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Niedersachsen Land will Jade-Weser-Port ausbauen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Land will Jade-Weser-Port ausbauen
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20:32 16.02.2015
Von Jens Heitmann
Kein Gedränge: Noch fährt der Jade-Weser-Port Verluste ein, doch die Prognosen für die Zukunft sehen gut aus.  Quelle: Ingo Wagner
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Hannover

Die niedersächsische Landesregierung treibt einen Ausbau des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven voran, obwohl der Tiefseewasserhafen bislang Verluste einfährt. „Unser Ziel ist es, die Kapazitäten bis 2025 zu verdoppeln“, sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) dieser Zeitung. Voraussetzung dafür sei, dass die in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie die optimistischen Prognosen zur Entwicklung des Seeverkehrs bestätige. Lies rechnet damit, dass die Ergebnisse in der zweiten Jahreshälfte vorliegen. Wer Mitte 2025 vom langfristig erwarteten Wachstum des Containerhandels profitieren wolle, müsse heute schon die planungsrechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen.

Aktuell hat der Tiefwasserhafen eine Kapazität von 2,7 Millionen Containern. Bei einem zweiten Bauabschnitt sollen die Kaianlagen so vergrößert werden, dass dort die doppelte Menge angelandet werden kann. Aktuell ist der Umschlag von solchen Größenordnungen noch weit entfernt: Mit 67 000 Containern fiel der Jade-Weser-Port im vergangenen Jahr um 12 Prozent hinter das Ergebnis von 2013 zurück. In seinem ersten vollen Betriebsjahr hat der Hafen 40 Millionen Euro Verlust angehäuft.

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Kommt Kooperation mit Hamburg?

Nach der aktuellen Seeverkehrsprognose der Bundesregierung wird der Umschlag in den deutschen Seehäfen von 294 Millionen Tonnen im Jahr 2004 auf 759 Millionen Tonnen im Jahr 2025 steigen. Hamburg wird demnach mit 337 Millionen Tonnen mit Abstand der größte deutsche Seehafen bleiben. Lies setzt darauf, dass die Hamburger Interesse an einer Kooperation mit dem Jade-Weser-Port entwickeln: „Die neue Generation der größten Containerschiffe kann dann nicht mehr die Elbe herauffahren - nicht einmal halb abgeladen“, sagte Lies.

Auch mit Blick auf die nähere Zukunft zeigt sich die Landesregierung zuversichtlich. Von diesem Monat an steuert die als 2M bezeichnete Allianz der Großreedereien Maersk und MSC den Jade-Weser-Port mit zwei Liniendiensten im Fernost-Europa-Verkehr und einem Liniendienst aus dem Fahrtgebiet Mittlerer Osten/Indien an. Zudem gibt es künftig vier Feederlinien, mit denen der Weitertransport der Container in den Nord-Ostsee-Raum organisiert wird. Lies: „Der mit diesen neuen Linien verbundene substanzielle Umschlag wird Reedern wie Verladern die Leistungsfähigkeit des Hafens demonstrieren und die Vorteile des Tiefwasserhafens gegenüber anderen Standorten vor Augen führen.“

Die Wirtschaft begrüßt die Aktivitäten des Landes. „Der Hafen kommt derzeit richtig in Fahrt“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertages, Susanne Schmitt: „Bei weiterhin guter Auslastung ist es realistisch, dass in zehn Jahren die Kapazitätsgrenze erreicht ist.“ Da Großprojekte viel Zeit bei der Umsetzung benötigten, werde jetzt an den richtigen Stellen investiert, erklärte Volker Müller von den Unternehmerverbänden. Skeptisch ist der Bund der Steuerzahler: Trotz Belebung sei im Jade-Weser-Port noch nicht mit Gedränge zu rechnen, sagte der Vorsitzende Bernhard Zentgraf. Lies sollte nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun: „Vordringliche Aufgabe ist es, das Milliardenprojekt richtig ins Laufen zu bringen.“

Brake und Cuxhaven im Plus

Häfen laufen unterschiedlich: Die niedersächsischen Seehäfen haben im vergangenen Jahr insgesamt 46,4 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen und sich dabei sehr unterschiedlich entwickelt. Im Vergleich zu 2013 habe der Umschlag um rund ein Prozent zugelegt, sagte die Geschäftsführerin der Seaports of Niedersachsen GmbH, Inke Onnen-Lübben, am Montag in Oldenburg. Den größten Zuwachs erreichte der Hafen Brake an der Weser mit 11 Prozent auf 6,3 Millionen Tonnen. In Cuxhaven wurden 2014 mit rund 2,7 Millionen Tonnen etwa 2 Prozent mehr Güter umgeschlagen als 2013.

In Emden blieb der Gesamtumschlag mit 4,4 Millionen Tonnen stabil. Dort wurde aber ein weiterer Rekord beim Umschlag von Autos erreicht – 1,31 Millionen Fahrzeuge bedeuteten ein Plus von 6 Prozent. Der größte niedersächsische Hafen in Wilhelmshaven – nicht zu verwechseln mit dem Jade-Weser-Port – hat mit 24,2 Millionen Tonnen rund 2 Prozent weniger umgeschlagen als 2013. Dort gab es vor allem bei Kohle und Baustoffen ein Minus. Öl und Chemikalien legten dagegen zu.

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Für den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven läuft es weiterhin schlecht. Der Containerumschlag sank in 2014 noch einmal deutlich im Vergleich zum Vorjahr. Doch es gibt Grund auf eine positive Wende zu hoffen. Der Chemiekonzern BASF und Tchibo testen den Hafen an der Jade für ihren Warenumschlag.

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