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Niedersachsen LBS Nord wehrt sich gegen EU-Einlagensicherung
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen LBS Nord wehrt sich gegen EU-Einlagensicherung
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20:10 28.11.2010
Von Albrecht Scheuermann
LBS-Nord-Zentrale am Kronsberg in Hannover.
LBS-Nord-Zentrale am Kronsberg in Hannover. Quelle: Archiv
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Die Norddeutsche Landesbausparkasse Berlin-Hannover (LBS Nord) wehrt sich gegen die Einbeziehung in die geplante EU-weite Einlagensicherung. „Obwohl wir ein besonders risikoarmes Geschäft betreiben, will uns die Europäische Kommission wie eine Universalbank behandeln“, sagte LBS-Nord-Chef Rüdiger Kamp dieser Zeitung. Brüssel will eine europaweit geltende Einlagensicherung mit einer Grenze von 100 000 Euro je Kunde einführen. Dazu sollen alle Kreditinstitute 1,5 Prozent ihrer Einlagen in einen Topf einzahlen.

Der LBS-Chef findet das ungerecht, zudem würden die Kunden dadurch schlechter gestellt als heute. Schließlich seien die Bauspareinlagen derzeit zu 100 Prozent über den Haftungsverbund der Sparkassen-Finanzgruppe geschützt. Dabei seien die Risiken im Bauspargeschäft ohnehin sehr begrenzt, weil die Institute sich überwiegend durch Einlagen refinanzieren, also kaum vom Kapitalmarkt abhängig sind.

Zudem handele es sich um „geschlossenen Kollektive“, für die es strenge gesetzliche Vorgaben gebe. So dürften die Einlagen der Bausparer nur für die Finanzierung von risikoarmen Krediten für Immobilienkauf, Bau oder Renovierung verwendet werden. „Wir sind ein closed shop“, erklärte Kamp.

Die Bausparkassen gehörten nicht zu den Krisenverursachern, sondern hätten vielmehr stabilisierend gewirkt. Sollte die europäische Einlagensicherung in ihrer geplanten Form realisiert werden, würde allein die LBS mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag jährlich belastet.

Dabei sei zu bedenken, dass die Bausparkassen wegen ihrer geringen Risiken auch ein vergleichsweise gewinnarmes Geschäft betrieben. Deshalb würde die Einlagensicherung diese Gruppe besonders hart treffen. Dazu komme noch die Belastung durch die vergangene Woche beschlossene Bankenabgabe in Deutschland. Diese koste die LBS Nord etwa 400 000 Euro jährlich. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 verbuchte das Institut einen Gewinn nach Steuern von 15,5 Millionen Euro.

Kamp zufolge hat das Bausparen durch die Krise an Attraktivität gewonnen. So hätten bei der LBS Nord die Neuabschlüsse in den ersten drei Quartalen des Jahres um etwa 10 Prozent zugelegt, die neu abgeschlossene Summe stieg um 8 Prozent. Mit einem Marktanteil von 44,2 Prozent in Niedersachsen und 27,9 Prozent in Berlin sei die LBS „mit klarem Vorsprung Marktführer“.

Allerdings werde der Gewinn in diesem Jahr geringer ausfallen als im Jahr 2009. Der Unternehmenschef begründete dies mit der anhaltenden Niedrigzinsphase. Deshalb würden die von der LBS Nord auf Altverträge gezahlten Guthabenzinsen von bis zu 4 Prozent derzeit viel Geld anlocken, ohne dass die entsprechenden Bauspardarlehn in Anspruch genommen werden. Dies drücke die Marge.