heitmann 31.03.2010