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Niedersachsen Mehr Talente für den Arbeitsmarkt
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00:15 16.01.2014
Von Dirk Stelzl
„Es gibt Grund zu Optimismus“: IHK-Präsident Hannes Rehm erwartet, dass die Wirtschaft in diesem Jahr kräftiger wachsen wird. Dröse (4) Quelle: Rainer Droese
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Hannover

Der hannoversche IHK-Präsident Hannes Rehm und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) waren sich einig: Die deutsche Wirtschaft dürfte in diesem Jahr stärker zulegen als 2013. Es bestehe Grund zu Optimismus, sagte Rehm am Montag vor mehr als 1100 Gästen beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer im Hannover Congress Centrum. Und Weil zitierte das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung, das für das Bundesland ein Wirtschaftswachstum von etwa 2 Prozent vorhersagt: „Da kann man nicht meckern“, sagte Weil - und wies darauf hin, dass diese Formulierung für einen Hannoveraner schon die Vorstufe zur Euphorie sei.

Während sich andere europäische Länder mühsam aus der Krise kämpfen und unter hoher Arbeitslosigkeit leiden, hat sich die deutsche Wirtschaft vergleichsweise gut geschlagen. Besonders der Arbeitsmarkt erwies sich als robust: „42 Millionen Menschen in Lohn und Brot gab es noch nie in Deutschland, sagte Gastredner Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, bei der IHK-Veranstaltung. Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung seien im vergangenen Jahr in nahezu allen Branchen gestiegen - in Niedersachsen überdurchschnittlich um 1,5 Prozent.

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Die aller Voraussicht nach wachsende Wirtschaft in Niedersachsen verbreitete beim traditionellen Neujahrsempfang der IHK im HCC Optimismus.

Gleichwohl wies Alt auf Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt hin - angefangen von einem „harten Kern der Arbeitslosen“ über nicht ausbildungsreife Jugendliche in Warteschleifen bis zur „Teilzeitfalle“ bei Alleinerziehenden. Gleichzeitige macht ein zunehmender Fachkräftemangel der Wirtschaft zu schaffen: „Wir werden weniger, wir werden älter, und auch die Zuwanderung allein wird uns nicht retten“, sagte der Arbeitsmarktexperte. Es gebe eine Million offene Stellen in deutschen Unternehmen, „und wir tun uns schwer damit, sie zügig zu besetzen“. Oftmals passten die Profile der Arbeitslosen und die Profile der Stellen nicht zusammen. Obwohl die Beschäftigung zugenommen habe, verharre die Arbeitslosigkeit in Deutschland seit zwei Jahren auf etwa dem gleichen Niveau. Die zusätzliche Beschäftigung sei zu einem großen Teil auf Zuwanderer und eine zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen zurückzuführen. Schlussfolgerung: Man muss etwas unternehmen, damit mehr Jugendliche und Arbeitslose eine Beschäftigung finden. „Jedes Talent, das auf der Reservebank versauert, schmälert unseren Wohlstand.“

Gute Aus- und Weiterbildung umso wichtiger

Umso wichtiger ist nach Ansicht der Experten eine gute Aus- und Weiterbildung. Nach wie vor beherrschten viele Schulabgänger elementare Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen nicht ausreichend, bedauerte Rehm. Außerdem habe man Aufholbedarf vor allem bei naturwissenschaftlich-technischen Fächern. Auch die Berufsorientierung an Schulen müsse verbessert werden.

Bildung und Qualifizierung seien „das strategische Haupttätigkeitsfeld“ der Landesregierung, sagte Weil. „Wir werden es uns künftig nicht mehr leisten können, dass ein Fünftel eines jeden Jahrgangs unsere Schulen verlässt, ohne dass hinterher eine qualifizierte Ausbildung möglich ist.“ Die Landesregierung wolle in dieser Legislaturperiode flächendeckend ein System von „Ganztagsschulen auf gutem Niveau“ einführen. Dafür seien bis 2017 rund 420 Millionen Euro vorgesehen.

Alt stellt ein Umdenken bei vielen Betrieben fest, die verstärkt auch Bewerbern mit schlechteren Voraussetzungen eine Chance geben. Manche Ausbildungsleiter sähen sich erst die jungen Menschen an - und dann die Zeugnisse. Damit auch mehr Frauen erwerbstätig sein können, mahnte IHK-Präsident Rehm ein „ausreichendes“ Kinderbetreuungsangebot an. Alt stelle aber klar: Die Gebühren der Kitas sollten so gestaltet sein, „dass auch bei mäßigen Löhnen noch ein ökonomischer Anreiz besteht, eine Arbeit aufzunehmen“.

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Die meisten Menschen kennen die Staatsschuldenkrise bisher nur aus den Medien, sagte Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer Hannover und wies etwa auf die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt hin. Deutschland und Niedersachsen seien „Inseln der Stabilität in rauer See.“

Dirk Stelzl 09.01.2012

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