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Niedersachsen Katar wird dritter Großaktionär bei Volkswagen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Katar wird dritter Großaktionär bei Volkswagen
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20:00 18.12.2009
Von Stefan Winter
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Katar etabliert sich als Großaktionär bei VW und Porsche. Das Emirat sei jetzt mit 10 Prozent an der Porsche SE und mit 17 Prozent an Volkswagen beteiligt, teilten die Unternehmen am Freitag mit. Der Schritt war bereits vor Monaten vereinbart worden. Wenn VW und Porsche wie geplant 2011 fusionieren, sollen die Araber an dem Gemeinschaftskonzern mit knapp 20 Prozent beteiligt werden.

Das Geschäft könnte schon bald zu einem Wechsel im Deutschen Aktienindex (Dax) führen. Nach der Aufstockung durch Katar sind nur noch etwas weniger als 10 Prozent der VW-Stammaktien im Streubesitz, dem sogenannten Freefloat. Nach früheren VW-Angaben befinden sich nun 90,14 Prozent dieser Papiere dauerhaft im Besitz der Großaktionäre Porsche, Niedersachsen und Katar. Ein Streubesitz von mindestens 10 Prozent ist jedoch Kriterium für die Mitgliedschaft im wichtigsten deutschen Börsenbarometer. Wird es nicht erfüllt, kann die Aktie zu „außerordentlichen Anpassungsterminen“ einmal im Quartal aus dem Index genommen werden.

Bei VW stellt man sich darauf bereits ein, rechnet aber mit Ersatz: Die Vorzugsaktien ohne Stimmrecht sind breit gestreut, erfüllen auch sonst alle Dax-Voraussetzungen und dürften nach Meinung der meisten Experten die Stämme im Index ersetzen. Über den weiteren Ablauf des Verfahrens konnte die Deutsche Börse am Freitag allerdings keine Auskunft geben.

Mit dem höheren Anteil dürfte in absehbarer Zeit auch ein Vertreter Katars in den VW-Aufsichtsrat einziehen. Bei Porsche geschieht das bereits. Die Aktionäre sollen bei der Hauptversammlung am 29. Januar Scheich Jassim Bin Abdulaziz Bin Jassim Al-Thani für vier Jahre zum Aufseher wählen. Das geht aus der Einladung zu dem Aktionärstreffen hervor. Der Scheich soll dort den Platz von Hans-Peter Porsche, dem Bruder von Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche, einnehmen. Er ist der erste familienfremde Aufsichtsrat auf der Arbeitgeberseite.

Magna verliert Boxster: Porsche bestätigte außerdem, dass der Fertigungsvertrag für die Modelle Boxster und Cayman bei Magna gekündigt wurde. Der Zulieferer hätte beide von 2012 an in seinem österreichischen Werk bauen sollen, Porsche muss für die Trennung eine Ausgleichszahlung in nicht genannter Höhe leisten. Nun dürften Porsches Einstiegsmodelle eines Tages aus Osnabrück kommen, wo VW gerade die Anlagen der insolventen Karmann-Gruppe kauft.

Schwaches Quartal: Porsche kämpft weiter mit Verkaufseinbrüchen. Der Umsatz schrumpfte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 im Jahresvergleich um fast ein Drittel (30,5 Prozent) auf 1,1 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen mit. Der Absatz sackte um fast 40 Prozent auf 11 385 Fahrzeuge ab. Angaben zum Ergebnis machte der Sportwagenbauer nicht. Für das Gesamtjahr wird aber mit einem Anziehen der Verkäufe gerechnet.

Jens Heitmann 18.12.2009
Helmuth Klausing 18.12.2009