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Niedersachsen Octapharma investiert 110 Millionen in Springe
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Octapharma investiert 110 Millionen in Springe
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13:25 26.05.2010
Von Bernd Haase
Ein Lager, ein Verwaltungsgebäude und ein Technikgebäude sollen in Springe dazukommen. Quelle: Michael Thomas/Archiv
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Das Pharmaunternehmen Octapharma mit Sitz in der Schweiz investiert in Springe 110 Millionen Euro. Am Dienstag ist in der Deisterstadt, auf deren Gebiet es noch nie eine teurere Baustelle gegeben hat, die Fertigstellung des ersten Abschnitts gefeiert worden. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bezeichnete Octapharma als „unternehmerische Perle in unserem Land“.

Das vom Familienunternehmer Wolfgang Maguerre geführte Unternehmen stellt aus Spenderblut hochreine Plasmapräparate für die Immunologie, die Intensivmedizin und die Behandlung von Bluterkranken her. Früher hatte das der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes in Springe selbst getan. Octapharma wurde zunächst Kooperationspartner des DRK und kaufte dann vor gut zwei Jahren die Blutplasmaherstellung. Neben Springe verfügt die Firma mit Wien, Straßburg, Stockholm und Mexico-City über vier weitere Produktionsstandorte. Am Deister arbeiten derzeit 156 Spezialisten für die Firma. „Bei uns gibt es nichts, was nicht hochkompliziert ist und damit nichts, was nicht hochqualifizierte Mitarbeiter erfordert“, sagte Maguerre, dessen Unternehmen in Deutschland nach seinen Angaben etwa 1000 Mitarbeiter beschäftigt.

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Die Standorterweiterung in Springe, die ein Lager, ein Verwaltungsgebäude und ein Technikgebäude mit zusammen knapp 10.000 Quadratmetern Nutzfläche umfasst, stand anfänglich auf der Kippe. Zeitweilig war sogar von einem Rückzug der Schweizer die Rede. Grund waren ursprüngliche Pläne des Unternehmens, für die Gebäude einen Eichenwald in einem Naturschutzgebiet abzuholzen. Dies stieß auf Unwillen bei der Region Hannover. Vor allem die Stadt Springe mit Bürgermeister Jörg-Roger Hische (CDU) kämpfte in der Folgezeit um die den Verbleib der Firma. „Das Verfahren hat Kraft gekostet, aber wir haben eine konstruktive Lösung gefunden“, sagte Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) am Dienstag. Sie sieht so aus, dass die Eichen unangetastet blieben und Octapharma die Gebäude letztlich auf der dem Altbau gegenüberliegenden Seite der Eldagsener Straße gebaut hat. Beide Teile sind durch einen eine Million Euro teuren Tunnel unter der Straße verbunden.

Die gesamte Erweiterungsphase, die mit dem ersten Spatenstich vor 17 Monaten begonnen hat, will Octapharma im Jahr 2014 abschließen. Nach Angaben von Gerold Rempeters, Geschäftsführer in Springe, soll sich die Jahresproduktion mit 1,2 Millionen Litern Plasma dann gegenüber dem heutigen Stand verdoppelt haben. Auch die Mitarbeiterzahl soll entsprechend steigen, die Zielzahl liegt bei 250. „Das werden sichere Arbeitsplätze in einer Zukunftsbranche“, sagte Wulff, dem noch ein anderer Umstand sehr am Herzen lag. Octapharma habe für seine Investition am Deister keinerlei finanzielle Förderung durch die öffentliche Hand beantragt.