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Niedersachsen Küchenbauer Alno schließt endgültig
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Küchenbauer Alno schließt endgültig
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21:11 24.11.2017
Von Jens Heitmann
RFWISeit 1995 überwiegend Verluste: Alno-Beschäftigte am Freitag auf dem Weg zur Mitarbeiterversammlung.
RFWISeit 1995 überwiegend Verluste: Alno-Beschäftigte am Freitag auf dem Weg zur Mitarbeiterversammlung. Quelle: Thomas Warnack
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Pfullendorf/Hannover

Nach einer langen Talfahrt muss der Küchenbauer Alno endgültig aufgeben. Die Unternehmensgruppe mit 1600 Mitarbeitern hatte im Juli Insolvenz angemeldet und im September die Produktion beendet. Nun werde der Geschäftsbetrieb komplett eingestellt, teilte Insolvenzverwalter Martin Hörmann am Freitag mit. Auch der letzte potenzielle Käufer habe am Ende kein Angebot abgegeben.

„Wir haben gekämpft und alles versucht, um eine tragfähige Zukunftslösung für Alno zu finden“, sagte Hörmann nach einer Mitarbeiterversammlung am Sitz in Pfullendorf bei Sigmaringen. „Aber ohne einen Investor, der auch bereit gewesen wäre, entschlossen den Investitionsstau zu beseitigen, und zudem erhebliche Mittel für die Fortführung des Geschäftsbetriebs investiert hätte, gibt es leider keine Zukunft für Alno.“

Langes Siechtum vor der Pleite

Um Alno stand es schon länger schlecht. Seit dem Börsengang 1995 hatte der Konzern überwiegend Verluste geschrieben. Selbst mit mehreren Sanierungsprogrammen sowie durch Ver- und Zukäufe von Marken wie dem Schweizer Marktführer AFG gelang es nicht, nachhaltig in die Gewinnzone zu kommen. Auch der Einstieg der bosnischen Investorenfamilie Hastor brachte 2016 keine Wende. Stattdessen entwickelte sich nach der Insolvenz eine juristische Schlammschlacht zwischen neuen Investoren und geschassten Chefs. Die Hastors hatten eine zwei- bis dreistellige Millionensumme in die Firma gesteckt.

Das 1927 vom Schreiner Albert Nothdurft gegründete Unternehmen war mit einem Umsatz von zuletzt knapp 500 Millionen Euro hinter dem Konkurrenten Nobilia die Nummer zwei unter den deutschen Küchenherstellern. Die Geschäfte der Branche laufen gut: Zwar stagniert die Nachfrage im Inland, dafür sind Küchen „made in Germany“ im Ausland umso gefragter. Insbesondere in Asien laufe der Absatz hervorragend, heißt es beim Verband der Deutschen Küchenmöbelindustrie.

Das Ende von Alno trifft nicht nur die Mitarbeiter hart, sondern auch die Händler. Bundesweit sollen sich mehrere Dutzend Küchenstudios exklusiv an die Marke gebunden haben - es gebe bereits Folgeinsolvenzen, heißt es. Alno-Kunden seien von der Pleite hingegen kaum betroffen: Wer bereits eine Anzahlung geleistet habe, bekomme diese in der Regel vom Händler zurück.

Nach Angaben des Hersteller-verbandes zieht der Ausfall von Alno jedoch allgemein längere Lieferfristen für neue Bestellungen nach sich. Obwohl manche Küchenbauer ihre Produktion bereits verdoppelt hätten, übertreffe die Nachfrage weiterhin die Kapazitäten. Das stelle auch die Möbelhändler vor Herausforderungen.