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Niedersachsen Land der Niedriglöhner
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22:08 08.08.2013
Von Lars Ruzic
Jeder vierte Vollzeitbeschäftigte in Niedersachsen bekommt ein Entgelt, das unterhalb der aktuellen Niedriglohnschwelle von 1890 Euro im Monat liegt. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Danach bekommt derzeit jeder vierte Vollzeitbeschäftigte in Niedersachsen ein Entgelt, das unterhalb der aktuellen Niedriglohnschwelle von 1890 Euro im Monat liegt. Lediglich Schleswig-Holstein kommt unter den alten Bundesländern auf einen höheren Anteil von Geringverdienern.
Die Betroffenen müssten mindestens 47 Jahre arbeiten, um eine Rente zu erreichen, die gerade noch oberhalb der Grundsicherung von rund 760 Euro liegt, rechnete der DGB in Niedersachsen vor. Der Grund liege nicht nur in ihren aktuell geringen Löhnen. Hinzu komme die geplante Senkung des Rentenniveaus von derzeit rund 50 auf 43 Prozent. Für DGB-Landeschef Hartmut Tölle ein „Skandal“. Er forderte ein Umdenken in der Politik, „um eine Welle von Altersarmut zu vermeiden“.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund plädiert seit Längerem für eine Anhebung der Rentenbeiträge, um die Kassen für die alternde Bevölkerung zu wappnen. So könnten Kürzungen im Alter verhindert und die Rente mit 67 „zumindest ausgesetzt“ werden. Die Gewerkschaften im DGB haben die Rentenpolitik zu einem ihrer zentralen Wahlkampfthemen gemacht. Am 7. September, gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl, planen sie dazu eine Kundgebung in Hannover – mit ver.di-Chef Frank Bsirske und IG-Metall-Vorstand Helga Schwitzer.

Die Metallgewerkschaft präsentierte gestern die Ergebnisse einer Umfrage unter den Beschäftigten in Niedersachsen. Danach fordern 92 Prozent eine Abschaffung der Rente mit 67. Sogar 97 Prozent unterschrieben den Satz, „nach langer Erwerbstätigkeit muss man abschlagsfrei in die Rente gehen können“. Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine wertete dies als Bestätigung des Gewerkschaftskurses, räumte aber auch ein: „Wir rennen hier bei fast allen Politikern gegen die Wand.“ Deren Lebensrealität habe sich offenbar schon zu weit von der der Beschäftigten in der Industrie entfernt. Meine sprach von „einer Parallelgesellschaft unter der Glaskuppel des Reichstags“.

So ignorierten die Politiker weiterhin standhaft, dass viele Beschäftigte in der Metallindustrie ihren Job schon körperlich nicht bis 67 machen könnten. In der Umfrage unter fast 50 000 Metallern gaben 46 Prozent an, ihrer Tätigkeit nach 65 nicht nachgehen zu können. Lediglich jeder dritte Metaller glaubt, länger durchzuhalten. Das beliebteste Modell in den Betrieben sei bis heute die Altersteilzeit, so Meine. „Dieses Wort kommt in den Wahlprogrammen gar nicht vor.“

Gabi Stief 06.08.2013
Margit Kautenburger 09.08.2013