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Niedersachsen Mehr als 200.000 Besucher auf der Agritechnica
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Mehr als 200.000 Besucher auf der Agritechnica
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19:40 11.11.2015
Von Carola Böse-Fischer
Der Faszination der Technik erliegen sie alle – ob der junge Mann im Cockpit eines Traktors oder die Besucher bei Grimme, die die feuerroten Kartoffelroder bestaunen. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Die Agritechnica läuft besser, als es die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und die Landtechnikbranche angesichts der schwächelnden Agrarmärkte erwartet haben. Überall Gedränge in den Hallen, Stände von Menschen dicht umlagert - die weltgrößte Landtechnikmesse schafft es trotz aller Unkenrufe, Landwirte, Lohnunternehmer und Agrarfachleute in Scharen auf das ausgebuchte Messegelände zu locken.

Nach zwei Exklusivtagen und den ersten beiden offiziellen Messetagen hat die DLG, die die Agritechnica veranstaltet, schon über 200.000 Besucher aus aller Welt gezählt. Dies entspricht dem im gleichen Zeitraum erzielten Ergebnis bei der Agritechnica 2013, wie ein DLG-Sprecher am Mittwoch sagte.

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Noch hält sich die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft bedeckt - aber hinter vorgehaltener Hand wird nicht mehr ausgeschlossen, dass die Agritechnica an der Rekordmarke von 450.000 Besuchern im Jahr 2013 zumindest kratzen könnte. Denn einer der besucherstärksten Tage kommt noch. Zum Abschluss am Sonnabend sehen sich traditionell Nebenerwerbslandwirte auf der Messe um - und kaufen oft gleich an Ort und Stelle kleinere Maschinen.

Unvermindert stark ist nach einer Umfrage der DLG der Besucherstrom aus dem Ausland, wo ein Viertel der Besucher herkommt. Etwas geringer als beim vorigen Mal war bisher der Zahl der osteuropäischen Messebesucher. Stabil seien die Besucherzahlen aus Nordamerika, hieß es.

Überrascht über den Andrang und noch mehr über die „gute Stimmung“ der Landwirte sind etliche der mehr als 2900 Aussteller aus 52 Ländern. Angesichts der prognostizierten Investitionszurückhaltung „haben wir damit nicht im Traum gerechnet“, sagte der Marketingchef der Grimme Landmaschinenfabrik, Jürgen Feld, in Halle 25. Große Delegationen aus Indien und China seien schon da gewesen. Jetzt wächst bei dem Familienunternehmen aus Damme, das mit seinen feuerroten Kartoffelrodern Weltmarktführer ist, die Hoffnung auf ein gutes Nachmessegeschäft.

Grimme bedient eine spezielle Kundschaft: die Kartoffelanbauer, Großbetriebe, die 1000 Hektar Kartoffeln anbauen ebenso wie kleine mit wenigen Hektar. Bei ihnen entscheidet der Kartoffelpreis darüber, ob sie in neue Technik investieren, wie Feld erklärte. Je nach Größe reiche die Preisspanne von 60 000 bis zu 500 000 Euro. Weil die Kartoffelpreise im Keller waren, brechen Grimme die Erlöse von zuletzt 438 Millionen Euro 2015 um ein Fünftel weg. Jetzt steigen die Preise, und die Bauern investieren, wie Feld berichtete. 2016 hoffe man daher auf ein Umsatzplus von 15 Prozent.

Nach der ersten Halbzeit hat die Agritechnica auch die kühnsten Erwartungen der Amazone-Werke übertroffen. Teils liege das vielleicht am Umzug von Halle 14 in Halle 9, weil man hier die Produktpalette von Düngerstreuern, Feldspritzen und Maschinen für die Bodenbearbeitung und Aussaat noch besser präsentieren könne, teils an den Neuheiten, sagte Marketingchef Dirk Brömstrup. Sie brachten dem niedersächsischen Mittelständler diesmal drei Silbermedaillen ein, unter anderem für eine Feldspritze mit sensorgesteuerter Einzeldüsenschaltung. Damit kann die gesamte Feldoberfläche abgetastet und können so Grünpflanzen von unbewachsenem Boden unterschieden werden.

Sogar mehr Geschäfte als bei der Rekordmesse vor zwei Jahren hat Amazone laut Brömstrup schon angebahnt. Das verspreche gute Nachmessegeschäfte und Wachstum im nächsten Jahr.