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Niedersachsen Nordzucker fordert Verlängerung der Zuckermarktordnung
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Nordzucker fordert Verlängerung der Zuckermarktordnung
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08:39 17.01.2013
2012 war ein ertragreiches Jahr für Rübenbauern. Nordzucker-Chef Hartwig Fuchs fürchtet das Ende der Zuckermarktordnung 2015 und damit einen Einbruch in der Branche. Quelle: dpa
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Braunschweig

Die norddeutschen Zuckerrübenbauern haben eine gute Ernte eingefahren. Die Rüben sind so süß wie lange nicht. Schon das Geschäftsjahr 2011/12 lief für die Nordzucker AG in Braunschweig gut: Zwei Milliarden Euro Umsatz und 208 Millionen Euro Gewinn konnte das zweitgrößte Zuckerunternehmen Europas verbuchen. Die Zuckermarktordnung schützt die europäische Zuckerwirtschaft vor der Konkurrenz außerhalb Europas. Nach dem Willen der Europäischen Kommission soll 2015 Schluss mit der Marktregelung sein. In einem Interview fordert Nordzucker-Vorstandsvorsitzender Hartwig Fuchs eine Verlängerung. 

Herr Fuchs, warum ist Ihnen die Fortsetzung der Zuckermarktordnung über das Jahr 2015 so wichtig?

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Wir haben die gravierenden Folgen der Reform von 2006 bis 2009 noch nicht in allen Bereichen verdaut. In der EU wurden rund 80 Zuckerfabriken geschlossen, viele Zuckerrübenanbauer stiegen aus der Produktion aus, zahlreiche Arbeitsplätze gingen in der Industrie auf Dauer verloren. Wir haben uns auf unsere jeweils besten Standorte konzentriert und produzieren gemeinsam mit den Bauern Zucker unter hohen Sozial- und Umweltstandards. Das ist eine Gratwanderung, denn die Zuckerrübe muss attraktiv genug sein, damit der Landwirt ihr in Konkurrenz zu Weizen und Raps Fläche einräumt. Gleichzeitig muss aber die Produktion so kostengünstig strukturiert werden, dass unser Zucker mit dem Weltmarkt mithalten kann, von dem die EU ohnehin schon 15 Prozent ihres Bedarfs importiert. Deswegen brauchen wir die Verlängerung der Zuckermarktordnung bis 2020.

Haben die deutsche Rübe und mit ihr die Landwirte und das Unternehmen nach der abgeschlossenen Umstrukturierung überhaupt noch eine Zukunft?

Ja, davon bin ich überzeugt. Wir sind stolz darauf, dass wir als Nordzucker in 18 Produktionsstandorten in ganz Europa aktiv sind. Wir arbeiten hart daran, dass unser Rübenzucker, nach den hohen EU-Standards hergestellt und regional vermarktet, nicht nur die höchste Versorgungssicherheit für alle unsere Kunden darstellt, sondern auch preislich auf Sicht mit Importen aus Drittländern konkurrieren kann. Es mag sein, dass wir im Rahmen der Anpassungsprozesse in der Landwirtschaft dann von einer etwas geringeren Anzahl von Bauern kaufen, aber die Zuckerrübe wird nie ihre wichtige Funktion in der Fruchtfolge für die Landwirtschaft verlieren.

Setzt Nordzucker noch auf andere Geschäftsfelder?

Wir setzen auf das, was wir am besten können: die Herstellung von Zucker. Und der Erfolg gibt uns Recht. Wenn sich entlang dieser Wertschöpfungskette eine gute Gelegenheit für eine Ergänzung ergeben sollte, werden wir uns das aber sicherlich ansehen. Unser Engagement im Bioethanol zum Beispiel beurteile ich durchaus positiv. Unsere Anlage in Klein Wanzleben läuft technisch hervorragend, wird von einer jungen Mannschaft professionell gefahren - aber erwirtschaftet zugegebenermaßen keine hohen Gewinne. Dennoch ist der Betrieb sinnvoll, da er uns Flächen für die Rübe im Wettstreit mit Raps, Weizen und Mais erhält.

dpa/mhu

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