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Niedersachsen Neue VW-Kontrolleure und neuer Streit
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17:59 01.05.2015
Aufrücken aus der zweiten Reihe: Julia Kuhn-Piech, hier mit Martin Winterkorn auf IAA Nutzfahrzeuge in der Messe Hannover, wird neues Aufsichtsratsmitglied der Volkswagen AG. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Er favorisiere Continental-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle und die Österreicherin Brigitte Ederer, früher Mitglied im Siemens-Vorstand. VW schwieg dazu. Auch Reitzle gab sich auf der Conti-Hauptversammlung am Donnerstag bedeckt.

In Aufsichtsratskreisen rätselte man einmal mehr über Piëchs Motive und die Abläufe innerhalb der Familie. Der neue Querschuss zeige jedenfalls, dass es richtig gewesen sei, Piëch zu isolieren, hieß es. Louise Kiesling ist die Tochter von Piëchs verstorbener Schwester Louise Daxer-Piëch. Sie ist Designerin und Textilunternehmerin und hat sich im Studium auch mit Automobildesign beschäftigt. Im Umfeld von VW trat sie bisher nicht in Erscheinung, gehört aber im Kreis der rund 80 Clan-Mitglieder zu denen, die sich intensiver um das Erbe von Ferdinand Porsche kümmern.

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Das gilt auch für Julia Kuhn-Piëch, Juristin und nach VW-Angaben selbstständige Immobilienmanagerin. Sie ist die Tochter von Piëchs jüngerem Bruder Hans Michel, der ebenfalls im VW-Aufsichtsrat sitzt. Im vergangenen September sah man sie bereits im Gefolge von Martin Winterkorn beim Rundgang über die IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Sie sitzt auch seit einigen Monaten im Aufsichtsrat von MAN Truck&Bus, der Lkw-Sparte der Münchner VW-Tochter.

Daneben hat die 34-Jährige auch schon Kontakte zum VW-Betriebsrat geknüpft. Sie arbeitet in der gemeinsamen Salzach-Stiftung mit, einem wohl einmaligen Konstrukt, das nach dem Übernahmekampf zwischen VW und Porsche gebildet wurde: Die Familien Porsche und Piëch haben dort aus ihrem persönlichem Besitz 2 Prozent der VW-Stammaktien eingebracht. Ihnen stehen weiter die Dividenden zu, das Stimmrecht auf Hauptversammlungen übt aber der Stiftungsvorstand aus - und dort hat der VW-Betriebsrat die Mehrheit. Der Betriebsrat hatte diese Konstruktion durchgesetzt, um notfalls gemeinsam mit dem Land Niedersachsen seine Vetomöglichkeiten gegen die Familie abzusichern.

Ob Ferdinand Piëch nun juristisch gegen die neuen Familienvertreter im Aufsichtsrat vorgehen wird, ist nicht bekannt. Seine Chancen wären aber gering, denn das Amtsgericht hat die beiden Frauen auf VW-Antrag bestellt - und dabei gibt es keine Sonderrechte einzelner Aktionäre. Piech könnte sich höchstens mit dem Rest der Familie über ihre internen Konsortialverträge streiten. Das würde aber wohl nichts daran ändern, das Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piech als Ersatz für ihn und seine Frau Ursula bis zum Frühjahr 2017 bestellt sind. Sie müssen nicht auf der bevorstehenden Hauptversammlung gewählt werden.

Offen bleibt damit jedoch die Frage, wer künftig Piëch als Aufsichtsratsvorsitzender beerben soll. Ihm selbst schwebte dabei offenbar zuletzt Wolfgang Reitzle vor. Der frühere BMW- und Linde-Manager führt das Conti-Gremium bereits seit mehr als fünf Jahren und kann sich zugute halten, den Konflikt zwischen Conti und der Familie Schaeffler nach dem Einstieg der neuen Großaktionäre befriedet zu haben. Auf der Hauptversammlung in Hannover ließ Reitzle Fragen von Aktionären zu seiner Zukunft unbeantwortet. „Bleiben Sie bitte hier“, rief ihm ein Aktionärsschützer zu.

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