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Nord/LB: Verlust geringer als erwartet

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17:17 24.03.2020
Die Zentrale der Norddeutschen Landesbank in Hannover: Die Nord/LB sieht sich bei der Sanierung auf Kurs.
Die Zentrale der Norddeutschen Landesbank in Hannover: Die Nord/LB sieht sich bei der Sanierung auf Kurs. Quelle: Sina Schuldt/dpa
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Hannover

Die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) will ihren Konzernumbau trotz Corona-Krise zielstrebig vorantreiben. „Wir werden Kurs halten“, sagte Vorstandschef Thomas Bürkle am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz in Hannover. Nachdem die Bank ihre Bücher von den Risiken der Schiffsfinanzierung weitgehend befreit habe, könne sie sich wieder mit ganzer Kraft dem eigentlichen Geschäft widmen. Eine Prognose zur weiteren Entwicklung im laufenden Jahr sei wegen der Ausbreitung des Coronavirus jedoch nicht möglich.

Wegen maroder Schiffskredite war die Nord/LB in eine Schieflage geraten und hatte 2018 einen Rekordverlust von 2,4 Milliarden Euro erlitten. Von ihren Trägern wurde die Bank mit Finanzhilfen von insgesamt 3,6 Milliarden Euro gerettet. Mit 69 Millionen Euro sei der Verlust im vergangenen Jahr geringer ausgefallen als erwartet, sagte Bürkle. „Operativ war die Bank profitabel.“ Zu dem Minus unter dem Strich führten Kosten für die Restrukturierung in Höhe von 459 Millionen Euro.

Bank konzentriert sich auf fünf Geschäftsfelder

Die Landesbank soll bis zum Jahr 2024 deutlich schrumpfen. Die Bilanzsumme wird von zuletzt 140 auf 95 Milliarden Euro sinken. Von den noch 5300 Mitarbeitern sollen 2800 übrig bleiben. Man setzte darauf, dass der Stellenabbau auf freiwilliger Basis gelinge, sagte Bürkle. „Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen.“ Sollten angesichts der aktuellen Krise in der Wirtschaft weniger Beschäftigte als erhofft die Nord/LB verlassen, seien Verkürzungen der Arbeitszeiten denkbar, um die geplanten Einsparungen zu erreichen.

Die Landesbank will sich aus der Schiffsfinanzierung zurückziehen und das Kreditportfolio für Flugzeuge halbieren. „Es geht um die Vermeidung von Klumpenrisiken“, erklärte Bürkle. Von ehemals 20 Milliarden Euro an Schiffskrediten stand Ende 2019 noch ein Volumen von 4,6 Milliarden Euro in den Büchern – rund die Hälfte davon sei notleidend, hieß es. Dank der Verkäufe von Schiffen sowie Zins- und Tilgungszahlungen für bereits abgeschriebene Schiffe habe das Segment 2019 einen Vorsteuergewinn von 196 Millionen Euro erzielt. Die Luftfahrtkredite umfassten zuletzt noch 4,5 Milliarden Euro, hier blieben vor Steuern 44 Millionen Euro übrig.

Hilbers sieht Nord/LB auf gutem Weg

Die Nord/LB will künftig in fünf Geschäftsfeldern tätig sein: Zum Bereich Privat- und Geschäftskunden zählen die Braunschweigische Landessparkasse, das Konsortialgeschäft mit den Sparkassen und die Betreuung von Kommunen aus der Region. Im Geschäft mit dem Mittelstand will sich die Bank stärker auf einzelne Branchen wie den Agrarsektor konzentrieren. Die Tochter Deutsche Hypo soll weiter Gewerbeimmobilien finanzieren. Auch an Krediten für Infrastrukturprojekte, erneuerbare Energien und die Luftfahrt hält die Bank fest. Dies gilt ebenfalls für Kapitalmarktgeschäfte für institutionelle und öffentliche Kunden sowie Sparkassen. „Die Bank wird kleiner, risikoärmer und effizienter“, sagte Bürkle.

Die niedersächsische Landesregierung zeigt sich mit den Fortschritten beim Umbau des Geldinstituts zufrieden. „Das Geschäftsergebnis bestätigt meine Einschätzung, dass die Nord/LB das Potenzial für eine rentable Bank besitzt“, sagte Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU). Niedersachsen hält nach der Neuordnung der Trägerstruktur knapp 53 Prozent der Anteile. 40 Prozent liegen bei der Sparkassen-Gruppe und 7 Prozent beim Land Sachsen-Anhalt. „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden es in den nächsten Monaten aber nicht leichter machen“, sagte Hilbers.

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