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Niedersachsen Kommt Zucker aus der Mode?
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Kommt Zucker aus der Mode?
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20:50 15.10.2018
Zuckerrüben liegen vor einem Verlader für Zuckerrüben.
Zuckerrüben liegen vor einem Verlader für Zuckerrüben. Quelle: dpa
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Hannover

Anbauer von Zuckerrüben und deren Verarbeiter kennen deutlich bessere Zeiten. Als die Europäische Union die Branche noch mit einem Bollwerk aus Quoten, Zöllen und Subventionen vor lästiger Konkurrenz schützte, war die Rübe – den richtigen Boden vorausgesetzt – eine verlässlich lukrative Feldfrucht. Nur ein Jahr nach dem Ende der Zuckermarktordnung ist von dieser Herrlichkeit nicht mehr viel übrig: Während die Landwirte jetzt genau rechnen müssen, ob sich die Rübe in der Fruchtfolge noch lohnt, steuern die Zuckerhersteller wohl schneller als erwartet auf eine Konsolidierung zu.

Doch auch das Produkt als solches steht unter Druck. Die Zunahme von Übergewicht und Diabetes wird vor allem dem Konsum von Zucker angelastet – die jüngste Initiative aus dem Landwirtschaftsministerium zum Verbot süßender Zutaten in Babytees ist nur ein Beispiel für sich verschärfende Vorgaben innerhalb der EU. Die Branche mag sich damit trösten, dass der Verbrauch von Zucker weltweit steigt – das muss aber nicht so bleiben: Die Ausgaben für sogenannte Zivilisationskrankheiten lasten auch heute schon schwer auf den Gesundheitsetats ärmerer Länder. Das wird nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Die Produzenten in Europa mögen mit ihrer Einschätzung richtig liegen, dass für die aktuelle Krise in erster Linie die Überproduktion in anderen Teilen der Welt verantwortlich ist – wenn auch die Ausweitung der Anbauflächen in der EU dabei nicht unter den Tisch fallen sollte. Internationale Wettbewerbsverzerrungen lassen sich mithilfe der Welthandelsorganisation auflösen, die Zweifel am Zucker werden trotzdem wachsen.

Von Jens Heitmann