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Niedersachsen Nord/LB-Eigentümer sehen Geld
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Nord/LB-Eigentümer sehen Geld
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00:23 01.05.2015
Von Albrecht Scheuermann
Der Vorstandsvorsitzende der NordLB Norddeutsche Landesbank, Gunter Dunkel (M.) während der Bilanz-Pressekonferenz.
Der Vorstandsvorsitzende der NordLB Norddeutsche Landesbank, Gunter Dunkel (M.) während der Bilanz-Pressekonferenz. Quelle: Holger Hollemann
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Das Land Niedersachsen erhält als größter Nord/LB-Eigentümer davon fast 80 Millionen Euro, Niedersachsens Sparkassen sind mit etwa 34 Millionen Euro dabei. Die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) macht ihren Eigentümern wieder Freude: Erstmals seit vier Jahren schüttet Norddeutschlands größte Bank Dividende aus. Insgesamt fließen 130 Millionen Euro aus dem Jahresergebnis 2014 an die Träger. Größter Profiteur ist das Land Niedersachsens mit knapp 60 Prozent Anteil. Auf die Sparkassen Niedersachsens entfallen rund 26 Prozent, der Rest verteilt sich auf das Land Sachsen-Anhalt sowie die Sparkassen in diesem Bundesland sowie in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Eigentümer hatten jahrelang auf Dividende verzichten müssen, weil die Bank als Folge der Finanzkrise sowie verschärfter Regeln zunächst ihr Eigenkapital aufstocken musste. Deshalb hatten sich Bank und Träger darauf geeinigt, dass Gewinne vorerst im Haus bleiben. Mittlerweile hat die Kapitalausstattung des Instituts, die für die Stabilität in Krisen wichtig ist, wieder ein ordentliches Niveau erreicht. Die sogenannte harte Kernkapitalquote liegt wieder deutlich über 10 Prozent.

„Damit müssen wir uns nicht verstecken“, sagte Nord/LB-Chef Gunter Dunkel am Dienstag. Allerdings soll das nicht das letzte Wort sein. Für eine weitere Aufstockung verzichteten die Eigner nun endgültig auf 200 Millionen Euro, die die Bank aus früheren Gewinnen noch gebunkert hatte. Sie werden in die Gewinnrücklagen überführt und stärken so das Kernkapital der Bank.

Das 200-Millionen-Euro-Problem

Das Desaster um die Kärntner Bank Hypo Alpe Adria belastet die Nord/LB. Insgesamt hält sie Wertpapiere von rund 380 Millionen Euro des Hypo-Abwicklungsinstituts Heta. Wegen des Ende März von Österreich beschlossenen Moratoriums auf die Heta-Verbindlichkeiten hat die Nord/LB schon 105 Millionen Euro in der Bilanz 2014 abgeschrieben. Da jedoch die deutsche Bankenaufsicht mittlerweile eine Wertberichtigung von 50 Prozent für angemessen hält, muss die Bank nun nachbessern und ihre Abschreibungen auf rund 190 Millionen Euro erhöhen. Die Bank will – wie andere Betroffene – den Beschluss der Republik Österreich jedoch nicht einfach schlucken. Eine Klage werde aber noch geprüft. „Wir wollen das nicht zu einem Rechtsanwaltsbereicherungsprogramm machen“, sagte Dunkel. Insgesamt geht es um Heta-Schulden von 10 Milliarden Euro vorwiegend bei deutschen Banken und Versicherungen. Österreichs Regierung will trotz staatlicher Garantien das Geld nicht vollständig zurückzahlen.

Der Vorstandsvorsitzende Dunkel zog eine positive Geschäftsbilanz. „2014 war ein starkes Jahr. Wir haben alles erreicht, was wir uns vorgenommen haben.“ Der Konzerngewinn vor Steuern war mit 276 Millionen Euro immerhin fast doppelt so hoch wie im Jahr zuvor. Auch das Jahr 2015 habe gut begonnen. „Wenn ich mir nur das erste Quartal anschaue, könnte ich strahlend durch die Gegend laufen“, sagte Dunkel. Allerdings sollte man dies nicht aufs ganze Jahr hochrechnen. Gleichwohl rechnete die Bank mit einer weiter Verbesserung ihrer Zahlen.

Hauptgewinnquelle ist weiterhin der Zinsüberschuss, der vergangenes Jahr fast 2 Milliarden Euro ausmachte. Damit erwirtschafte die Nord/LB den höchsten Zinsüberschuss unter allen Landesbanken, hieß es. Nach wie vor leidet die Bank allerdings unter ihrem riesigen Portfolio an Schiffskrediten. Die hohen Abschreibungen auf die zuletzt noch mehr als 1544 Schiffe im Portfolio ließen diese Sparte mit einem Verlust von 420 Millionen Euro abschließen, der damit mehr als die Hälfte der Überschüsse in allen anderen Bereichen aufzehrte.

Auch im laufenden Jahr dürfte die Sparte wieder rote Zahlen abliefern, weil in Teilbereichen des Schifffahrtsmarktes die Lage nach wie vor desaströs ist. Allerdings warnte der Nord/LB-Vorstand vor Pauschalurteilen. So sei die Marktlage für Rohöltanker derzeit sehr gut, ganz ordentlich sehe es auch bei großen Containerschiffen oder Kreuzfahrtschiffen aus. Die Bank wolle sich auch keineswegs aus diesem Markt zurückziehen, sondern schließe im Gegenteil neue Geschäfte ab, um den Bestand „nicht vergreisen zu lassen“, wie Dunkel es formulierte.

Der Nord/LB-Chef wies auch darauf hin, dass die Bank ihre längerfristigen Gewinnziele reduziert habe. Grund dafür sind jedoch nicht die geschäftlichen Entwicklungen, sondern die immer weiter verschärften Auflagen durch die internationale Bankenregulierung. 2018 wollte die Bank eigentlich eine Milliarde Euro Vorsteuergewinn abliefern. Dieses Ziel hat die Bank nun auf 850 bis 900 Millionen Euro reduziert.

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