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Niedersachsen Niedersachsens Ärzte jammern über Einbußen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Niedersachsens Ärzte jammern über Einbußen
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19:33 10.06.2010
Von Jens Heitmann
Quelle: dpa
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Die Wut der Ärzte richtet sich dieses Mal nicht gegen die Politik oder die Krankenkassen, sondern gegen ihre eigenen Standesvertreter – der Hartmannbund hat jetzt den Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) zum Rücktritt aufgefordert: „Wer nicht in der Lage ist, die Fehlentwicklungen im Honorarbereich offen gegenüber seinen Mitgliedern zu kommunizieren, muss seinen Hut nehmen“, heißt es in einer Resolution.

Zu Beginn des Jahres hatte KVN-Chef Eberhard Gramsch einen Rückgang der Honorare um 3 Prozent erwartet – inzwischen ist von einem Minus von 8 Prozent die Rede. Im ersten Quartal konnte die KVN insgesamt 770 Millionen Euro an die Praxen auszahlen, im Vorjahreszeitraum waren es noch 805 Millionen Euro – insgesamt konnten sich die Ärzte in Niedersachsen über einen Zuwachs von durchschnittlich 19 Prozent freuen, nachdem die Politik den Niedergelassenen einen Nachholbedarf zugestanden hatte.

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Die Höhe der Honorarsumme hängt jedoch von der Zahl der Versicherten ab – und die ist in Niedersachsen rückläufig. Das Geld verteilt sich – vereinfacht gesagt – auf zwei Töpfe: Aus dem einen werden die sogenannten Regelleistungen bezahlt, eine Art Grundvergütung, die im Wesentlichen aus der Zahl der Behandlungen und der Honorierung des Vorjahresquartals errechnet wird. Aus dem anderen Topf honoriert die KVN „freie Leistungen“, darunter fallen zum Beispiel Akupunktur oder Schmerztherapie.

Die Besonderheit des zweiten Topfes ist, dass er keinen Deckel hat. Während die Regelleistungen einem Budget unterliegen, waren die „freien Leistungen“ bisher unbegrenzt abrechenbar. Für die Ärzte ergab sich daraus der Anreiz, hier möglichst viele Leistungen in Rechnung zu stellen – mit der Folge, dass der erste Topf noch kleiner wurde, weil sich das Gesamthonorar nicht erhöhte.

Auf diese Verwerfungen haben die Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Krankenkassen reagiert: Von Juli an werden aus der Gesamtvergütung zunächst die Regelleistungen finanziert – und erst danach berechnet, was an Vergütungen für bislang „freie Leistungen“ zur Verfügung steht, und in einem Sondertopf gebündelt.

Noch weiß niemand, wie sich diese Reform auswirkt – aber die Befürchtungen sind groß: Bei den Hausärzten sind Rückgänge im Vergleich zu 2009 von 20 bis 25 Prozent zu verzeichnen“, mahnt die Ärztegenossenschaft Niedersachsen-Bremen. Der Hartmannbund erwartet „in Einzelfällen“ Kürzungen von bis zu 45 Prozent und schimpft über einen „Blindflug bei der Honorarverteilung“.

Die KVN räumt Pannen in der Kommunikation ein. Für einen Rücktritt des Vorstandes gebe es aber „keinen Grund“, sagte ein KVN-Sprecher am Donnerstag. Man bereite bereits einen finanziellen Ausgleich für Praxen mit überproportionalen Honorarverlusten vor.