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Niedersachsen Kopierer-Renovierer Ricoh wandelt sich zum IT-Anbieter
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Kopierer-Renovierer Ricoh wandelt sich zum IT-Anbieter
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18:03 04.01.2011
Von Helmuth Klausing
Kopierer-Renovierer: Ricoh-Chef Uwe Jungk in der „Green Line“. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Etwas verloren wirkt er da – als einziger Mensch in einem schier unüberschaubaren Meer Hunderter gebrauchter Maschinen. Doch gerade diese Halle, in der Kopiergeräte auf ihre Runderneuerung warten, unterscheidet den Hersteller Ricoh von seinen Wettbewerbern, und sie ist Uwe Jungks ganzer Stolz. Für den Geschäftsführer von Ricoh Deutschland steht der Gedanke der Nachhaltigkeit vornan, deshalb werden gebrauchte, aber noch funktionstüchtige Kopierer in dieser „Green Line“-Halle am Sitz der Deutschland-Zentrale in Hannover wieder aufgearbeitet.

„Hier erhalten sie ihr zweites Leben“, erklärt Jungk. Wobei er den Begriff Kopierer vermeidet, denn die mindestens kühlschrankgroßen Geräte sind längst weit mehr als das – sie kopieren, scannen, drucken, manche können sogar ganze Broschüren erstellen und heften, und auf Wunsch verwalten diese Schränke auch gleich Dokumente aller Art, archivieren und verteilen sie auf elektronischem Weg. Deshalb hat sich der Begriff „Multifunktionssysteme“ eingebürgert.

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Weggeworfen (und recycelt) wird bei Ricoh nur, was sich partout nicht wiederbeleben lässt. Die „Green Line“, in der Mitarbeiter tatsächlich Gehäuse- und Geräteteile mit einer Art Spülmaschine waschen, ist im auffälligen Ricoh-Gebäude mit seiner Laufschrift zur Vahrenwalder Straße hin der augenscheinlichste Beweis der „grünen“ Firmenphilosophie.

Dabei beginnt die Nachhaltigkeit schon ganz banal: „Alle unsere Systeme, die wir im Unternehmen selbst verwenden, sind so voreingestellt, dass sie beim Papier Vorder- und Rückseite bedrucken“, erläutert Jungk. Eine einfache Idee, mit der sich schon mal eine Menge Papier einsparen lässt. Von diesem Einfall und zahlreichen weiteren profitieren auch die Ricoh-Kunden. Das Unternehmen unterhält eine eigene – TÜV-zertifizierte, wie Jungk betont – Beratungsabteilung, die das Dokumentenmanagement potenzieller Kunden unter die Lupe nimmt. Nicht selten ließen sich allein in diesem Bereich 20 bis 30 Prozent der bisherigen Kosten einsparen, sagt Jungk, in manchen Fällen sogar bis zu 50 Prozent. Und Kunde kann bei Ricoh praktisch jeder werden – vom kleinen Büro mit einem Multifunktionsgerät bis hin zum riesigen Volkswagen-Konzern mit unzähligen Standorten in aller Welt.

Über das Angebot kompletter Lösungen und einen eigenen Kundendienst wolle man sich im umkämpften Markt von den Wettbewerbern absetzen, sagt Jungk. Derzeit tobe ein heftiger Preiskampf im Markt. Um gerade beim Service die Nase vorn haben zu können, legt Jungk großen Wert auf die Ausbildung des Nachwuchses im Unternehmen. So seien im technischen Kundendienst bundesweit keine fremden Dienstleister tätig, sondern ausschließlich eigene Mitarbeiter. „Die sind das Rückgrat unseres Unternehmens.“

Mit derzeit 183 Auszubildenden – bei 2400 Beschäftigten – zählt Ricoh zu den größten Ausbildungsbetrieben der Branche. Damit wolle man gezielt dem Fachkräftemangel entgegenwirken, sagt Jungk. Über 90 Prozent der Azubis würden gleich nach ihrer Lehrzeit von Ricoh selbst übernommen. Unter den sechs Ausbildungsberufen bei Ricoh stechen neben dem kaufmännischen Bereich vor allem die angehenden Computerspezialisten heraus. Fachinformatiker für Systemintegration und Informationselektroniker gehören dazu.

Das Geschäft werde eben immer IT-lastiger, sagt Jungk. Die einst rein mechanischen Kopierer werden heute von Software gesteuert und sind selbst in die IT-Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens, in dem sie stehen, eingebunden. Ohnehin sieht sich Ricoh selbst längst als IT-Konzern. Nun will Jungk den nächsten Schritt gehen und Ricoh auch zum IT-Dienstleister für interessierte Kunden aus dem industriellen und kommunalen Bereich aufbauen.
Dokumentenmanagement und IT treffen sich irgendwo“, erläutert Jungk. „Es ist die Frage, wie man das zusammenbringt. Warum nicht auf unseren Multifunktionssystemen?“ Große IT-Systemhäuser bieten Unternehmen schon jetzt Gesamtlösungen für ihre Software an, das Dokumentenmanagement ist oft ein Teil davon. Ricoh will nun von der anderen Seite kommen und neben der Dokumentenverwaltung auch Softwarelösungen für gesamte Unternehmen anbieten.

Herzstück bleiben die Multifunktionssysteme, von denen Jungk stets respektvoll spricht. Nur wenn er auf seinem Weg durch das dichte Meer der elektronischen Alleskönner in der „Green Line“-Halle gegen einen dieser Schränke stößt, muss sich das Hightech-Gerät schon mal ein wenig barsch als „Ding“ bezeichnen lassen.