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Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen

Nach Test in Hannover: Ikea nimmt jetzt überall Gebrauchtmöbel zurück

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20:11 08.07.2019
Test erfolgreich: Bei Ikea im Expo-Park können Kunden gebrauchte Möbel schon seit September zurückgeben – künftig geht das überall. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Das schwedische Möbelunternehmen Ikea ändert erneut seine Bedingungen für die Warenrücknahme. In allen 53 deutschen Häusern sollen Kunden vom nächsten Montag an gebrauchte Möbel zurückverkaufen können. Damit geht ein Test an fünf Standorten zu Ende, der unter anderem im hannoverschen Haus am Expo-Park gelaufen ist. Für Kunden aber bringt die Regelung nicht nur Vorteile.

Immer neue Rücknahmeregeln bei Ikea

Seit Jahren experimentiert Ikea mit Rücknahmeregeln. Unter anderem war zeitweilig eine lebenslange Möbelrückgabe in Kraft, die aber in Deutschland angeblich von so vielen Ferienwohnungseigentümern missbraucht wurde, dass das Unternehmen sie wieder abgeschafft hat. Dann gab es ein einjähriges Recht auf Rückgabe, das inzwischen aber auf unversehrte Möbel eingeschränkt ist. Die neue Gebrauchtmöbelrücknahme unter dem Titel „Zweite Chance“ klingt zunächst charmant, weil das Unternehmen verspricht, daran nichts verdienen zu wollen: Die Teile sollen nur mit Mehrwertsteueraufschlag in der hauseigenen sogenannten Fundgrube wiederverkauft werden. Als Gegenleistung gibt es jedoch nur einen Einkaufsgutschein – Ikea wird also in aller Regel trotzdem an der Rücknahme verdienen. Zudem ist das Sortiment begrenzt, aus dem Ikea Gebrauchtmöbel annimmt.

So sind die Preise bei der Ikea-Gebrauchtmöbelrücknahme

Der HAZ-Test per Ikea-Onlineformular im Internet mit verschiedenen Möbelstücken ergibt, dass der Ankaufpreis in der Regel leicht unter einem Drittel des Neupreises liegt. So bringt ein Billy-Regal mit 80 Zentimetern Breite und 40 Zentimetern Tiefe bei leichten Gebrauchsspuren 18 Euro, der Neupreis liegt bei 59 Euro. Ein Hemnes-Kleiderschrank mit zwei Schiebetüren soll bei einem Neupreis von 299 Euro mit 90 Euro vergütet werden. Dabei sind die Gebrauchsspuren genau definiert: Höchstens drei Flecken, die kleiner als eine 2-Euro-Münze sind, und höchstens drei Kratzer, die kürzer als zehn Zentimeter sind, dürfen es sein. Für Möbel ohne Gebrauchsspuren gibt es höhere Preise.

Wer hingegen gut erhaltene Möbel auf den üblichen Plattformen für Gebrauchtes verkauft, erzielt teilweise höhere Preise. Die Rückgabe an Ikea dürfte sich zwar einfacher gestalten, dafür erhält man im Direktverkauf Bargeld, während der Betrag beim Ikea-Ankauf wegen der Gutscheinregelung im gleichen Unternehmen wieder ausgegeben werden muss.

Weiterverkauf in der Fundgrube

Nach Angaben einer Firmensprecherin haben die Kunden die Gebrauchtmöbelrücknahme in den fünf Testhäusern „gern“ angenommen. Auch Nachfrage sei ausreichend vorhanden: In den Fundgruben seien die „allermeisten“ zurückgenommenen Möbel innerhalb von zwei Tagen wieder verkauft worden. Das Möbelhaus sieht die Neuregelung als Teil seiner Nachhaltigkeitsstrategie. Man wolle die Nutzungsdauer von Möbeln erhöhen, zudem gebe es „ein wachsendes Bedürfnis der Menschen, nachhaltiger zu konsumieren“.

Zahlen zu der Menge bereits angenommener Möbel wollte das Unternehmen am Montag nicht kommunizieren – auch nicht, wie oft es möglicherweise zum Konfliktfall kam. Die Kunden müssen in einem Onlineformular zunächst mehrere Punkte zum Zustand des Produkts ausfüllen, dann nennt Ikea den möglichen Ankaufpreis. Fallen den Mitarbeitern dann bei der Warenannahme weitere Mängel auf, dürfen sie den Preis herunterhandeln oder den Ankauf ablehnen.

Zum Weiterlesen:

So ging der Test im Expo-Park 2018 los

Zuviel Missbrauch: So verschärfte Ikea 2018 das Rückgaberecht

Kommentar: Wieder nur ein Marketinggag?

Die schwedischen Möbelbauer verstehen sich auf gutes Marketing, keine Frage. „Zweite Chance“ für Möbel, das klingt schön. Und der Begriff „Nachhaltigkeit“ kommt bei weiten Teilen der Käuferzielgruppe ohnehin gut an. Aber mal ehrlich: Die meisten Ikea-Möbel sind natürlich nicht nachhaltig. Wer einmal mit den vielfach aus günstigen Materialien zusammengesetzten Teilen umgezogen ist, der kennt die Grenzen der Haltbarkeit.

Trotzdem ist die Idee einer Rücknahme gebrauchter Möbel nicht schlecht. Wer sieht, wie viele Möbelstücke täglich auf Wertstoffhöfen und bei Sperrmüllabfuhren in der Presse landen, die mindestens noch Studenten-WGs und Hobbykeller schmücken könnten, der bekommt eine Ahnung von den Problemen der Wegwerfgesellschaft. Wenn künftig zumindest der gut erhaltene Teil dieser Möbel den Weg über das Geschäft zu preisbewussten Kunden findet, ist wieder ein kleiner Schritt getan, um Ressourcen zu schonen. Dann wäre das Gebrauchtmöbelkonzept auch mehr als nur ein Marketinggag. Nicht umsonst lobt der Naturschutzbund freundlich den neuen Ansatz.

Insgesamt aber fehlt es den Schweden an Stringenz, was die Rückgabe betrifft. Bald im Jahrestakt wechseln die Konzepte in diesem Bereich. Man kann das für den Ausweis besonderer Kreativität halten – oder aber für Trommelei um jeden Preis. Die meisten Kunden aber dürften allmählich verwirrt sein. Es wäre schön, wenn man langfristig wüsste, woran man bei Ikeas Rücknahmekonzepten nun ist.

Von Conrad von Meding

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