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Niedersachsen Mittelständler fürchten Rohstoffklemme
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Mittelständler fürchten Rohstoffklemme
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18:56 06.10.2011
Von Jens Heitmann
Für den Bau von Generatoren von Windkraftanlagen werden Seltene Erden benötigt. Quelle: dpa
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Hannover

Deutschland importierte zuletzt Rohstoffe für 110 Milliarden Euro – der Wert hat sich seit 2001 mehr als verdreifacht. Öl, Gas und Kohle machen zwei Drittel der Einfuhren aus, ein Drittel sind Metalle, die für Hightech-Produkte immer wichtiger werden. Nicht alle jedoch sind problemlos verfügbar – zuletzt hat China die Ausfuhr sogenannter Seltener Erden stark gedrosselt.

Die sich abzeichnende Rohstoffklemme habe in der Wirtschaft einen hohen Handlungsdruck erzeugt, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Hannover, Horst Schrage, gestern am Rande einer Informationsveranstaltung in Hannover. „Das ist ein drängendes Problem nicht nur für die großen Konzerne, sondern auch für den Mittelstand.“

Viele Firmen sorgen sich weniger um die geringer werdenden Vorräte – schwerer wiegen für sie die Spekulationen an den Rohstoffmärkten und die instabilen Verhältnisse in den Förderländern, wie aus der Commerzbank-Umfrage hervorgeht. Die Manager seien gut beraten, sich an solche Volatilitäten zu gewöhnen, sagte der Leiter der Deutschen Rohstoffagentur, Volker Steinbach. „Die Preise werden auf hohem Niveau sehr stark schwanken.“ Geologisch gesehen gebe es keine Knappheit an Rohstoffen, „diese ist ausschließlich marktechnisch oder politisch begründet“. Trotz der zunehmenden Unsicherheit geben sich die Mittelständler recht pragmatisch: Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass sich dem Versorgungsengpass bei Rohstoffen mit Hilfe von Ingenieurskunst begegnen lässt – 45 Prozent sehen hier sogar zusätzliche Absatzchancen. Nur 20 Prozent befürchten, dass die Knappheiten den technischen Fortschritt bremsen können.

Die Mehrheit der Unternehmen versucht, steigende Rohstoffkosten an ihre Kunden weiterzugeben. Rund ein Drittel will sie durch Einsparungen an anderer Stelle kompensieren. Finanzinstrumente zur Absicherung gegen Rohstoffrisiken nutzen nur die großen Unternehmen – Mittelständler fürchteten Termin- oder Optionsgeschäfte ebenso wie die Risiken selbst, heißt es in der Studie – sie seien zu teuer, zu komplex oder zu riskant.