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Niedersachsen „Interessante Angebote“ für Deutsche Hypo
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „Interessante Angebote“ für Deutsche Hypo
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16:40 01.12.2017
Der Nord/LB-Vorstandsvorsitzende Thomas Bürkle plant einen kräftigen Personalabbau. Entlassungen soll es aber nicht geben. Quelle: imago
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Hannover

  Thomas Bürkle ist jetzt seit fast einem Jahr Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Landesbank. In seinem ersten großen Interview erklärt er, wie weit der Umbau der Bank gediehen ist und was noch tun tun ist. 

Herr Bürkle, soeben hat die Nord/LB einen neuen Quartalsbericht vorgelegt. Wie ist der Stand der Dinge nach dem Milliardenverlust 2016?

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Wir haben uns vier Ziele gesetzt, und zwar die Stabilisierung der Kapitalquote, die Rückkehr in die Gewinnzone, einen Abbau des Schiffsportfolios und die Integration der Bremer Landesbank. Auf allen Feldern sind wir vorangekommen, teilweise sogar schneller als geplant. 

Wo denn? 

Beim Abbau der Schiffskredite sind wir jetzt da, wo wir erst im Jahr 2018 hinwollten. Und die Integration der Bremer Landesbank ist uns in Rekordzeit gelungen. Dabei haben alle in hervorragender Weise mitgespielt, auch die Bremer. 

Wieviele Stellen sind durch die Fusion bei der Bremer Landesbank weggefallen? 

Von ursprünglich rund 1100 Vollzeitstellen in Bremen und Oldenburg werden rund 340 abgebaut. Knapp 100 Stellen werden darüber hinaus an andere Standorte verlagert. 

Insgesamt sollen bei der Nord/LB bis 2020 im Rahmen des Umbaus mehr als 1200 Arbeitsplätze abgebaut werden. Können Sie Entlassungen ausschließen? 

Wir haben mit dem Gesamtpersonalrat eine Zukunftsicherungs-Vereinbarung abgeschlossen. Dazu gehört die Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen. Eine Ausnahme würde nur dann gelten, wenn sich die Situation der Bank dramatisch verschlechtert. 

Zu Ihrem Umbauprogramm gehört auch der mögliche Verkauf von Töchtern und Beteiligungen, darunter der Deutschen Hypothekenbank in Hannover. Wie kommen Sie damit voran? 

Ende November war die Deadline für Angebote. Jetzt werden wir sehen, was wir machen. Da es sich um eine strategische Entscheidung handelt, haben unsere Träger das letzte Wort. Aber auf Eines möchte ich noch hinweisen, da ist ein falscher Eindruck entstanden: Die Nord/LB muss die Deutsche Hypothekenbank nicht um jeden Preis verkaufen. Wir werden keine dumme Entscheidung treffen. 

Gibt es interessante Angebote?

Ja, durchaus. Aber mehr kann ich dazu jetzt nicht sagen. Ich rechne mit einer Entscheidung im Januar.

Was tun Sie noch, von Verkäufen abgesehen, um die angestrebten Kostenersparnisse von 200 Millionen Euro zu erreichen? 

Einen großen Teil der Synergien wollen wir innerhalb des Konzerns heben. So schauen wir uns die Prozesse im Kreditgeschäft genau an. Ziel ist die konzernweite Effizienzsteigerung, auch mithilfe von Automatisierung und Digitalisierung. Da ist noch eine Menge Honig in der Heide. 

Leidet unter dem Umbau nicht Ihr Geschäft?

Gar nicht. Ich bin sehr froh, dass wir dieses Jahr einige schöne Transaktionen hatten, vor allem in den Bereichen Flugzeuge, Energie und Immobilien. Die Bank hat also weiter gut funktioniert. 

Das Geld für Ihre Geschäfte kommt zum Teil von institutionellen Investoren wie Versicherungen. Hat der Milliardenverlust der Nord/LB auf sie nicht abschreckend gewirkt? 

Nein. Die Investoren fühlen sich weiterhin komfortabel mit uns, sie vertrauen uns. Wir haben keine Probleme bei der Refinanzierung unseres Geschäfts. Allerdings ist sie etwas teurer geworden. 

Sie wollen Ihr riesiges Portfolio an Schiffskrediten abbauen, von denen ein großer Teil marode ist. Wie läuft die Verwertung? 

Wir kommen besser als geplant voran. Es gibt für die Schiffskredite beziehungsweise die Schiffe durchaus Kaufinteressenten. Darunter sind Finanzinvestoren, aber auch Reeder. Auch die Schiffsmärkte haben sich etwas erholt, das hilft uns. 

Mit dem Verkauf von Konzernteilen und dem Abbau von Krediten wollen Sie Ihre Kapitalquote nach oben bringen. Was ist Ihr Ziel? 

Dieses Jahr wird die harte Kernkapitalquote auf etwa 12 Prozent klettern. Das liegt zwar deutlich über der Mindestanforderung, aber die Aufsicht wird die Latte immer höher legen. Auch die anderen Landesbanken stehen bei der Kapitalausstattung besser da als wir – was aber daran liegt, dass sie in der Finanzkrise im Gegensatz zu uns Geld vom Staat bekommen haben. Mindestens 13 Prozent sind für die Nord/LB sicher nötig. 

Können Sie ausschließen, dass Sie eine Kapitalerhöhung benötigen? 

Für alle Zeiten kann ich nichts ausschließen. 

Können Sie es wenigstens für die nächsten drei oder fünf Jahre ausschließen? 

Nein. Das hängt davon ab, wie uns der weitere Abbau der problembehafteten Kredite gelingt. 

Haben Sie schon Kontakt mit dem neuen Landesfinanzminister Reinhold Hilbers aufgenommen, der nun den Nord/LB-Aufsichtsrat führen wird? 

Ja, natürlich. Herr Hilbers war als Mitglied des Haushalts- und Finanzausschusses des Niedersächsischen Landtages schon bisher regelmäßig im Haus. Ich kenne ihn daher schon länger.

Thomas Bürkle

Thomas Bürkle ist seit dem 1. Januar 2017 Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Landesbank Girozentrale (Nord/LB) in Hannover. Der studierte Volkswirt, 1953 in Freiburg/Breisgau geboren, hatte seine Laufbahn 1980 als Branchenanalyst bei der Berliner Bank AG begonnen. Seine weitere Karriere führte ihn in den nächsten Jahren auf etliche Auslandsposten in Bangkok, PragNew York, Wilnius und Kopenhagen. Im Nord/LB-Konzern arbeitet er seit 2002. Zehn Jahre später wurde er Vorstandsvorsitzender der Tochter Deutsche Hypothekenbank in Hannover. Im Nord/LB-Vorstand ist er seit Anfang 2014. Zu seinen Hobbys gehört das Motorradfahren (Harley und BMW). 

Von Albrecht Scheuermann