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Niedersachsen Mit Windkraft gegen die Wirtschaftsflaute
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17:13 21.04.2009
Ein Regenbogen verlaeuft zwischen zwei Windraedern auf einem Feld im westfaelischen Unna.
Im Aufwind: Experten sehen besonders an Land noch viel Windkraftpotenzial. Quelle: Torsten Silz/ddp
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Die Windkraftbranche, die sich mit der Leitmesse Wind auf der diesjährigen Hannover Messe erstmals mit einem eigenen Themenschwerpunkt präsentiert, will mit Windenergie nicht nur die Klimaschutzziele unterstützen, sondern auch „aus der Konjunkturflaute“ heraus, wie der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers, am Dienstag in Hannover betonte. Dazu würden alle Märkte gebraucht.

Mit verbindlichen Rahmenbedingungen wie dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sei jedenfalls „ein Anker in der Finanzkrise geworfen“ worden, sagte er. Die Summe der Wertschöpfung aus der Herstellung für das Inland, den Export und den Betrieb im Inland werde in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich von 9,6 auf 10,7 Milliarden Euro steigen. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche, die mehrheitlich von den Auslandsmärkten abhängen, wird sich den Angaben zufolge von 98 300 auf 106 000 erhöhen.

Weltweit steige die Nachfrage nach Systemen, Komponenten und Service für Windenergieanlagen. Der Erfahrungsvorsprung der deutschen Windindustrie im internationalen Wettbewerb zahle sich mit einer Exportquote von mehr als 80 Prozent aus, sagte Albers.

Auf der ganzen Welt seien im vergangenen Jahr Windenergieanlagen mit einer Leistung von mehr als 27 000 Megawatt neu installiert worden. Mittlerweile produzieren Windräder mit mehr als 120 000 Megawatt Leistung klimaschützenden Strom. Deutschland habe im vergangenen Jahr seinen Titel als „Windweltmeister“ an die USA verloren, die mittlerweile über 20,8 Prozent der weltweit installierten Kapazität verfügt (Deutschland 19,8; Spanien 13,9; China 10,1). Mit ambitionierten Ausbauzielen seien China und die USA dabei, die Erfolgsstory der Windenergie in Deutschland zu wiederholen.

Die deutsche Windenergiebranche sehe sich jedoch „gut gewappnet“, ihre Spitzenstellung zu festigen und auszubauen. Ein stabiler Inlandsmarkt „als Technologieschaufenster“ sei Grundvoraussetzung für weitere Erfolge im globalen Wettbewerb, sagte Albers. Dazu zählt sicher auch das Windparkprojekt vor der Nordseeinsel Borkum.

Immer wieder hatte es bei der Errichtung des Offshore-Testfelds mit zwölf Fünf-Megawatt-Anlagen Verzögerungen gegeben. In diesem Jahr jedoch werde die Anlage gebaut, sagte Albers. Zugleich dämpfte er jedoch, nicht zuletzt wegen der Kosten, die allein die erforderliche Netzanbindung verursacht, überzogene Erwartungen. Die Entwicklung der Windkraft auf See werde langsamer voranschreiten, als allgemein erwartet worden sei. 80 Prozent der Entwicklung werde an Land stattfinden, betonte er. Dort liege der „Brotmarkt“ für die mittelstandsorientierte Onshore-Industrie.

Es sei „gigantisch“, was an Land noch alles möglich sei, sagte der Geschäftsführer des Auricher Windkraftanlagenherstellers Enercon Hans-Dieter Kettwig. Bei Nabenhöhen von 138 Meter lässt sich heute wesentlich mehr Energie gewinnen als noch vor Jahren. Der Schallpegel gehe mit der Größe der Anlagen nicht nach oben, versicherte Kettwig und fügte hinzu: „Wir würden gerne noch höher bauen.“ Die Aussichten hierfür sind so schlecht nicht. Unter der Bevölkerung jedenfalls habe der Widerstand gegen Windkraftprojekte „deutlich nachgelassen“, sagte der Geschäftsführer des hannoverschen Projektentwicklers Windwärts Lothar Schulze.

ddp