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Niedersachsen Mehr Arbeitslose durch Flüchtlingskrise
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07:53 29.10.2015
Von Heiko Randermann
Bevorzugte Branchen: Wenn Flüchtlinge Jobs finden, dann oft in der Hotel- und Gastbranche. Quelle: dpa
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Hannover

Das hat das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung errechnet. Gleichzeitig erwartet die Bundesagentur eine stabile wirtschaftliche Entwicklung und mehr Jobs.

In den vergangenen Jahren waren die Arbeitslosenzahlen in Niedersachsen wie auch bundesweit stetig zurückgegangen. Im September vermeldete die Bundesagentur landesweit knapp 250 000 Arbeitslose - das waren 12 000 Personen oder 4,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zwischen März 2014 und März 2015 wuchs im Gegenzug die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs um 64 500 auf 2,89 Millionen.

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„Der Arbeitsmarkt ist grundsätzlich in einer guten Verfassung, und wir erwarten, dass die Beschäftigung in Niedersachsen weiter wächst“, sagt Klaus Oks, Geschäftsführer Grundsicherung der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit. „Zugleich rechnen wir aber auch damit, dass sich die Asylverfahren in den kommenden Monaten beschleunigen und sich viele Flüchtlinge nach der Anerkennung zumindest vorübergehend arbeitslos melden.“

Die Beschleunigung der Asylverfahren dürfte direkte Auswirkungen auf die Arbeitslosenstatistik haben, denn Asylsuchende dürfen drei Monate nachdem sie ihren Asylantrag gestellt haben einen Job annehmen, wenn es keinen Deutschen oder EU-Ausländer gibt, der sich ebenfalls beworben hat. Das gilt aber derzeit für viele Flüchtlinge nicht, weil ein Großteil erst in den vergangenen acht Wochen angekommen ist und außerdem viele wegen Überlastung der Behörden noch keinen Asylantrag gestellt haben. Fraglich ist auch, welche Qualifikation die Flüchtlinge haben. Nicht einmal jeder zehnte bringe die Voraussetzungen mit, um direkt in eine Arbeit oder Ausbildung vermittelt zu werden, hatte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) vor einigen Wochen gesagt: „Nicht alle, die da kommen, sind hoch qualifiziert. Der syrische Arzt ist nicht der Normalfall.“

Nach Angaben der Bundesagentur in Niedersachsen finden „Ausländer aus Kriegs- und Krisenländern“ vor allem in bestimmten Branchen einen Job. Mehr als jeder zweite arbeitet im Hotel- und Gastgewerbe. Stark vertreten sind sie auch bei Handel und Logistik sowie in der Zeitarbeit.

„Viele Flüchtlinge müssen aber zunächst Deutsch lernen oder auch berufliche Anerkennungen nachholen. Daher gehen wir davon aus, dass die Zahl arbeitsloser Ausländer aus den Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien und Eritrea zunächst steigt“, sagt Klaus Oks. Der Arbeitsmarkt sei aber aufnahmefähig. Aus Gesprächen mit Arbeitgebern habe man erfahren, dass vor allem das Handwerk, der Logistikbereich sowie Hotels und Gastronomie Arbeitskräfte suchten. Die Regionaldirektion will 235 Flüchtlingsberater einstellen.

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