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Niedersachsen Klage über hohe Kreditzinsen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Klage über hohe Kreditzinsen
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09:35 08.08.2009
Von Dirk Stelzl
Trotz der schwierigen Konjunktur suchen viele Handwerksbetriebe noch Lehrlinge. Quelle: Nancy Heusel
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Die Geldinstitute müssten die niedrigen Leitzinsen „in angemessener Form“ an die Betriebe weitergeben, forderte der Vorsitzende der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen, Peter Voss, am Freitag in Hannover.

EZB-Leitzins und Überziehungszinsen hätten sich weit auseinanderentwickelt. Rund 60 Prozent der Handwerksbetriebe griffen regelmäßig auf Kontokorrentkredite zurück – und würden von Geldinstituten oftmals wie Privatkunden behandelt, die ihr Konto überzogen hätten. Die Kontokorrentzinsen lägen meist über 10 Prozent. Der EZB-Leitzins beträgt nach etlichen Senkungen nur noch ein Prozent.

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Eine „Kreditklemme“ gebe es im Handwerk jedoch nicht. „Es ist genügend Geld da“, sagte Voss, dessen Firma „Heinrich Voss Haustechnik“ in Haselünne in einen Neubau investiert. Allerdings hätten sich schon seit der Einführung der unter dem Stichwort „Basel II“ bekannten Eigenkapitalvorschriften für Banken die Bedingungen für die Kreditvergabe verschärft. „Wir appellieren mit Nachdruck an die Kreditinstitute, dass die Anforderungen an Sicherheiten und Dokumentationspflichten nicht überzogen werden.“

Nach den Worten des Hauptgeschäftsführers der Landesvertretung, Michael Koch, haben – anders als sonst üblich – zurzeit eher die größeren Betriebe Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen. Im Handwerk sei die Konjunktur trotz der Wirtschaftskrise vergleichsweise stabil, berichteten die Kammern. Auch in ihrem Wirtschaftszweig sei es zu Auftrags- und Umsatzrückgängen gekommen. Eine „Blitzumfrage“ der Landesvertretung habe aber ergeben, dass mehr als 70 Prozent der Chefs niedersächsischer Handwerksbetriebe die Konjunkturlage als „gut“ oder „befriedigend“ beurteilten. Nur jedes vierte Unternehmen zeigte sich unzufrieden.

Fast 40 Prozent der Betriebe rechneten allerdings damit, dass sich die Situation ihres Unternehmens im zweiten Halbjahr verschlechtern werde. Dennoch bieten die niedersächsischen Handwerksbetriebe mehr Lehrstellen an. Bis Ende Juli wurden den Angaben zufolge knapp 10.500 Ausbildungsverträge neu eingetragen – 11 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Viele Betriebe klagen darüber, dass es nicht genügend qualifizierte Bewerber gebe.

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