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Niedersachsen Machtkampf lässt VW erzittern
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21:54 23.04.2015
Von Stefan Winter
Ferdinand Piëch kämpft auch um seine Position im Aufsichtsrat von Volkswagen – mit Martin Winterkorn (im Hintergrund) habe er sich ausgesprochen. Sagt er.
Ferdinand Piëch kämpft auch um seine Position im Aufsichtsrat von Volkswagen – mit Martin Winterkorn (im Hintergrund) habe er sich ausgesprochen. Sagt er. Quelle: Jan Woitas
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Hannover

Der Machtkampf an der Führungsspitze des Wolfsburger Autokonzerns Volkswagen ist noch nicht beendet. Der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch betreibe nach wie vor die Ablösung von Konzernchef Martin Winterkorn, hieß es gestern im Umfeld des Familienclans. Bei einem Treffen in Stuttgart habe Piëch am Mittwoch versucht, die Familien Porsche und Piëch, zusammen Mehrheitseigentümer von VW, auf seine Linie zu bringen: Winterkorn solle noch vor der Hauptversammlung abgelöst werden, die am 5. Mai in Hannover stattfindet.

Die gezielten Indiskretionen riefen Ferdinand Piëch selbst auf den Plan, der erstmals indirekt ein Zerwürfnis mit seinem einstigen Vertrauten bestätigte: „Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht“, sagte er der „Bild“. Er und Winterkorn hätten sich „letzte Woche ausgesprochen. Und uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt“. Vor einer Woche erst hatte das VW-Aufsichtratspräsidium Piëch bei seinem Vorhaben gestoppt, Winterkorn vorzeitig abzulösen. Piëch hatte seinen einstigen Vertrauten mit einem Satz infrage gestellt: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“

Seit dem Treffen in Salzburg, bei dem Piëch nach Angaben aus Teilnehmerkreisen eine schlechte Figur gemacht haben soll, gilt der Aufsichtsratschef selbst als angezählt. Doch Piëch kämpft - um seine­ Position im Aufsichtsrat und offenbar­ auch weiterhin gegen den Vorstandsvorsitzenden Winterkorn. Er habe der Familie zwei Ersatzkandidaten ans Herz gelegt, hieß es gestern: den 58-jährigen Skoda-Chef Winfried Vahland und den 61-jährigen Porsche-Chef Matthias Müller. Beide gelten schon länger als mögliche Winterkorn-Nachfolger.

Derweil wird in Wolfsburg registriert,­ dass Piëch alte Weggefährten mobilisiert, um seine angeschlagene Position zu stärken: Altkanzler Gerhard Schröder und der frühere VW-Aufsichtsratschef Klaus Liesen haben sich in den vergangenen Tagen öffentlich für ihn stark gemacht. Allein das zeige schon, dass der Kampf um die Macht noch nicht zu Ende sei, sagt ein Insider.

Im Konzern und im Aufsichtsrat sitzt das Misstrauen inzwischen tief gegenüber dem Mann, der das Unternehmen seit Anfang der Neunzigerjahre geprägt hat. Will der 78-Jährige einen neuen Spitzenmann installieren, muss er zunächst seine verzweigte Familie hinter sich bringen - zuallererst den Cousin Wolfgang Porsche. Der 71-Jährige hatte vor einer Woche mit den anderen Mitgliedern des VW-Aufsichtsratspräsidiums gegen Piëch und für Winterkorns Vertragsverlängerung gestimmt. Sollte die Familie jetzt doch umschwenken, wäre das mehr als peinlich für Wolfgang Porsche. Er schwieg gestern.

Stellungnahmen kamen dagegen von Betriebsratschef Bernd Osterloh und Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), ebenfalls Mitglieder des Präsidiums. Beide hatten Winterkorn gestärkt, aber beide ließen gestern Verhandlungsspielraum erkennen: Der „Beschluss vom Freitag bleibt die Grundlage für das Vorgehen“, sagte Weil. „Sollte es weiteren Beratungsbedarf geben, dann müssen interne Gespräche geführt werden“, sagte Osterloh.

Land in der Schlüsselrolle

Fronten im Aufsichtsrat: Eine Ablösung von Martin Winterkorn ist nicht einfach. Die Familien Porsche­ und Piëch haben gemeinsam zwar die Mehrheit auf Hauptversammlungen, aber dort wird nicht über die Vorstandsbesetzung entschieden. Das ist Sache des Aufsichtsrats, und dort ist die Lage unübersichtlicher: Das Gremium besteht aus 20 Mitgliedern. Die Familienstämme­ sind dort mit Ferdinand Piëch, seiner Frau Ursula und seinem Bruder Hans Michel Piëch sowie Wolfgang Porsche und dessen Neffen Ferdinand Oliver Porsche vertreten. Für eine Ablösung Winterkorns bräuchten sie in jedem Fall die Zustimmung der beiden Vertreter Niedersachsens, Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies. Den zehn Vertretern der Aktionäre stehen zehn Arbeitnehmervertreter gegenüber. Geht eine Abstimmung unentschieden aus, hat der Vorsitzende doppeltes Stimmrecht. Im Konzern kann sich eine solche Kampfabstimmung bisher niemand vorstellen.

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