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Niedersachsen Nord/LB feiert seltenes Jubiläum
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Nord/LB feiert seltenes Jubiläum
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11:34 07.03.2015
Von Albrecht Scheuermann
Spiegel des Zeitgeistes: Der nüchtern-strengen Gestalt der ehemaligen Nord/LB-Zentrale in der Georgstraße folgte eine Explosion der Form im Glaspalast am Friedrichswall.
Spiegel des Zeitgeistes: Der nüchtern-strengen Gestalt der ehemaligen Nord/LB-Zentrale in der Georgstraße folgte eine Explosion der Form im Glaspalast am Friedrichswall. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Hannover ist eine ziemlich flache Stadt. Da fällt die Zentrale der Norddeutschen Landesbank schon auf, obwohl das Gebäude mit der langen Glasfront und dem 18-geschossigen, verschachtelten Turm beileibe kein Wolkenkratzer ist. Die Großbanken in Frankfurt sind viel höher, aber dafür kann die Bank im Norden mit ihrem Alter prunken: Sie feiert jetzt ihren 250. Geburtstag - womit sie an Alter die meisten anderen Großbanken überragt.

Zugleich gehört sie aber auch zu den jüngsten deutschen Kreditinstituten. Klingt rätselhaft, doch die Auflösung ist recht simpel: In ihrer heutigen Gestalt ist die größte norddeutsche Bank erst im Jahr 1970 durch eine Fusion von vier niedersächsischen Häusern entstanden.

Braunschweig ist älter als Hannover - und so kann es auch nicht weiter verwundern, dass der Ursprung der Nord/LB dort zu finden ist: Im Jahr 1765 verfügte Herzog Karl I. zu Braunschweig und Lüneburg die Errichtung eines „Herzoglichen Leyhauses“, welches gut 200 Jahre später Teil der neuen Nord/LB wurde. Aufgabe des Geldhauses war es seinerzeit, die Untertanen des Herzogtums mit Krediten zu versorgen - und auch vor unseriösen Geldverleihern zu schützen, was beweist, dass das Geldgewerbe schon vor Jahrhunderten anfällig war für zweifelhafte Geschäfte.

Freilich gehört die Nord/LB nicht zu den Banken, die in dieser Hinsicht besonders negativ aufgefallen sind. Auch die jüngste globale Finanzkrise konnte ihr nicht allzu viel anhaben, da sie sich - jedenfalls im Vergleich zu anderen Banken - im Wettrennen um die größten Geschäfte, die heißesten Wetten, die höchste Kapitalrendite und die raffinierteste Abzocke zurückgehalten hatte. Und so können am Montag die Festredner mit Ministerpräsident Stephan Weil an der Spitze bei den offiziellen Feierlichkeiten im Schloss Herrenhausen die Erfolgsgeschichte der Bank rühmen, ohne allzu große Verrenkungen machen zu müssen.

75 Jahre nach der Bankgründung in Braunschweig betätigte sich auch der hannoversche König Ernst August I. als Bankgründer, es entstand die Hannoversche Landeskreditanstalt. Ihr Kerngeschäft zeigt, dass das Zeitalter des Feudalstaates noch nicht vorbei war: Sie gab den Bauern Kredit, damit sie sich von ihren Grundherren freikaufen konnten. In Braunschweig dokumentierte eine Umbenennung unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg das Ende dieses Zeitalters: 1919 wurde aus der Herzoglichen Leihhausanstalt die Braunschweigische Staatsbank, womit der Grundstein für eine Universalbank moderner Art gelegt war.

In Hannover gab es derweil schon eine Niedersächsische Landesbank Girozentrale, die wiederum selbst aus der Fusion von zwei Banken entstanden war. Die diversen Vorläuferinstitute der Nord/LB überlebten Hyperinflation, Nationalsozialismus, Weltkrieg, Währungsreform - und die Braunschweigische Staatsbank sogar ein Vierteljahrhundert ohne Staat. Mit der Gründung des Landes Niedersachsen im Jahr 1946 verschwand das Land Braunschweig von der politischen Karte, doch erst 1970 folgte das öffentlich-rechtliche Bankwesen in Niedersachsen: Aus der Braunschweigischen Staatsbank, der Niedersächsischen Landesbank Girozentrale, der Hannoverschen Landeskreditanstalt und der Niedersächsischen Wohnungskreditanstalt Stadtschaft wurde die Nord/LB als Anstalt öffentlichen Rechts.

Öffentlich-rechtlich ist sie heute immer noch, doch ihr Geschäftsmodell musste die Bank umkrempeln, seit sie sich nicht mehr auf diesem Status ausruhen kann. Die staatlichen Garantien in Form von „Gewährträgerhaftung“ und „Anstaltslast“ wurden auf Geheiß der Europäischen Kommission 2005 abgeschafft, seitdem muss sich die Nord/LB allein aus eigener Kraft am Markt behaupten.

Das gelingt dem Bankkonzern ganz gut, da er sein Geschäft auf mehrere starke Säulen stützt. Kredite für Unternehmen und Institutionen, gewerbliche Immobilienfinanzierung, Finanzierung von Schiffen, Flugzeugen und Energieprojekten, aber ebenso das Geschäft mit ganz normalen Privatkunden, das die Landessparkasse Braunschweig betreibt - das Spektrum ist breit, und auf manchen Gebieten zählt die Nord/LB international zu den wichtigsten Adressen.

Dass die eng mit den Sparkassen verbundene Bank das auf solidem Fundament tut, hat ihr jüngst der europäische Bankenstresstest bescheinigt. Die Nord/LB hat ihn relativ locker bestanden - was ihr manche Experten vorher nicht unbedingt zugetraut hatten.

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