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Niedersachsen Mal Olympia, mal Mittelstand
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07:11 24.02.2015
Von Jens Heitmann
Wenn’s richtig schick sein soll: Holtmann übernimmt auch große Aufträge wie den Bau von Pavillons für den Smartphone-Hersteller Samsung. Quelle: Nürnberg-Messe
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Hannover

Ob sich diese Bereitschaft am Ende auch für die Firmen auszahlt, die vom Auf- und Abbau der Stände leben, sei allerdings nicht sicher, sagt Nürnbergs Messechef Peter Ottmann. Zwei schwere Wirtschaftskrisen im vergangenen Jahrzehnt hätten das Marketingverhalten der Aussteller dauerhaft verändert: „Sie wollen nicht zeigen, dass sie sparen – aber sie tun es massiv.“

Messegesellschaften leben vor allem von der vermieteten Fläche und weiteren Dienstleistungen – der Bau von Ständen gehört in der Regel nicht dazu. Vor fünf Jahren sind die Franken auch in dieses Geschäft eingestiegen, als sie die Hälfte der Anteile am Messebauer Holtmann in Langenhagen übernahmen. Damals litt die Branche unter den akuten Folgen der Finanzkrise; bei Holtmann waren die Erlöse 2009 um ein Fünftel eingebrochen. Inzwischen habe sich das Geschäft zwar wieder stabilisiert, sagt Geschäftsführer Claus Holtmann. Aber die Preise stünden weiter unter Druck.

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Holtmann zählt in der zersplitterten Branche zu den wenigen Großen. Das Geschäft verteilt sich zu jeweils einem Drittel auf den hannoverschen Messeplatz, weitere Ausstellungsgelände in Deutschland und auf Messen im Ausland. Der Einstieg der Nürnberger habe sich ausgezahlt – heißt es von beiden Seiten. „Wir haben unsere Wachstumsziele nahezu erreicht“, sagt Holtmann. Der Umsatz sei seit 2010 fast um die Hälfte gestiegen, das Ziel von 30 Millionen Euro im Jahr liege in Schlagdistanz. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich von 80 auf 115. Man habe die eigene Geschäftsbasis verbreitert und profitiere von der internationalen Präsenz des Partners. „Die besten Zeiten liegen noch vor uns“, sagt Messechef Ottmann.

Große Aussteller geben mehr aus

Wichtig für den Kundenkontakt: Vor allem größere Unternehmen wollen in diesem Jahr mehr in Messen investieren. Von Ausstellern mit einem Umsatz von mehr 125 Millionen Euro erklärten rund 40 Prozent, dass sie ihre Budgets erhöhen – nur 7 Prozent wollen weniger ausgeben. Das geht aus einer Befragung von 500 repräsentativ ausgewählten Firmen durch Infratest im November hervor. Die Zahl der Messebeteiligungen werde jedoch weitgehend gleich bleiben. Ein Viertel der Unternehmen erklärte, dass Messen für sie im Zentrum ihrer Kundenansprache stehen, die Hälfte sieht Messeausstellungen auf einer Stufe mit anderen Instrumenten. Die Veranstalter könnten mit Selbstbewusstsein in die Zukunft blicken, meint der Dachverband Auma. Trotz digitaler Angebote bleibe die Rolle der Messen in der Kommunikation mit den Kunden hoch.

Um trotz der sparsamen Kundschaft wachsen zu können, hat Holtmann sein Geschäft neu justiert: „Temporäres Bauen“ bleibe die Kernkompetenz – man schaue sich aber zunehmend auch außerhalb von Messegeländen nach Aufträgen um. Diese Nische sei schon deshalb attraktiv, weil große Baukonzerne sie links liegen lassen. Als Beispiel nennt Holtmann die Errichtung von Pavillons wie für den Smartphone-Hersteller Samsung bei der vergangenen Olympiade in London. Für das Geschäftsfeld steht die neue Marke „Expomondo“.

Gleichzeitig möchte das Unternehmen seine Abhängigkeit von Großaufträgen verringern. Am Messeplatz Hannover sind aktuell 20 Prozent der Kunden für 80 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Für zwei Drittel des Geschäfts steht weiterhin die Kernmarke „Holtmann“; unter „Mesomondo“ wirbt man um Mittelständler, die sich ohne große Marketingabteilungen auf Messen präsentieren wollen – für sie gibt es modulare Stände von der Stange. „Wir sind jetzt zum Vollsortimenter geworden“, sagt Holtmann.

Jens Heitmann 23.02.2015
Stefan Winter 20.02.2015
20.02.2015