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Niedersachsen Lehman-Pleite gibt Anwälten Arbeit
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Lehman-Pleite gibt Anwälten Arbeit
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23:14 27.07.2009
Von Albrecht Scheuermann
Lehman Hannover Pleite Landgericht Zertifikate Citibank Schadensersatzklagen
Lehman-Geschädigte demonstrierten im Mai vor der Filiale der Citibank in der Karmarschstrasse. Quelle: Rainer Dröse
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Allein die Kanzlei Dr. Lippmann, Ritter & Coll. in Laatzen betreut nach Angaben von Rechtsanwalt Ritter inzwischen „deutlich mehr als 150 Fälle“, in denen Anleger durch den Lehman-Kollaps Geld verloren haben. Der hannoversche Anwalt Matthias Keunecke hat nach eigenen Angaben inzwischen rund 50 Lehman-Opfer als Mandanten gewonnen.

Wie viele von diesen Mandaten letztlich zu Schadensersatzklagen führen, ist jedoch noch offen. Dies hängt unter anderem davon ab, inwieweit die Banken und Sparkassen, die ihren Kunden Lehman-Zertifikate verkauft haben, zu Vergleichen bereit sind. Dort gibt es offenbar große Unterschiede.

Der Laatzener Anwalt Arne Ritter stellt etwa fest, dass die Citibank häufig bereit sei, sich außergerichtlich zu einigen. „Wir haben jetzt in zwei Dutzend Fällen einen vernünftigen Vergleich mit der Citibank erreicht.“ Was dies in Prozent der angelegten Summe bedeutet, will der Jurist nicht sagen.

Und ganz ohne Druck geht es auch nicht. Der Anwalt betont, dass er in jedem Fall der Citibank einen fix und fertig ausgearbeiteten, etwa 40-seitigen Klageentwurf zusende, um die Bereitschaft des Instituts zu einer gütlichen Einigung zu fördern.

Dagegen zeige sich die Sparkasse Hannover ausgesprochen hart, sie sei so gut wie nie zu Verhandlungen bereit. Ein Sprecher des Instituts bestätigte, dass man bislang „in weniger als zehn Fällen“ Vergleiche geschlossen habe. Voraussetzung dafür seien in jedem Fall nachgewiesene Beratungsfehler aufseiten der eigenen Mitarbeiter.

Als größter Vertreiber von Lehman-Papieren in der Region mit etwa 1000 betroffenen Kunden ist sie auch der Hauptadressat der eingereichten oder angekündigten Klagen. So vertritt Ritter nach eigenen Angaben gut 130 Sparkassen-Kunden, die sich mit dem Verlust ihres Geldes als Folge der Lehman-Pleite nicht abfinden wollen.

Darunter sind haarsträubende Fälle. Zum Beispiel habe eine Mandantin im vorgerückten Alter mit einer Monatsrente von rund 300 Euro ihr gesamtes, im Lauf ihres Lebens angespartes Vermögen von gut 60.000 Euro auf Anraten eines Sparkassen-Mitarbeiters in Lehman-Zertifikate investiert.

Ähnliche Fälle gibt es allerdings auch bei anderen Instituten. So berichtet Anwalt Keunecke über eine Frau mit fortgeschrittener Leberzirrhose, die ein Citibank-Mitarbeiter zum Abschluss des Geschäftes zu Hause am Krankenbett aufgesucht habe. Kurze Zeit später sei sie dann gestorben. Keunecke hat anders als sein Laatzener Kollege nicht die Erfahrung gemacht, dass die Citibank eher als andere Banken zu einem Vergleich bereit sei.

Lehman-geschädigte Anleger sollten, so raten die Juristen, mit der Entscheidung über mögliche rechtliche Schritte nicht zu lange warten. Dies gilt zumindest für die Zeichner der „Garant IndexTrio“-Anleihe von Lehman, die im Herbst 2006 vertrieben wurde. Wegen der dreijährigen Verjährungsfrist haben die Geschädigten nur noch wenige Monate Zeit, durch eine Schadensersatzklage die Verjährung aufzuhalten.

Nach Angaben von Matthias Kannengießer, Richter am Landgericht Hannover, sind dort inzwischen 65 Verfahren in Sachen Lehman-Zertifikate anhängig. Ein Großteil der Klagen richtet sich dabei gegen die Sparkasse Hannover. Nach Angaben des Sparkassen-Sprechers seien bislang 57 Klagen eingereicht worden. Eine Entscheidung gibt es bislang in keinem Fall, am 2. September findet die nächste Verhandlung in dieser Angelegenheit statt.

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