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Niedersachsen Kirchen haben zwar weniger Mitglieder, aber mehr Einnahmen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Kirchen haben zwar weniger Mitglieder, aber mehr Einnahmen
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00:20 17.12.2018
Der Kirchturm der katholischen Sankt Bartholomäuskirche in Wellingholzhausen ist neben einem Wegweiser "kath. Pfarramt" zu sehen. Quelle: dpa
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Hannover

Obwohl die Kirchen in Deutschland kontinuierlich Mitglieder verlieren, steigen ihre Steuereinnahmen stetig. In diesem Jahr erhalten die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer die Rekordsumme von 12,6 Milliarden Euro –das sind noch einmal 500 Millionen Euro mehr als 2017. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die am Freitag veröffentlicht wurde. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren fortsetzen, schreiben die Autoren – „der hohen Beschäftigung und dem progressiven Einkommenssteuertarif sei Dank“.

Die Kirchensteuer wird als Aufschlag auf die Lohn- und Einkommenssteuer erhoben. In Baden-Württemberg und Bayern beträgt Zuschlagsatz 8 Prozent, in allen anderen Bundesländern sind es 9 Prozent. Zudem wird seit neun Jahren auch auf die gezahlte Abgeltungssteuer für Kapitalerträge Kirchensteuer erhoben. Auch die Kirchen profitieren somit davon, dass die Zahl der Beschäftigten wächst – zudem lassen sie die vergleichsweise hohen Tarifabschlüsse in diesem Jahr die Lohnsumme steigen – und damit auch die Steuereinnahmen der Kirchen.

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Im Durchschnitt zahlt ein Katholik der Studie zufolge 2018 im Durchschnitt 291 Euro Kirchensteuer, ein Protestant entrichtet 278 Euro. Da jedoch nur etwa jedes dritte Kirchenmitglied Steuern zahlt, weil Kinder, Arbeitslose und viele Rentner davon ausgenommen sind, liege die tatsächliche Belastung deutlich höher, heißt es. Ein verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern erreiche den durchschnittlichen Kirchensteuerbeitrag bei einem Bruttogehalt von 56.000 Euro im Jahr.

Dieser Belastung entziehen sich immer mehr Menschen: Während die beiden Kirchen im Jahr 2004 von 51,6 Millionen Mitglieder verzeichneten, waren es 2017 nur noch knapp 45 Millionen. Seit der Deutschen Einheit haben im Schnitt jedes Jahr 300.000 Deutsche der Kirche den Rücken zugekehrt, die Zahl der ehemaligen Protestanten ist dabei höher als die der früheren Katholiken.

Finanziell können die Kirchen die Austritte verkraften: Selbst wenn weiterhin Jahr für Jahr bis zu einer halben Million Menschen die Glaubensgemeinschaften verlassen, würden die Einnahmen der katholischen Bistümer bis 2023 auf schätzungsweise 8,2 Milliarden Euro steigen und die der evangelischen Landeskirchen auf 7 Milliarden Euro, rechnen die Autoren vor.

Für den Staat ist die Kirchensteuer kein gutes Geschäft: Für deren Erhebung kassiert der Fiskus durchschnittlich 3 Prozent der Einnahmen, aktuell sind das etwa 400 Millionen Euro im Jahr. Da die Kirchensteuer aber wie eine Spende an eine gemeinnützige Organisation von der Einkommenssteuer abgezogen werden kann, verringerten sich dadurch die Steuereinnahmen insgesamt, heißt es in der Studie. Einschließlich dem Minus beim Solidaritätszuschlag belaufe sich die Mindereinnahme in diesem Jahr auf 4,1 Milliarden Euro.

Von Jens Heitmann

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