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08:09 09.05.2012
Von Alexander Dahl
Foto: Sandra Randzio hat nach der Schule eine Lehrstelle als Elekronikerin bei VW bekommen.
Sandra Randzio hat nach der Schule eine Lehrstelle als Elekronikerin bei VW bekommen. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Generationen von Azubis haben das zu hören bekommen. Etwas Demut und Dankbarkeit war gefordert, wenn Schulabgänger ehedem einen der begehrten Arbeitsverträge in der Hand hielten. Aus und vorbei. Wer heute als Jugendlicher bei den Firmen in Niedersachsen anklopft, dem wird erleichtert die Tür geöffnet. „Selten war die Chance auf einen Ausbildungsplatz größer als heute“, sagt der Präsident der Handwerkskammer Hannover, Walter Heitmüller. 600 Stellen in 50 Berufen sind in der Region unbesetzt – nicht nur bei Fleischern und Bäckern, sondern auch in beliebten Berufen wie Kaufmann oder Automechaniker.

Im Bezirk Hannover des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertages (NIHK) gibt es derzeit rund 1800 offene Lehrstellen – ein Zuwachs von rund 20 Prozent gegenüber 2011. Laut Heinz Orlob, NIHK-Abteilungsleiter Berufsbildung, wird schon in anderen EU-Ländern gesucht: „Wir versuchen, Jugendliche aus Spanien anzuwerben.“

Auch im übrigen Niedersachsen darf der Schulabsolvent am opulenten Büfett auswählen. Nach einer aktuellen NIHK-Umfrage werden dieses Jahr 80 Prozent der befragten Unternehmen mehr oder gleich viele Lehrlingsstellen wie 2011 anbieten. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Ausbildungsplätze, die nicht besetzt werden können, dramatisch erhöht: Lag deren Anteil 2011 bei zehn Prozent, wird er nach NIHK-Angaben 2012 landesweit bei 20 Prozent liegen.

Unternehmen senken Anforderungen

Auch die Lümmel von der letzten Bank können hoffen: Etwa 15 Prozent der Unternehmen senken die Anforderungen für Bewerber, um freie Plätze besetzen zu können. 2010 waren nur zehn Prozent dazu bereit. Und mehr als 60 Prozent der Betriebe sind laut NIHK bereit, Auszubildende während der Lehrzeit „mit gezielten Förderangeboten“ zu unterstützen, damit sie ihre Gesellenprüfung bestehen. Wer ausgelernt hat, der kann sich in vielen Fällen auf einen sicheren Job freuen: Etwa 50 Prozent der Betriebe plant, immerhin drei Viertel der Azubis in ein festes Arbeitsverhältnis zu übernehmen – ein Plus von 20 Prozent gegenüber 2010.

Selbst attraktive Arbeitgeber, wie beispielsweise die Stadtwerke Hannover, können nicht alle Lehrstellen besetzen. „Im Technikbereich fehlen Bewerber“, sagt Sprecher Carlo Kallen. VW hat keine Probleme. „Es gibt zehn mal mehr Bewerber als Lehrstellen“, sagt Martin Rosik, Personalleiter der Marke VW Pkw.

Geburtenschwache Jahrgänge machen den Lehrling zum gefragten Mitarbeiter. Wünsche haben die Betriebe dennoch. Im Lesen, Schreiben und Rechnen hapert’s oft, rügen sie. Und das, was in der Pubertät nervt – Disziplin, Leistungsbereitschaft, gute Umgangsformen – vermissen viele Firmenchefs auch recht oft. Ein Schnellkurs bei Vater oder Mutter hilft da vielleicht noch. Das neue Ausbildungsjahr beginnt ja erst im Sommer.

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