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Niedersachsen Milchkontor gibt dem Druck nach
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Milchkontor gibt dem Druck nach
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22:34 29.06.2017
Quelle: DMK
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Bremen

Es sei aber trotz der weltweiten Milchkrise gelungen, eine erfolgreiche Neuausrichtung zu starten. „Wir haben aus unseren Fehlern gelernt“, sagte Müller. Für Juli kündigte er eine Erhöhung des Milchpreises um 2 Cent auf 36 Cent je Liter an.

Dem Unternehmen, das jährlich rund 7,3 Milliarden Kilogramm Milch an 20 Standorten verarbeitet, bereitet eine Kündigungswelle der Genossenschaftsbauern Sorgen. Aus Unzufriedenheit haben derzeit rund 1100 Landwirte gekündigt, womit dem Milchkontor zum Januar 2019 etwa 1,7 Milliarden Kilogramm Milch fehlen würden. Mehr als 500 Millionen Kilogramm davon fallen zum Januar 2018 weg - deshalb hat das DMK bereits Werksschließungen in Rimbeck in Nordrhein-Westfalen, Bad Bibra in Sachsen-Anhalt und Bergen auf Rügen angekündigt. Insgesamt werden 270 der insgesamt 7200 DMK-Stellen gestrichen.

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Bauern drohen mit Ausstieg

Sollten die restlichen 1,2 Milliarden Kilogramm Milch tatsächlich wegfallen, müsste das DMK erneut reagieren. „Wir werden aber um jeden Bauern kämpfen“, sagte Müller. Erfahrungsgemäß nähmen viele Landwirte ihre Kündigungen wieder zurück. Müller hält einen weiteren Anstieg des Milchpreises für möglich: „Für 2017 sind die Signale der Milchmärkte positiv.“

Für einzelne Produktsegmente, etwa bei Butter, könne im Laufe des Jahres sogar ein Milchgeld von bis zu 40 Cent möglich sein. Im vergangenen Jahr lag der DMK-Milchpreis für die Bauern bei durchschnittlich 25,2 Cent, 2015 waren es 27,6 Cent. Die Molkerei hat im Mai mit den Einzelhandelsketten höhere Preise für Trinkmilch, Joghurt und Quark aushandeln können. Dadurch ergab sich einerseits Spielraum für eine Milchgelderhöhung. Für die Verbraucher bedeutet das höhere Preise im Supermarkt.

Ein weiteres Thema, das Molkereien und Bauern umtreibt, ist die vom Kartellamt kürzlich als zu lang kritisierte Laufzeit der Liefer- und Abnahmeverträge. Eine von der DMK-Vertreterversammlung mit 94 Prozent beschlossene Satzungsänderung biete jetzt jedem Mitglied die Möglichkeit, die zweijährige Bindung an das DMK auf ein Jahr zu reduzieren, sagte Aufsichtsratschef Heinz Korte: „Wir sind die erste Genossenschaft, die eine solche Änderung vornimmt.“

Von Helmut Reuter

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