Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Landeskartellbehörde vermutet zu hohe Preise
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Landeskartellbehörde vermutet zu hohe Preise
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 17.08.2012
Von Jens Heitmann
Bei den Trinkwasserpreisen in Niedersachsen gibt es große regionale Unterschiede. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Anzeige
Hannover

Bei den Trinkwasserpreisen in Niedersachsen gibt es große regionale Unterschiede. Während ein Zwei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 80 Kubikmetern in Meppen jährlich 69 Cent je Kubikmeter bezahlt, verlangt der teuerste Versorger im südniedersächsischen Dransfeld 3,30 Euro – aufs Jahr gerechnet macht das einen Unterschied von 208,80 Euro aus. Bewohner eines Einfamilienhauses zahlen bei einem Jahresverbrauch von 150 Kubikmeter zwischen 58 Cent und 3,12 Euro – eine Differenz von 381 Euro in zwölf Monaten.

Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Marktuntersuchung der Landeskartellbehörde, die der HAZ vorliegt. Die im Wirtschaftsministerium in Hannover angesiedelte Aufsicht hatte bereits 2009 entsprechende Fragebogen an die Versorger verschickt. Eine Rücklaufquote von lediglich 60 Prozent und teilweise lückenhafte Angaben hätten die Ergebnisse verzögert, heißt es. Erst nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes im Februar dieses Jahres konnte die Behörde erneut eine nun verpflichtende Datenerhebung einleiten. Die gute Nachricht ist: Im bundesweiten Vergleich liegen die Trinkwasserpreise in Niedersachsen vergleichsweise niedrig. Insgesamt sind zwischen Ems und Elbe 256 Wasserversorger aktiv, die alle Monopolisten sind.

Anzeige

Dabei erheben 60 Prozent Preise, weil sie private Unternehmen sind; die übrigen 40 Prozent – in öffentlich-rechtlicher Hand – kassieren Gebühren. Als Durchschnittspreis auf der Basis von 150 Kubikmetern Verbrauch weist die Landeskartellbehörde 1,52 Euro pro Kubikmeter aus, bei den Gebühren sind es 1,36 Euro für die gleiche Menge.

Drei der in Verdacht stehenden Unternehmen haben sich nach Angaben der Landeskartellbehörde bereits verpflichtet, ihre Trinkwasserpreise um 10 Prozent zu senken – es handelt sich um EVI Hildesheim, die Wasserwerke der Samtgemeinde Freden und die Versorgungsbetriebe Hann. Münden. Mit fünf Versorgern im östlichen Niedersachsen hingegen habe man noch keine Einigung erzielen können, heißt es bei der Behörde. Es handelt sich um BS Energy in Braunschweig, den Wasserzweckverband Peine, die Wasser- und Abwassergesellschaft Vienenburg, die Wasser- und Energieversorgungsgesellschaft Salzgitter und e.on Avacon in Helmstedt.

Die betreffenden Versorger wollten sich dazu gestern nicht äußern. Man befinde sich noch in laufenden Gesprächen mit der Kartellbehörde, hieß es gleichlautend bei e.on Avacon, BS Energy und der WEVG Salzgitter. Für bewertende Aussagen sei es deshalb zu früh.