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Niedersachsen Langsamer Start der Riesen-Lastwagen
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19:49 06.02.2012
Von Dirk Stelzl
In Niedersachsen waren vor einigen Jahren schon einmal testweise Gigaliner unterwegs. Quelle: dpa
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Hannover

Dies ist nicht verwunderlich, denn die Transportunternehmen müssen ihr Vorhaben erst bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) registrieren lassen, Fragebögen ausfüllen und Fahrzeuge umrüsten. Im März soll es losgehen – mit einer Auftaktveranstaltung mit Verkehrsminister Peter Ramsauer beim Münchener Lkw-Hersteller MAN. 

Die BASt in Bergisch Gladbach ist für die wissenschaftliche Begleitung des auf fünf Jahre angelegten Tests mit den „Lang-Lkw“ zuständig, die von den meisten als „Gigaliner“ bezeichnet werden. Dabei dürfen Unternehmen Fahrzeuge einsetzen, die bis zu 25,25 Meter lang sind. Das Gewicht darf weiterhin höchstens 40 Tonnen betragen. Im kombinierten Verkehr können es 44 Tonnen sein. Es werde also keine 60-Tonner oder „Monstertrucks“ geben, betont das Bundesverkehrsministerium, das auch den Begriff „Gigaliner“ nicht gelten lässt. Von einem größeren Ladevolumen verspricht man sich Vorteile für die Branche, aber auch eine Entlastung der Umwelt: Wo heute drei Lastwagen pro Tag fahren, seien es im Feldversuch nur zwei „Lang-Lkw“, erläutert das Ministerium.

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Bei der BASt haben sich bislang allerdings nur zwei Unternehmen angemeldet. Die Behörde führt dies auf die kurze Zeit seit dem Inkrafttreten der Ausnahmeverordnung zurück und rechnet mit einer zunehmenden Resonanz. Rund 30 Firmen hätten bereits angefragt. Der Langenhagener Spediteur Mathias Krage, der auch Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes (DSLV) ist, ist jedoch skeptisch: Er bezweifelt, dass sich so viele Transportunternehmen beteiligen werden wie ursprünglich geplant – mit der Folge, dass der Feldversuch dann wenig Aussagekraft hätte.

Eine hohe Beteiligung scheitere an den restriktiven Rahmenbedingungen, sagt Krage. So machen nur sieben Bundesländer bei dem Versuch mit. Neben Niedersachsen sind dies Bayern, Hessen, Sachsen, Thüringen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Dadurch kommen für die Fuhrunternehmen viele Straßen nicht für Transporte mit Riesen-Lastwagen infrage. Die Fahrzeuge können zahlreiche Gewerbegebiete nicht ansteuern.

Unter anderem das große Bundesland Nordrhein-Westfalen verweigert die Teilnahme und hat der Bundesregierung keine Straßen gemeldet, auf denen die längeren „Brummis“ fahren dürfen. Auch Bremen lehnt die Riesen-Lastwagen ab. Dies sei „kleinstaatliches Denken“, ärgert sich Krage über die Länder, die sich den Versuch boykottieren. „Man muss nicht alles verstehen, was da politisch entschieden wird.“

Für Krages eigenes Unternehmen eignen sich „Lang-Lkw“ häufig nicht, weil bei zahlreichen von den Langenhagenern übernommenen Transporten schon mit den bisherigen Fahrzeugen das Höchstgewicht erreicht werde. Dennoch, so erklärt der Spediteur, wären die längeren Lastwagen für seine Firma auf manchen Strecken sinnvoll – ein Problem sei aber, dass damit keine Gefahrgüter befördert werden dürften.

Krage ist sich sicher, dass sich „Lang-Lkw“ in Deutschland auf längere Sicht durchsetzen werden. Die Fahrzeuge seien nicht gefährlicher als jene, die bisher auf den Straßen eingesetzt würden, meint er. Und es gehe auch nicht darum, der Bahn Transporte wegzuschnappen. Die größeren Lastwagen trügen vielmehr dazu bei, das wachsende Verkehrsaufkommen besser zu bewältigen.

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