Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Land fördert Digitalisierung der Kinos
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Land fördert Digitalisierung der Kinos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:33 28.05.2010
Auch das "Utopia" in Langenhagen bekommt einen Zuschuss. Quelle: Spolvint
Anzeige

Mit zunächst 279. 000 Euro unterstützt Niedersachsen die Digitalisierung der Kinos. Davon sollen vor allem kleinere Programm- und Filmkunstkinos profitieren. In einem ersten Schritt bewilligte die Medienfördergesellschaft Nordmedia jetzt 16 Kinos von Cuxhaven bis Hann.-Münden ihre Anträge auf jeweils 18 000 Euro Zuschuss für neue Technik. Auch das „Utopia“ in Langenhagen ist darunter. Das Geld kommt aus dem EU-Fonds für Regionale Entwicklung und vom Wirtschaftsförderfonds des Landes, wie die Staatskanzlei gestern mitteilte. Das Land trägt dabei mit knapp 200 000 Euro den größeren Anteil.

Der Fördertopf sei aber nicht ausgeschöpft, sagte eine Sprecherin von Nordmedia. In diesem Jahr folgten noch zwei „Förderrunden“, mindestens 20 weitere Kinos könnten noch je 18 000 Euro erhalten. Die Anträge gebe es bei Nordmedia im Internet. Gefördert werde aber nicht die Digitalisierung nur zum Zweck, 3-D-Filme zeigen zu können, betonte sie. Für reine Filmkunsttheater sei das ohnehin von untergeordneter Bedeutung.

Anzeige

Gerade kleine Kinos auf dem Land könnten aber mit Digitaltechnik in die Lage versetzt werden, Filme schon am bundesweiten Starttag zu zeigen und nicht erst Wochen später, erläutert Karl-Heinz Meier, Mitglied im Hauptausschuss des Branchenverbands HDF Kino sowie im Vorstand des Kinobüros Niedersachsen. Während die Herstellung einer herkömmlichen Filmkopie den Verleih bis zu 1000 Euro koste, sei ein Digitalfilm auf Festplatte schon für 80 Euro zu haben. Es gebe also keinen Grund mehr, neue Filme zuerst nur in den großen Städten zu spielen.

Meier, zugleich Kinobetreiber im 450-Seelen-Ort Quernheim bei Lemförde, lobt die Förderpraxis des Landes. Zwar koste die Digitalisierung eines Kinosaals mit gut 100 000 Euro deutlich mehr als die Fördersumme auffange, doch werde damit ein „wichtiger Anreiz“ geschaffen, in die Kinos auf dem Land zu investieren. Meier zeigt sich zuversichtlich, dass damit in drei bis vier Jahren die Digitalisierung in Niedersachsen flächendeckend geschafft werde. Da die Filmförderanstalt (FFA) des Bundes aber keine Darlehen mehr vergebe, werde es für die Kinobetreiber schwer, den Rest der Summe zu stemmen. Er befürchtet, das zeitgleich bis zu 20 Prozent der Häuser schließen müssen.

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern fördert Niedersachsen die Kinokultur finanziell. „Für die Lebensqualität in kleineren Städten und dem Umland ist es ganz entscheidend, ob sie Kinostandort sind oder nicht“, erklärte Ministerpräsident Christian Wulff gestern. Die Digitalisierung sieht er als Beitrag, um die Wettbewerbsfähigkeit eines Kinos zu erhöhen. Den Erfolg der Förderung liest das Land aus der offiziellen FFA-Kinostatistik ab: Während von 2008 bis 2009 bundesweit 25 Städte ihre Kinos verloren, sind in Niedersachsen gegen den Trend sogar zwei Städte hinzugekommen. Derzeit gibt es in 109 niedersächsischen Städten zusammen 176 Filmtheater mit insgesamt 427 Leinwänden.

Helmuth Klausing

27.05.2010
Carola Böse-Fischer 26.05.2010
Bernd Haase 26.05.2010