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Niedersachsen McAllister plädiert bei IHK Hannover für faire Löhne
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen McAllister plädiert bei IHK Hannover für faire Löhne
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00:15 10.01.2013
Von Dirk Stelzl
IHK-Präsident Hannes Rehm bei seiner Rede auf dem Neujahrsempfang der IHK im HCC. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

IHK-Präsident Hannes Rehm forderte ein „ausreichendes Kinderbetreuungsangebot“, damit Beschäftigte Familie und Beruf vereinbaren können. Damit Unternehmen weiterhin genügend Fachkräfte hätten, sei – neben einer längeren  Lebensarbeitszeit – auch eine höhere Frauenerwerbsquote notwendig.

McAllister sieht bei der Sicherung des Fachkräftebedarfs auch die Wirtschaft selbst in der Pflicht: Wer Fachkräfte halten oder für sich gewinnen wolle, müsse gute Arbeit angemessen entlohnen, sagte der Regierungschef vor rund 1100 Gästen des Neujahrsempfangs im Hannover Congress Centrum. In bestimmten Branchen könne eine „marktwirtschaftlich organisierte“ Lohnuntergrenze helfen, Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Dabei  seien die Tarifparteien gefordert. Einen gesetzlich festgelegten und bundesweit einheitlichen Mindestlohn lehnt McAllister jedoch ab. Ein solcher Mindestlohn würde dazu führen, dass vor allem weniger Qualifizierte geringere Chancen auf eine Beschäftigung hätten.

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Notwendig seien genügend Kinderbetreuungsangebote, die sich an den tatsächlichen Arbeitszeiten der Eltern orientieren, betonte IHK-Präsident Rehm. „In Deutschland fehlen zur Erreichung der von der Politik gesetzten Ziele beim Ausbau der Kindertagesbetreuung noch 220.000 Plätze.“ Gleichzeitig stießen Unternehmen, die eine betriebliche Kinderbetreuung aufbauen wollten, auf zu viele formale Hürden. „Man sollte hier nicht mit überzogenen Ansprüchen an Zuschnitt und Ausstattung das Gewollte unnötig erschweren.“

Die Nachwuchssuche der Wirtschaft wird nach Rehms Worten auch dadurch erschwert, dass Schulen „nur noch eingeschränkt die Grundfähigkeiten sicherstellen“ – Rechnen, Schreiben, Lesen. Bei internationalen Vergleichen lägen die deutschen Schulen im guten Mittelfeld etwa hinter Südkorea, Singapur oder Finnland. „Eigentlich wollten und sollten wir oben sein.“ Es könne niemandem gleichgültig sein, „dass am Ende der Grundschulzeit jeder fünfte Schüler nicht ausreichend rechnen und jeder sechste Schüler nicht ausreichend lesen kann“. Solche Defizite würden bis zum Schulabschluss selten aufgeholt. „Wenn das so bleibt, fahren künftig die Züge ohne uns in die Welt solcher Wertschöpfungen, die mathematisch-naturwissenschaftlich und technologisch geprägt sind.“

Rehm sprach sich für „neue Wege“ bei Bildung und Nachwuchssicherung aus – zum Beispiel Angebote für Studienabbrecher, in verkürzter Zeit einen Berufsabschluss zu erreichen. Notwendig sei auch die Förderung der „offenen Hochschule“, an der Fachkräfte ohne Abitur studieren könnten.

Sorgen bereiten der Wirtschaft die Energiewende und steigende Stromkosten: „Die Industrie hat mit über 45 Prozent den größten Anteil am Stromverbrauch“, erklärte Rehm. Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit müssten erhalten bleiben. Bund und Länder müssten eng zusammenarbeiten. Beim Energiegipfel im November seien außer Absichtserklärungen keine konkreten Beschlüsse zum Netzausbau und zur Versorgungssicherheit erreicht worden.

„Energie muss für Verbraucher und Unternehmen bezahlbar bleiben“, sagte auch McAllister – und signalisierte die Bereitschaft, sich gegebenenfalls für eine Senkung etwa der Stromsteuer einzusetzen. Der Staatsanteil an den Strompreisen – alle Steuern und Abgaben, die Bestandteile der Energiepreise seien – müsse kritisch überprüft werden. Außerdem warnte er davor, Unternehmen mit höheren Steuern auf Einkommen, Erbschaften oder Vermögen stärker zu belasten.