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Niedersachsen Nordmilch und Humana bauen auf gemeinsame Vermarktung
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Nordmilch und Humana bauen auf gemeinsame Vermarktung
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11:17 10.06.2009
Von Carola Böse-Fischer
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Die Wettbewerbshüter merkten zwar kritisch an, dass Nord Contor mit 33,3 Prozent Marktanteil eine marktbeherrschende Stellung erreichen könne und damit zugleich erheblich über den Marktanteilen der Wettbewerber liege. Aber die Produkte seien Milchbasisprodukte, die von vielen Molkereien hergestellt und vertrieben würden, begründete das Amt die Billigung der Vertriebsfusion. Zu den Konkurrenten von Nordmilch und Humana zählen auf dem deutschen Markt nach Angaben der Kartellwächter große Unternehmen wie Campina/Friesland und Danone-Konzern. Nordmilch mit einem Umsatz von 2,3 Milliarden Euro und Humana mit 2,2 Milliarden Euro spielen verglichen mit solchen Konkurrenten immer noch in einer anderen Liga. Zudem steht den beiden Partnern mit Handelsriesen wie Aldi, Lidl, Edeka und Rewe „eine hoch konzentrierte und finanzkräftige Marktgegenseite gegenüber“, wie es hieß.

Auch den Wettbewerb auf den Erfassungsmärkten für Milch sehen die Kartellwächter nicht gefährdet. Den Milchbauern würde auf den betroffenen Regionalmärkten „eine Reihe weiterer Molkereien zur Verfügung stehen“, an die sie ihre Milch verkaufen könnten, erklärte das Kartellamt. Erfreut über die positive Entscheidung der Wettbewerbshüter zeigten sich die Milchkonzerne Humana und Nordmilch. Nordmilch-Chef Josef Schwaiger rechnet damit, dass die neue Tochter Nord Contor im Juli starten könne. Schwaiger wird – wie berichtet – zusammen mit Rolf Janshen, dem geschäftsführenden Vorstand der Humana Milchunion eG, Nord Contor führen. Nordmilch-Marketingdirektor Claus P. Fischer werde das Management komplettieren, teilte der Konzern mit Sitz in Bremen am Dienstag mit.

Die Liberalisierung des Milchmarktes erfordere das „Überdenken alter Strukturen“, um die Existenz der Erzeugerbetriebe zu sichern, erklärte Fischer. Insgesamt rund 17.000 Milchbauern beliefern die beiden Unternehmen. Die Erfassung der Rohmilch betreiben Humana und Nordmilch weiterhin jeder für sich. Getrennt bleibt auch die Produktion.

Die neue Vertriebsfirma wird den Angaben nach die Produktgruppen Käse, die weiße Linie mit Joghurt und Quark sowie Produkte für die Industrie und Sahne vermarkten. Nordmilch bringt somit sein gesamtes Geschäft bei Nord Contor ein. Humana wird weiterhin Babynahrung sowie Eiscreme und Gesundsheitsprodukte allein vertreiben.

Mit der Bündelung des Vertriebs wollen die Konzerne ihre Wettbewerbsstellung gegenüber Konkurrenten, aber auch beim Lebensmittelhandel stärken. Zusammen könne man größere Produktpakete und Mengen anbieten, hieß es. Daran sei auch der Handel interessiert. Trotzdem seien Nordmilch und Humana auch zusammen nicht stark genug, um den Handel unter Druck zu setzen.

Deshalb will Nordmilch über Fusionen weiter wachsen. So plant der Konzern den Zusammenschluss mit der Pommernmilch eG, wie in der Branche berichtet wird. Darüber bekäme Nordmilch die Pommermilch-Tochter ZMV Dargun, einen Käseproduzenten mit einer Kapazität von 40.000 Tonnen, in die Hand – und könnte sein Angebot von Produkten mit höherer Veredelung und höherer Marge ausbauen.

09.06.2009
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