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Niedersachsen Eine Wienerin soll
 die Stadtwerke führen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Eine Wienerin soll
 die Stadtwerke führen
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00:15 11.05.2015
Von Jens Heitmann
Enercity erhält eine neue Chefin: Susanna Zapreva-Hennerbichler (Zweite von links) folgt auf Michael Feist. Quelle: Insa Hagemann
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Hannover

Die 42-Jährige bringe „umfangreiche Erfahrungen in der Energiewirtschaft“ und „ausgezeichnete Managementkompetenzen“ mit, sagte Aufsichtsratschef Marc Hansmann am Freitag. „Mit ihr wissen wir die Zukunft der Stadtwerke in sehr guten Händen.“ Zuvor hatte das Kontrollgremium sie einstimmig für fünf Jahre bestellt.

Zapreva-Hennerbichler hat in Wien Elektrotechnik studiert, dann promoviert und später noch ein Zweitstudium in Betriebswirtschaftslehre angehängt. Ihren Einstieg in die Energiebranche fand sie als Beraterin; in den vergangenen zwölf Jahren ist die Managerin bei Wien-Energie über verschiedene Stationen bis in die Geschäftsführung aufgestiegen. Dort ist sie für die Erzeugung und den Energiehandel zuständig.

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„Ich habe mich früh für die Energiewirtschaft begeistert“, sagte Zapreva-Hennerbichler. Es gehe um Klimaschutz und begrenzte Ressourcen. „Das ist ein Thema mit Zukunft.“ Außer der Elektrotechnik wäre anfangs aber auch ein Medizinstudium in Frage gekommen. Die Managerin ist verheiratet und hat einen Sohn – der Wechsel nach Hannover ist für März 2016 geplant. Zapreva-Hennerbichler wird dann einen Monat lang das Unternehmen kennenlernen und am 
1. April die Geschäfte vom scheidenden Enercity-Chef übernehmen.

Zwischen den Stadtwerken Hannover und der Wien-Energie gibt es auffällige Ähnlichkeiten. Beim Umsatz liegen beide mit rund 2 Milliarden Euro auf Augenhöhe – und beide leiden unter dem Verfall der Großhandelspreise für Strom.

Während Enercity die Verluste seiner Kraftwerke zuletzt jedoch durch andere Geschäfte und die Beteiligung an der Stadtwerke-Holding Thüga auffangen konnte, ist das den Kollegen in Wien nicht gelungen: Für 2013 – neuere Zahlen liegen nicht vor – weist die Bilanz einen Verlust von 268 Millionen Euro aus. Verantwortlich dafür waren Wertberichtigungen und Rückstellungen für die eigenen Kraftwerke.

Im Unterschied zu den hiesigen Stadtwerken haben sich die Wiener unter der Federführung von Zapreva-Hennerbichler den erneuerbaren Energien weniger zögerlich zugewandt. Dieser Ansatz sei bei der Suche nach der neuen Chefin ein wichtiger Pluspunkt gewesen, verlautete aus dem Enercity-Aufsichtsrat. So wirbt Wien-Energie beispielsweise mit der Beteiligung an „BürgerInnen-Solarkraftwerken“. Das Modell: Wien-Energie errichtet und betreibt schlüsselfertige Photovoltaikanlagen, verkauft sie für 950 Euro an Hauseigentümer und mietet sie dann zurück. Die Bürger streichen dafür eine risikolose Rendite von 3,1 Prozent ein: Nach Ende der Laufzeit erstattet Wien-Energie den vollen Kaufpreis.

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