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Niedersachsen Lenze ist „aus dem Tal heraus“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Lenze ist „aus dem Tal heraus“
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12:15 16.07.2010
Von Dirk Stelzl
Die Auftragsbücher bei Lenze füllen sich wieder. Quelle: dpa
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Viele Maschinenbaufirmen haben eine Achterbahnfahrt hinter sich. Nach blendenden Jahren ging es in der Wirtschaftskrise rasant abwärts – und jetzt ziehen die Auftragseingänge wieder kräftig an.

Auch der Hamelner Antriebs- und Automatisierungstechnikspezialist Lenze war lange auf Expansion ausgerichtet, ehe er von der Rezession erwischt wurde. Er habe nicht geglaubt, dass er bis zum Ende seiner Berufslaufbahn noch so etwas erleben würde, sagt Vorstandschef Erhard Tellbüscher, der bereits die für die Branche schwierige Phase in den neunziger Jahren als Manager bewältigen musste.

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Doch nun scheint die Krise überstanden zu sein. „Man ist aus dem Tal heraus“, sagt Tellbüscher. Bei Lenze waren die Auftragseingänge im Mai/Juni 2010 – je nach Produktgruppe – um 40 bis 90 Prozent höher als vor einem Jahr.

Die Erholung habe etwas früher begonnen als erwartet, freut sich Tellbüscher. Besonders aus China und Indien kämen mehr Aufträge. Auch der deutsche Markt sei aufgewacht. Weiterhin schwach ist die Nachfrage dagegen in Osteuropa, Italien oder in den skandinavischen Ländern.

Der Anstieg der Auftragseingänge hängt nach Tellbüschers Worten auch damit zusammen, dass Kunden ihre Lager wieder auffüllen. Er rechnet damit, dass die Auftragsentwicklung nach dem Nachholeffekt im Spätsommer „ein bisschen abflachen“ werde.

Ohnehin ist das Unternehmen noch erheblich vom Vorkrisenniveau entfernt. Im Ende April abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 verringerte sich der Umsatz von 505 auf 414 Millionen Euro. 2007/08 hatten die Erlöse noch bei 621 Millionen Euro gelegen. Nach roten Zahlen im Vorjahr erzielte Lenze nun ein operatives Ergebnis von 7 Millionen Euro. Auch unter dem Strich sei man im vergangenen Geschäftsjahr „im positiven Bereich“ gewesen, berichtet Tellbüscher.

Dank der besseren Auftragslage arbeiten nur noch um die 20 Beschäftigte kurz – zeitweise waren es bis zu 1300 Mitarbeiter. In den vergangenen Monaten hat Lenze rund 50 Beschäftigte eingestellt, überwiegend allerdings befristet. Wieder an Bord sind inzwischen auch einige Mitarbeiter, die Lenze in der Krise verlassen mussten.

Obwohl das Unternehmen nun etwas mehr Personal braucht, ist Tellbüscher überzeugt, dass der vorherige Stellenabbau nicht übertrieben gewesen sei. Die Streichungen seien unvermeidbar gewesen. Die Firma habe sogar weniger Arbeitsplätze abgebaut, als der drastische Umsatzrückgang eigentlich erfordert hätte.

Die Lenze-Gruppe strich rund 600 Stellen, davon 300 in Deutschland. In den Wachstumsjahren zuvor war die Mitarbeiterzahl aber deutlich gestiegen. IG Metall und Betriebsrat kritisierten, dass die Möglichkeiten der Kurzarbeit nicht genügend ausgeschöpft würden, und organisierten eine Protestkundgebung in Groß Berkel. Nach einigen unbedachten Äußerungen Tellbüschers in einem Zeitungsinterview fühlten sich die Gewerkschaften an „Raubtierkapitalismus“ erinnert. Er diffamiere das Instrument der Kurzarbeit als „Effizienzfresser“.

Dass ihn die Kritik getroffen hat, merkt man dem Lenze-Chef noch an. Bei den Auseinandersetzungen sei damals auch „Porzellan zerschlagen worden“, bedauert er. Und erleichtert weist er darauf hin, dass von den Beschäftigten in der Region, die seinerzeit in eine Transfergesellschaft gewechselt sind, viele wieder einen Arbeitsplatz gefunden hätten.