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Niedersachsen "Investor DSD Steel hat komplett versagt"
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen "Investor DSD Steel hat komplett versagt"
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13:24 29.05.2015
Von Jens Heitmann
Nach der Insolvenz der Nordseewerke hat die niedersächsische Landesregierung die Inhaber scharf kritisiert. Quelle: dpa
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Hannover

Dem belgischen Unternehmen sei es nach der Übernahme der Nordseewerke nicht gelungen, neue Aufträge hereinzuholen und das Unternehmen neu auszurichten. „Der Verdacht liegt nahe, dass es dem Investor offensichtlich nie um den Erhalt des Unternehmens ging, sondern um den schnellen Profit“, sagte Lies nach der Insolvenz der Nordseewerke.

Die Nordseewerke sind aus der ehemaligen Marinewerft von ThyssenKrupp hervorgegangen. Sie produzieren im wesentlichen Gründungselemente für den Bau von Offshore-Windanlagen, sogenannte Tripoden und Jackets sowie Transition Pieces. Als erster war der Mittelständler Siag Schaaf mit dem Versuch gescheitert, aus dem Unternehmen einen Zulieferer für die Windkraftindustrie zu machen: Die Nordseewerke schlidderten im Oktober 2012 trotz gut gefüllter Auftragsbücher in die Insolvenz. In der Branche gab es seinerzeit Zweifel am Know-how des damaligen Managements und der Belegschaft. Kurz vor der Landtagwahl 2013 hatte die schwarz-gelbe Landesregierung DSD als neuen Investor präsentiert.

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Die alte Landesregierung hatte nach HAZ-Informationen zunächst eine Bürgschaft von 50 Millionen Euro gewährt, um einen Kredit der Nord/LB abzusichern. Ob diese Bürgschaft infolge der Insolvenz in voller Höhe fällig geworden ist, wollte das Finanzministerium Freitag nicht sagen. Der neue Investor DSD soll dafür einen Kredit von 20 Millionen Euro erhalten haben, für den das Land dem Vernehmen nach zu 80 Prozent bürgt.

Der neue Eigentümer übernahm nur 240 der 750 Mitarbeiter der früheren Eigentümer. Weitere 420 Beschäftigten wechselten in eine sogenannte Transfergesellschaft – zwei Drittel von ihnen fanden einen neuen Job. Von dem aktuellen Insolvenzverfahren sind nach Angaben von DSD 181 Mitarbeiter betroffen, von denen sich 80 Prozent bereits seit September 2014 in Kurzarbeit befinden. Die Mitarbeiter erhalten für die Zeit von 3 Monaten bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens Insolvenzgeld.

DSD wies die Vorwürfe der Landesregierung zurück. Den Nordseewerken sei es noch 2013 gelungen, Aufträge zu akquirieren, erfolgreich abzuwickeln und nach vollzogenen Umstrukturierungen und Prozessoptimierungen einen erheblichen Gewinn zu erwirtschaften, teilte das Unternehmen am Freitag mit. „Die Muttergesellschaft hat auf die Ausschüttung von Gewinnen vollständig verzichtet, um die Kapitalausstattung für die Umsetzung von Anschlussaufträgen zu vergrößern“, hieß es. „Auch hat sie auf Mietzahlungen für Grundstück und Maschinen verzichtet, um den Nordseewerken mehr finanziellen Spielraum zu belassen.“

Albrecht Scheuermann 28.05.2015
Carola Böse-Fischer 28.05.2015