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Niedersachsen Chemiegewerkschaft fordert Neustart der Energiewende
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen

Klimaschutz: Chemiegewerkschaft fordert Neustart der Energiewende

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19:06 14.01.2020
IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis fordert mehr Tempo für die Energiewende. Quelle: dpa
Hannover

Vor dem Kohlegipfel im Kanzleramt fordert die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) einen Neustart der Energiewende. Nach dem beschlossenen Aus für die Atom- und Kohlekraftwerke müssten sich Politik und Gesellschaft so rasch wie möglich auf einen Pfad zum schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien verständigen, sagte der Vorsitzende Michael Vassiliadis in Hannover. „Ohne ein geeignetes Konzept droht nicht weniger als die Deindustrialisierung Deutschlands.“

Das von der Bundesregierung und den Ländern geschnürte Klimapaket reicht nach Einschätzung der Gewerkschaft nicht aus, um die Produktionsprozesse in den Unternehmen so umweltfreundlich wie nötig zu machen. Die Herausforderungen seien gewaltig: Wenn etwa die Chemieindustrie ihre Großanlagen von Gas auf Ökostrom umstellen wolle, würde dadurch der Bedarf an Elektrizität um das Elffache steigen, rechnete Vassiliadis vor: „Allein diese Branche bräuchte dann mehr Strom als die gesamte Bundesrepublik heute.“

Studie: Stromverbrauch steigt bis 2030 deutlich

Nach Berechnungen des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln wird sich der Stromverbrauch in Deutschland bis 2030 um mehr als ein Viertel auf 748 Terawattstunden erhöhen. Die Bundesregierung kalkuliert dagegen mit einem Rückgang um knapp 5 Prozent auf 590 Terawattstunden – angesichts des Trends zu Elektroautos, Wärmepumpen und unter Einsatz von mit Strom generiertem Wasserstoff sei das jedoch unrealistisch, heißt es in einer kürzlich vorgelegten Analyse des Instituts. Die IG BCE teilt diese Einschätzung.

„Die Herausforderungen sind diesmal wesentlich größer als zum Start der vermurksten ersten Version der Energiewende im Jahr 2000 – und die Risiken auch“, sagte Vassiliadis. Die Politik habe zwar das Ziel ausgegeben, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre der Anteil erneuerbarer Energien 65 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland decken sollen. Unterdessen schaue man in Berlin aber zu, „wie der Ausbau der Windkraft schrumpft und schrumpft“. Parallel dazu gingen immer mehr konventionelle Kraftwerke vom Netz. „Abschalten ist kein großes Problem – wenn gleichzeitig eingeschaltet wird“, sagte Vassiliadis.

Kohleländer fordern verbindliche Zusagen

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission hatte sich vor knapp einem Jahr darauf verständigt, dass die letzten Meiler 2038 den Betrieb einstellen. Die Reviere am Niederrhein, in der Lausitz und in Mitteldeutschland sollen im Gegenzug Hilfen in Milliardenhöhe erhalten. Zuletzt war der Streit um die Verwendung der Mittel neu entbrannt: Während sich Industrieverbände für Entlastungen bei den Strompreisen stark machten, forderten Ministerpräsidenten der Kohleländer Zusagen über die Ansiedlung von Behörden und Forschungseinrichtungen sowie den Ausbau von Zugverbindungen.

Das Konzept der Kohlekommission ist bisher nicht verbindlich. Die Vorschläge des 28-köpfigen Gremiums aus Vertretern aus Industrie, Gewerkschaften, Wissenschaft und Klimaschutz-Initiativen müssen noch in die Form eines Gesetzes gebracht werden, über das Bundestag und Bundesrat entscheiden.

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